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Talkrunde im Hotel de Rome

Auf dem Podium sprachen (von rechts) Carsten K. Rath, Jo Groebel, Oliver Ziegler, Christian Renz und Moderator Michael Märzheuser.

(Foto: The Luxury Network)

The Luxury Network Wie die Luxus-Connection auf Kundenjagd geht

Bulgari, Tesla und andere Firmen zahlen viel Geld, um gemeinsam Kunden zu gewinnen. Ihr gemeinsamer Nenner ist ein unscharfer Begriff: Luxus.
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BerlinLuxus hat offenbar auch eine literarische Seite. Zumindest suggerierte dies ein Talk in der Berliner Fünf-Sterne-Herberge Rocco Forte Hotel de Rome, der den schönen Titel „Die Poesie des Luxus – Zwischen Tradition und Moderne“ trug. Eingeladen hatte die deutsche Franchise von „The Luxury Network“, einer weltweit in fast 30 Ländern tätigen Gruppe.

Im Gegensatz zum mäßig prägnanten Titel des Talks hat das Netzwerk mit Sitz in München eine handfeste Zielsetzung: als eine Art Inkubator die Zusammenarbeit zwischen „High-End“-Unternehmen zu fördern, damit diese Hand in Hand einen noch besseren Zugang zur kaufkräftigen Klientel rund um den Globus erlangen. Neudeutsch nennt man es Affinity Marketing.

Geführt wird „The Luxury Network“ als privater Business-to-Business-Club; für die Mitgliedschaft zahlen die teilnehmenden Unternehmen wie McLaren, Bulgari, Hapag Lloyd Cruises, Pommery oder Tesla eine jährliche Gebühr im kleinen fünfstelligen Bereich. Veranstaltungen wie der Talk in Berlin sind eine wichtige Komponente der aktiven Partnerschaften zwischen den Mitgliedern – zum Wohle der Kunden und der Geschäftskonten.

Knapp 100 Gäste fanden sich also im Hotel de Rome ein, um zunächst standesgemäß bei Champagner, Kanapees und Pianomusik zu netzwerken – Vertreter von Mitgliedsunternehmen und deren Topkunden, aber auch potenzielle Neumitglieder. Die wollen erst noch davon überzeugt werden, sich dem luxuriösen Netzwerk anzuschließen. Silvia Herrmann weiß, was überzeugen kann: „Gemeinsam lassen sich einzigartige Erlebnisse schaffen und Bedürfnisse wecken, die eine Marke allein nicht generieren kann.“

Zur Bekräftigung erzählt die Deutschland-Geschäftsführerin des Luxury Network die Geschichte von der Gourmet- und Genussreise in die Champagne zum Mitglied Domaine Pommery im Jahr 2017. 25 Topkunden der Netzwerk-Mitglieder nahmen dafür in Luxuskarossen von Lamborghini, Lotus, McLaren und Tesla Platz.

Vor dem Hotel präsentierte sich eine Luxuskarosse von Lamborghini. Quelle: The Luxury Network
650 Pferdestärken, 260.000 Euro

Vor dem Hotel präsentierte sich eine Luxuskarosse von Lamborghini.

(Foto: The Luxury Network)

Intern heißen solche Veranstaltungen „VIP Lifestyle Experience“. Das Erlebnis war offenbar so berauschend, dass ein Teilnehmer anschließend seinen Aston Martin durch die Luxusversion eines Tesla Model X ersetzte. Ein anderer schaffte sich einen neuen McLaren an.

„Budgetoptimierend“ nennt Silvia Herrmann es, wenn man sich als Anbieter eines Luxusprodukts mit anderen Anbietern zusammentut, um den Druck in Richtung Kunde zu erhöhen. Nicht jede Marke, die dabei sein will, kann es letztlich es auch. „Kooperationen sollten auf Augenhöhe stattfinden und dieselbe Zielgruppe ansprechen.“, sagt Silvia Herrmann. Namen werden, Diskretion ist Ehrensache, nicht genannt.

Für manche Bewerber, zumindest das klingt durch, scheint das Netzwerk eine Nummer zu groß zu sein. Die, die dabei sind, können auf die partnerschaftliche Unterstützung der prominenten Marken von Bulgari und Co. hoffen.

Digitales Piano: Das Modell von Steinway & Sons kann 2.000 Titel spielen. Quelle: The Luxury Network
Musik vom Band

Digitales Piano: Das Modell von Steinway & Sons kann 2.000 Titel spielen.

(Foto: The Luxury Network)

Denn darum geht es ja schließlich in erster Linie bei den Veranstaltungen wie jenen in Berlin: mit den Gleichgesinnten neue Gleichgesinnte zu finden. Da wirkt der Talk im Ballsaal des Hotels, der bis 1945 die Schalterhalle der Dresdner Bank war, eher wie Beiwerk – zumal er weniger die poetische Seite des Luxus beleuchtet als vielmehr die Frage zu beantworten sucht, was genau Luxus am Beginn des 21. Jahrhunderts denn eigentlich ist.

Zunächst mal findet er eine sicher nach wie vor konsensfähige Gestalt draußen vor dem Eingang des Hotels. Dort steht ein brandneuer SUV namens Lamborghini Urus. Sein leises Motorgrummeln deutet zumindest im Leerlauf nur sehr dezent an, dass er als automobiles Geschoss mit 650 Pferdestärken seinen Käufer um fast 300.000 Euro erleichtert. Luxus pur, wer kann sich das schon leisten.

Drinnen im Saal werden dann aber irgendwie andere Töne angeschlagen. Die Suche nach einer zeitgemäßen Definition von Luxus, zumal seiner poetischen Seite, scheint nicht einfach. „True Luxury“, sagt stellvertretend Carsten K. Rath, „hat nichts mit dem Preis zu tun.“

Rath war über Jahrzehnte führend in der Luxus-Hotellerie tätig, unter anderem im Adlon Berlin und im Robinson Club. Nun ist er Keynote-Speaker, Managementberater und Autor auch des Handelsblatts. Und seit wenigen Wochen Markenbotschafter von The Luxury Network, wozu ihm seine Reiseplattform Travel Grand verholfen hat.

Rath erzählt an diesem Abend in Berlin auch von anderen Dingen. Etwa, dass die zwei Ebenen von Luxus, nämlich Produkt und Dienstleistung, nun von einer dritten abgelöst werden, die Nachhaltigkeit heißt. „Ich bin fest davon überzeugt“, sagt Rath, „dass nur die Luxusmarken überleben, die sich ihr komplett verschreiben.“

Der Warner sitzt mit auf dem Podium. „Man sollte das nur machen, wenn man davon auch überzeugt ist“, sagt Jo Groebel. Wie Rath ist auch der bekannte Medienpsychologe und -tausendsassa vielseitig unterwegs, als ehemaliger Generaldirektor des Europäischen Medieninstituts und Gründer des Deutschen Digital-Instituts, als Buchautor und Berater von Unternehmen und politischen Institutionen. Groebel also glaubt, dass die Fokussierung von Luxusmarken auf Nachhaltigkeit schnell so wirken könne, als springe man lediglich auf einen flott laufenden Zug auf.

Silvia Herrmann und Oliver Ziegler stehen dem Netzwerk als Geschäftsführerin und Head of Business Development vor. Quelle: The Luxury Network
Netzwerk-Spitze

Silvia Herrmann und Oliver Ziegler stehen dem Netzwerk als Geschäftsführerin und Head of Business Development vor.

(Foto: The Luxury Network)

Jo Groebel sagt im Ballsaal auch, dass Luxus für ihn die Möglichkeit sei, „mit Freunden gemeinsam etwas zu genießen“. Christian Renz, Senior Vice President der gastgebenden Rocco Forte-Kette, glaubt an die luxuriöse Kraft der „Entschleunigung“, Oliver Ziegler, Head of Business Development bei The Luxury Network, erzählt vom Zwitschern der Vögel in einem ruhigen Tal als einmaligem Erlebnis.

Und Carsten K. Rath glaubt, dass Luxus ehrlich, authentisch, gar bodenständig sein muss, um erfolgreich zu sein. „Luxus schreit nicht“, sagt Rath, „Luxus flüstert.“

Das kann der Lamborghini draußen im Leerlauf auch – ein kraftvoll angeschlagenes Piano hat da schon mehr Schwierigkeiten, als es anschließend die knapp 100 Gäste beim neuerlichen Netzwerken lautstark unterstützt. Die Töne kommen zwar nur vom Band – aber von welchem! Auch Klavierhersteller Steinway & Sons ist Mitglied, in Berlin unterhält die Gäste ein per iPad bedienbarer Spirio-Flügel mit integriertem hochauflösendem Selbstspielsystem. Kostenpunkt für das Konzerterlebnis von rund 2.000 eigens eingespielten Titeln: ab 100.000 Euro aufwärts. Irgendwie luxuriös.

Diskretes Wirken ohne Zahlen

Für das Netzwerk selbst scheint sich das eher diskrete Wirken – Zahlen zum Umsatz werden ebenso wenig genannt wie der genaue Mitgliedsbeitrag – zu lohnen. Seit seiner Gründung im Jahr 2007 in London ist es rapide gewachsen und ist heute an 27 globalen Standorten mit Franchises vertreten.

Im Netz des Netzwerks stecken Unternehmen aus High-End-Branchen wie Schiff- und Luftfahrt, Motorsport, Immobilien- und Reisemarkt, Finanzwesen, Mode, Schmuck und Uhren. Mehr als 500 Mitglieder sind es weltweit.

Über 17 Gleichgesinnte freut sich derweil Deutschland-Geschäftsführerin Herrmann. Vielleicht sind nach der Veranstaltung in Berlin ja neue hinzugekommen. Und vielleicht hat sich ja auch jemand ein neues Auto gekauft. Muss ja nicht gleich ein Lamborghini Ursu sein. Luxus geht schließlich, das wissen wir jetzt, auch eine Nummer kleiner.

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1 Kommentar zu "The Luxury Network: Wie die Luxus-Connection auf Kundenjagd geht"

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  • Erfrischend kurzweilig, wie der Autor hier eine Werbeveranstaltung für Luxus von der Stange beschreibt.
    Wissen wir doch alle, wahrer Luxus hat keinen Preis, er ist einzigartig, individuell, ohnegleichen,
    wahrer Luxus ist unbezahlbar.
    Was immer es auch ist.

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