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Tourismus Fünf Sehnsuchtsziele für die neue Zeit nach Corona

Auch dafür ist das Ende des Gewohnten gut: Die Aussicht auf goldene Momente von Morgen – zum Beispiel auf legendären Straßen.
12.04.2020 - 10:11 Uhr Kommentieren
Mit 260 Metern ist sie die längste und markanteste Brücke der Atlantikstraße in Norwegen. Quelle: Moment/Getty Images
Storseisundbrücke

Mit 260 Metern ist sie die längste und markanteste Brücke der Atlantikstraße in Norwegen.

(Foto: Moment/Getty Images)

Hamburg „Gefangen im Paradies“ ist in diesen Tagen eine der medialen Lieblingsphrasen. Während das Auswärtige Amt unermüdlich versucht, Touristen aus Neuseeland oder der Karibik per „Operation Luftbrücke” heimzuholen, haben andere sich in ihrem Mikrokosmos eingerichtet und heben Erinnerungsschätze aus dem echten oder virtuellen Fotoarchiv.

Es gibt nun Tage, da können Bilder einer gefühlt vergangenen Zeit den Horizont erweitern. „Ich mag ihren inneren Zirkus,“ schreibt Herta Müller, Literaturnobelpreisträgerin 2009, über die Macht, die Wörter haben können, schöne wie schreckliche. Keine Frage, auch Fotografien halten diesen inneren Zirkus bereit.

Grandiose Gegenden, unvergessliche Begegnungen, abenteuerliche Routen, die Dinge des Lebens, bitter und süß: Bilder voller Magie und großartiger Weißt-du-noch-Momente können die Macht haben, trotz des aktuellen Bruchs in der Biographie das Inspirierende der Zukunft zu sehen.

Jetzt, da die Natur sich von der Spaßgesellschaft erholt, und die Gesellschaft sich von sich selbst, können neue Räume entstehen: für die Hoffnung, dass Wald, Flur, Hochplateau nach Corona nicht mehr mit Recyclinghöfen für Sondermüll verwechselt werden – oder mit Abenteuerspielplätzen, Mehrzweckarenen, Trampelpfaden für Instagram-Shootings. Das erhöht die Freude auf ein Fernweh mit unberührten Landschaftsspektakeln, staufreien Bergpässen, vielen Stunden purem Entspannungs-Mäandern in einer schönen neuen Welt.

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    Subjektiv als wunderbar wahrgenommene Bilder haben immer das Zeug zum Vademecum. Unsere Auswahl an Zielen für goldene Momente von Morgen möchte verstärken, was viele Italiener derzeit durch den Überlebensmodus trägt: Optimismus, dass alles irgendwie gut wird, #andratuttobene. Denn es ist ja so: In Italien wurde das Essen, die Kunst, das große Gefühl erfunden. Man kann unmöglich wieder reisen wollen, ohne an das Land zu denken, in dem die Zitronen blühen.

    Von Lugano nach Cadennabia

    Die Halbinsel liegt dort, wo der Comer See sich in zwei Arme teilt. Sie ist mit der Fähre in zehn Minuten von Menaggio und Cadenabbia zu erreichen.
    Bellagio

    Die Halbinsel liegt dort, wo der Comer See sich in zwei Arme teilt. Sie ist mit der Fähre in zehn Minuten von Menaggio und Cadenabbia zu erreichen.

    Es ist nur ein Katzensprung von einem der schönsten Seen im Tessin zu einem der schönsten in Oberitalien. Doch wenn der Weg durch die historischen Ortschaften des Val d ́Intelvi führt, liegen zwischen Lugano, dem drittgrößten Finanzplatz der Schweiz, und Cadennabia gut 50 Kilometer, die vor Üppigkeit strotzen. Zwischen den Gipfeln der Tambo-Gebirgsgruppe im Grenzbereich der Schweiz zu Italien, leuchtet erst der Luganer See auf, dann der Comer See. Und in der Ferne glitzern Schneefelder unterhalb des Alpenmassivs.

    Vorbei an typischen Bergdörfern, blühenden Terrassenanlagen, zahlreichen einst aktiven Steinmühlen an wilden Wasserläufen und ausgedehnten Wanderwegen, geht es am Lago di Como bei Argegno links ans Westufer. Die Küstenstraße bietet augenverwöhnende Ansichten: opulente Palazzi mit prachtvollen Gärten auf der Straßenseite, schmucke Boote und lauschige Plätzchen am Wasser, quirliges Treiben im morbid-charmanten Menaggio auf den von Palmen und Blumenarrangements gesäumten Promenaden.

    Quasi nebenan, im mondänen Cadennabia – dem einstigen Urlaubsdomizil von Guiseppe Verdi, Queen Victoria, Konrad Adenauer – bietet das Grand Hotel Tremezzo ganz große Oper, und die exotische Parkanlage des heutigen Museums Villa Carlotta ein Blütenmeer auf acht Hektar, unter anderem dank der baumhohen Rhododendren. Hoch über dem See, ein paar schmale Serpentinen später, ist George Clooney Mitglied im zweitältesten Golfclub Italiens. Auch hier wirkt auf pittoreske Art vieles irgendwie aus der Zeit gefallen.

    Der Circus in Putbus

    16 zwei- und dreigeschossige Prachtvillen umschließen acht Wege, die sternförmig auf einen Obelisk zulaufen. Quelle: imago images/arguseye
    Streng gegliedertes Rondell

    16 zwei- und dreigeschossige Prachtvillen umschließen acht Wege, die sternförmig auf einen Obelisk zulaufen.

    (Foto: imago images/arguseye)

    Gefühlt ist wirklich schon alles geschrieben worden über Rügen, eine der Charakterlandschaften Deutschlands, die sich als „Wir sind Insel“ bewirbt: über den puderfeinen Sandstrand an der Ostsee; über die alten Buchenwälder im kleinstem Nationalpark der Republik auf der Halbinsel Jasmund, wo über 70 Millionen Jahre alte Felsen aus weißer Kreide im Königsstuhl kumulieren.

    Tatsächlich ist der historische Reichtum groß. Und er setzt sich fort in Putbus, der jüngsten Residenzstadt des Nordens. Als Wilhelm Malte I., Fürst zu Putbus, 1810 seine fürstliche Residenz Putbus gründete, hat er im Stadtkern gleichsam ein architektonisches Highlight im Stil des Klassizismus geschaffen: leuchtend weiße Häuser mit repräsentativen Rosenstöcken davor. Bis heute wird die fürstliche Verordnung respektiert, diese Strahlkraft bis in alle Ewigkeit zu erhalten.

    Mittendrin: der Circus, ein streng gegliedertes Rondell nach südenglischem Vorbild. 16 zwei- und dreigeschossige Prachtvillen umschließen acht Wege, die sternförmig auf einen 19 Meter hohen Obelisk zulaufen, der an die Residenzgründung erinnert. Zwischen den Wegen grünt's so grün, eine Kastanienallee führt zum ehemaligen Standort des Schlosses.

    Das Kronprinzenpalais am Circus 1, ein Beinahe-Geschenk der Rügener Ritterschaft an Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen, ist heute Ort der schönen Künste. Jedes Jahr werden sechs bis acht Ausstellungen auf rund 170 Quadratmetern in zwei Flügeln realisiert.

    Atlantikstraße in Norwegen

    Die Norweger verliehen ihrer Atlantikstraße 2005 diesen ehrenvollen Titel. Quelle: 500px Prime/Getty Images
    Bauwerk des Jahrhunderts

    Die Norweger verliehen ihrer Atlantikstraße 2005 diesen ehrenvollen Titel.

    (Foto:𧋴px Prime/Getty Images)

    Für die seitens Porsche und Co. „beste Autoteststrecke der Welt“ brauchen Sie kein besonderes Gefährt. Dafür im Herbst mollige, wetterfeste Kleidung, man will ja auch mal aussteigen. Es kann stürmisch und gischtig werden auf der knapp acht Kilometer langen Atlantikstraße in der norwegischen Region Vestlandet zwischen Molde und Kristiansund.

    Dort winden sich acht Brücken direkt über den Atlantik, genauer: über eine felsige Inselwelt mit Fjorden, Schärengärten, Holmen und überhaupt allem, was Norwegens expressive Küstenkultur so ausmacht.

    Ursprünglich als Eisenbahnstrecke geplant, wurde 1989 nach sechs Baujahren Atlanterhavsvegen daraus, frei übersetzt die „Schönste Autostrecke der Welt“ (The Guardian), „Bestes Reiseziel gegen Liebeskummer“ (Lonely Planet), „reine Ingenieurskunst“ (Touristen). Schließlich müssen die ins Gestein gebauten Verbindungen die extremen Strömungen des Europäischen Nordmeers aushalten.

    Auf jeden Fall wurde die zu den 18 Landschaftsrouten Norwegens zählende Attraktion von den Norwegern zum Bauwerk des Jahrhunderts gekürt. Das war 2005, und wenn man heute über die Brücken mit Namen wie Storseisund, Geitøysund oder Vevangstraum gondelt, glaubt man es sofort. Die markanteste und mit 260 Metern längste, die Storseisundbrücke, erinnert an eine kleine Achterbahn, sodass auch bei hoher Tide große Schiffe durchkommen.

    Das Ganze ist auch eine Reise durch die Gezeiten, eine zu einem Anglerparadies für Lachs, Dorsch, Makrele. Und es ist ein Sinnbild für die Unvergänglichkeit von Naturschauspielen.

    Sea-to-Sky Highway

    Der BC Highway 99, wie er offiziell heißt, verläuft auf rund 411 Kilometern von Vancouver bis ins Thompson Plateau.
    Mit Wasserlinie

    Der BC Highway 99, wie er offiziell heißt, verläuft auf rund 411 Kilometern von Vancouver bis ins Thompson Plateau.

    Wer in Kanada reist, sollte das Weitwinkelobjektiv einpacken. Das gilt auch für den Sea-to-Sky Highway in British Columbia. Auf rund 411 Kilometern schlängelt sich der BC Highway 99, wie er offiziell heißt, von Vancouver über Whistler – dem Gstaad der Coast Mountains und Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2010 – durch Alpen- und Gletscherseen-Stille bis auf die wüstenartige Cowboy-Einsamkeit des Thompson Plateau. Mehr wilde Würde geht kaum.

    Das Herzstück aber, die Core Route als Namensgeber für Sea-to-Sky, beginnt 20 Autominuten vom Stanley Park in Vancouver entfernt: an der Horseshoe Bay, einer Bucht am Pazifik, geformt wie ein Hufeisen und von eindringlicher Sinnlichkeit. Von hier führt der Weg direkt am pazifischen Ausläufer Howe Sound und an zig Inseln entlang, um sich schließlich aufzuschwingen und ins Landesinnere zu wenden: in die Weite schneegepuderter Gebirgszüge, alle dem Himmel so nah.

    Insgesamt 45 Kilometer enden in Squamish am nördlichen Ende des Howe Sound. Gegründet von Indianern wird hier heute kräftig am Ruf als Epizentrum für Outdoor-Enthusiasten gearbeitet. Immerhin wird die Bergstadt vom zweitgrößten Granitmassiv der Erde umgeben, dem Stawamus Chief Provincial Park. Von ganz anderer Schönheit ist der Garibaldi Provincial Park: Die bizarre Schichtvulkan-Formation wechselt zwischen schwarzen Vulkanen, gleißenden Gletschern und tiefblauen Bergseen. Und nachts wispern die alten Indianerseelen ihre einzigartige mystische Lyrik.

    Newburry Street in Boston

    Die Newbury Street bietet einen vielseitigen Mix aus High-End-Mode und -Restaurants und unabhängigen Einzelhändlern. Quelle: Boston Globe/Getty Images
    Mekka für Individualisten

    Die Newbury Street bietet einen vielseitigen Mix aus High-End-Mode und -Restaurants und unabhängigen Einzelhändlern.

    (Foto: Boston Globe/Getty Images)

    Kleine Viertel mit großer Vergangenheit und noch größeren Auflagen, um die jeweilige, vor allem architektonische Einzigartigkeit zu erhalten: Das ist der gemeinsame Nenner der neun Historic Districts in Boston, eine der ältesten und in vieler Hinsicht reichsten Städte der USA. Back Bay ist einer dieser Stadtteile, liegt am Charles River und ist berühmt für seine viktorianischen Sandsteinhäuser, die nahezu alle zu gleicher Zeit im 19. Jahrhundert gebaut worden sind.

    Von Anfang an haben sie in Sachen Exklusivität die eleganten Rotklinkerbauten im benachbarten Beacon Hill übertrumpft. Heute sind beide Viertel die teuersten Wohnadressen der Stadt – und verbunden auch durch die Newburry Street, dem „Rodeo Drive an der Ostküste“. Die knapp zwei Kilometer lange Straße mit den breiten Gehwegen hat im Lauf der Zeit einen Stil entwickelt, der nicht nur Architektur-Liebhaber begeistert.

    Ein vielseitiger Mix aus High-End-Mode und -Restaurants und unabhängigen Einzelhändlern macht sie zu einem Mekka für Individualisten. Für den letzten Buchhändler gibt es keinen besseren Ort als hier, in der ehemaligen „Bücherstadt“, in direkter Nähe zur Boston Public Library, der größten Stadtbibliothek in den USA. Für Brooks Brothers offenbar auch nicht. Der erste amerikanische Herrenausstatter hat, nach seiner Gründung in New York 1818, die Bostoner Dependence um die 1920er Jahre in der Newburry/Ecke Berkeley eröffnet und residiert dort bis heute.

    Mehr: Virtuell nach Afrika: Luxusanbieter startet digitales Reiseerlebnis

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