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Trend Warum immer mehr Museen freien Eintritt bieten

Das Essener Museum Folkwang hat es vorgemacht und ist mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Immer mehr Museen aus ganz Deutschland ziehen nun nach.
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Seit 2015 müssen Besucher keinen Eintritt mehr für die Dauerausstellung des Essener Museums bezahlen. Quelle: Sebastian Drueen©Museum Folkwang
Museum Folkwang

Seit 2015 müssen Besucher keinen Eintritt mehr für die Dauerausstellung des Essener Museums bezahlen.

(Foto: Sebastian Drueen©Museum Folkwang)

DüsseldorfWerden Besuche in öffentlichen Museen in Zukunft kostenlos sein? Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) will ab Ende des Jahres in einem Pilotprojekt testen, ob der freie Zugang zum Berliner Humboldt Forum ein Modell für andere Museen sein könnte. Doch schon jetzt bieten immer mehr Museen in Deutschland freien Eintritt an.

Als Vorreiter dieses Trends gilt das Museum Folkwang in Essen. Das Haus erregte 2015 Aufsehen, indem es das bestehende Eintrittsgeld für den Besuch seiner renommierten Dauerausstellung mit zahlreichen Bildern berühmter Künstler der klassischen Moderne komplett abschaffte.

Ein Erfolg: Schon im ersten Jahr verdoppelten sich nach Angaben des Museums die Besucherzahlen für die Dauerausstellung und es kommen 80 Prozent mehr jüngere Besucher. Möglich wurde das nur deshalb, weil die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung den finanziellen Verlust für fünf Jahre ausgleicht.

Eine finanzkräftige private Stiftung, die einspringt, haben die meisten Museen nicht. Immer öfter wird der kostenlose Zugang jedoch aus Steuermitteln finanziert. So schaffte zum Beispiel die Stadt Dortmund mit Jahresbeginn die Eintrittsgelder für den Besuch der Dauerausstellungen ihrer Museen ab. Die Kommune erhofft sich dadurch eine „Belebung und Öffnung“ ihrer Häuser für die Bevölkerung.

Der freie Eintritt gilt für das Museum Ostwall, das Museum für Kunst- und Kulturgeschichte, das Hoesch-Museum, das Brauerei-Museum, das Westfälische Schulmuseum und das Kindermuseum Adlerturm. In Neuss verzichtet seit Kurzem das Feld-Haus – Museum für Populäre Druckgrafik zwischen der Insel Hombroich und der gegenüber liegenden sogenannten Raketenstation ganz auf Eintrittsgeld.

Im Jahr 2010 zog das „Museum Ostwall“ vom Ostwall in das Dortmunder U um. Auf dem Gebäude leuchten LED-Lamellen, die zu jeder Stunde ein anderes Video des Künstlers Adolf Winkelmann zeigen. Quelle: dpa
Dortmunder U

Im Jahr 2010 zog das „Museum Ostwall“ vom Ostwall in das Dortmunder U um. Auf dem Gebäude leuchten LED-Lamellen, die zu jeder Stunde ein anderes Video des Künstlers Adolf Winkelmann zeigen.

(Foto: dpa)

Auch Stuttgart bietet seinen Bürgern seit neuestem ein kostenloses Museum: Der Besuch der Dauerausstellung des im vergangenen April eröffneten Stadtpalais Stuttgart ist umsonst. Das sei politischer Wille gewesen, sagt Museums-Direktor Torben Giese. „Wenn man ein Museum für alle sein will, braucht man freien Eintritt.“

Umsonst in 50 Berliner Museen

Vor allem Berlin hat bereits jetzt schon eine hohe Dichte an kostenlosen Museumsangeboten. Das Online-Hauptstadt-Portal listet mehr als 50 Museen und Gedenkstätten mit kostenlosen Eintritten auf. Umsonst sind zum Beispiel Besuche im Mies van der Rohe-Haus oder im Energie-Museum Berlin.

Gleich vier kostenlose Museen befinden sich unter dem Dach der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. In der Hauptstadt betreibt sie den Tränenpalast und das Museum in der Kulturbrauerei (DDR-Alltagskultur). In Leipzig bietet die Stiftung freien Zugang zum Zeitgeschichtlichen Forum und in Bonn zum Haus der Geschichte.

Für nur einen Euro kann man sonntags sämtliche Pinakotheken in München besuchen. Quelle: dpa
Neue Pinakothek

Für nur einen Euro kann man sonntags sämtliche Pinakotheken in München besuchen.

(Foto: dpa)

Auch in München bieten 15 Museen kostenlosen Eintritt an, darunter etwa die Artothek & Bildersaal, das Paläontologische Museum oder die private Sammlung Goetz. In weitere neun Museen kommt man sonntags zum Schnäppchenpreis von einem Euro, darunter auch die Pinakotheken. Bundesweit sehr verbreitet ist inzwischen der freie Zugang für Kinder und Jugendliche zu Museen.

Immer mehr kostenfreie Museums-Tage

Den kompletten Verzicht auf Eintrittsgelder können sich die meisten der rund 5.000 deutschen Museen zwar nicht leisten. Immer öfter bieten Häuser aber regelmäßige kostenfreie Tage an. Seit Jahresbeginn gewähren zum Beispiel die städtischen Museen in Düsseldorf sonntags freien Eintritt, darunter das Filmmuseum, das Goethe-Museum, das Hetjens-Museum, das SchifffahrtMuseum im Schlossturm, das Stadtmuseum und das Theatermuseum. Der freie Sonntag soll zunächst ein Jahr lang getestet und dann gegebenenfalls verlängert werden.

Bereits seit einem Jahr bieten die Museen des Landschaftsverbands Rheinland einmal im Monat freien Eintritt, zum Beispiel im Max Ernst Museum in Brühl, im LandesMuseum Bonn oder im Archäologischen Park Xanten.

Der Park steht auf historischer Stätte der ehemaligen römischen Metropole „Colonia Ulpia Traiana“ und zeigt das Leben in einer römischen Stadt. Jeden 1. Montag im Monat ist der Eintritt frei. Quelle: AP
Römer-Museum im Archäologischen Park Xanten

Der Park steht auf historischer Stätte der ehemaligen römischen Metropole „Colonia Ulpia Traiana“ und zeigt das Leben in einer römischen Stadt. Jeden 1. Montag im Monat ist der Eintritt frei.

(Foto: AP)

In Köln haben die Bürger der Stadt schon seit längerem an jedem ersten Donnerstag im Monat freien Eintritt in die kommunalen Museen, darunter renommierte Häuser wie das Museum Ludwig, das Wallraf-Richartz-Museum oder das Römisch-Germanische-Museum. Auch die Museen in Frankfurt am Main bieten einen freien Museumstag pro Monat, zum Beispiel für den Besuch des Archäologischen Museums, des Deutschen Architekturmuseums, des Dommuseums oder des Historischen Museums.

Kulturpolitisches Ziel des freien Eintritts ist es in der Regel, Besucher anzulocken, die normalerweise nicht ins Museum kommen würden. Großbritannien hat damit bereits seit 17 Jahren Erfolg. Seit der Abschaffung des Eintrittsgeldes für staatliche Museen kommen dort fast doppelt so viele Angehörige ethnischer Minderheiten und 26 Prozent mehr Menschen aus bildungsfernen Schichten.

Kulturfernes Publikum ist schwer zu erreichen

In Deutschland ist jedoch umstritten, ob ein genereller freier Eintritt tatsächlich die erwünschte Wirkung zeigen würde. Denn das politische Ziel, durch kostenlose Angebote kulturferne Bevölkerungsschichten ins Museum zu locken, erfülle sich nicht immer, sagt Tibor Kliment, Professor für Empirisches Medien- und Kulturmarketing an der Rheinischen Fachhochschule Köln.

„Durch den freien Eintritt lassen sich vornehmlich bei der Gruppe bis 30 Jahre erhebliche Effekte erzielen“, beobachtet Kliment, der bereits eine ganze Reihe von Besucherstudien für unterschiedliche Häuser durchgeführt hat. Bei den jungen, zusätzlichen Besuchern handele es sich um preissensible, aber grundsätzlich bereits kulturaffine Besucher wie etwa Studenten. „Ganz neues, eher kulturfernes Publikum zu gewinnen, gelingt dem Anschein nach aber kaum.“

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