Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Trendfarbe Von Feuer bis Fußball: Sechs Fakten über die Farbe Orange

Ob auf internationalen Laufstegen oder in den Schaufenstern der Shoppingmeilen: Orange ist eine der Trendfarben der Saison. Sechs Fakten zur Farbe.
Kommentieren
Die Farbe bestimmt einen Teil der Frühjahr/Sommer-2020-Kollektion des italienischen Modehauses Marni, die auf der Modewoche in Mailand präsentiert wurde. Quelle: dpa
Orange in der Mode

Die Farbe bestimmt einen Teil der Frühjahr/Sommer-2020-Kollektion des italienischen Modehauses Marni, die auf der Modewoche in Mailand präsentiert wurde.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Wenn es nach Labels wie Versace, Loewe, MSGM, Dsquared2 und Acne Studios geht, ist Orange in den nächsten Monaten unverzichtbar. Von Details in Neonorange bis zum Komplett-Outfit in wärmeren Nuancen: In auffallend vielen Herbstkollektionen war bereits Orange zu sehen.

Nun leuchtet die Farbe der Herbstblätter, Kürbisse und Kaminfeuer auch hierzulande in immer mehr Modegeschäften. Schals und Mützen, etwa von Tommy Hilfiger und Alpha Industries, sind ebenso Orange wie Pullover, T-Shirts und Jacken von Drykorn, Boss Athleisure, Polo Ralph Lauren, Calvin Klein und Lacoste.

„Orange ist der Menschheit durch Gelb nähergebrachtes Rot“ – so brachte schon Wassily Kandinsky den ewigen Schwebezustand der Farbe auf den Punkt. An der Ampel signalisiert sie, dass gleich etwas passiert – dass entweder Bewegung einsetzt oder Stillstand. Orange verfärbte Blätter stehen für das Ende des Sommers, das Orange des Sonnenaufgangs kündigt einen neuen Tag an. Die Farbe symbolisiert sowohl Ende als auch Beginn, immer verheißt sie ein Zwischenstadium. Bedeutung erlangt sie auch dadurch, dass sie in ihren Tönungen für Erfrischung, Fröhlichkeit und Jugend steht.

In den 70ern hatte sie ihren größten Moment und eroberte nicht nur die Mode, sondern auch das Interieur und die Designwelt. Schlaghosen und enge Hemden mit überdimensionalen Kragen wurden ebenso mit orange-braunem, psychedelischen oder graphischen Mustern bedacht wie Tapeten, gerne in Kombination mit Gelb und Braun.

Auch Telefone und Geschirr waren Orange. Dann wurde es ruhig um die Signalfarbe, bis Techno-Jünger in den 90ern Warnwesten zu ihrer Partykluft umfunktionierten. Angesichts der aktuellen Retro-Trends überrascht es nicht, dass Orange nun wieder in Mode ist.

Ungeachtet aller Trends bleibt das Luxuslabel Hermès der Farbe seit Jahrzehnten treu. Die legendären Handtaschen, Seidenschals und Tücher werden hier stets in Tüten und Boxen in einem warmen Orange verpackt. An die grellere Neon-Variante wagt sich die Mode allerdings noch zögerlich.

Das dürfte auch an den Assoziationen liegen, die der Ton weckt: Die einen denken an Rettungswagen, die anderen an niederländische Fußballfans. Spätestens mit den Protesten in der Ukraine 2004 ist Orange zudem wieder untrennbar mit der Politik verbunden. Ganz schön vielfältig, diese Farbe – höchste Zeit für einen Überblick über ihr Spektrum.

1. Orange – Freude und Furcht

Unter dem Namen Orange ist die Farbe der Stunde noch gar nicht lange bekannt. Goethe nannte sie in seinem Farbkreis noch „gelbroth“ und „rothgelb“. Dieser Farbmix verdankt seinen späteren Namen tatsächlich jener Frucht, die Seefahrer im 15. Jahrhundert aus Asien nach Europa brachten. Aus der dem Sanskrit entstammenden Bezeichnung Naranga wurde das portugiesische laranja, das wiederum zu orange wurde.

Goethe bezeichnete die Farbe Orange noch als „gelbroth“ und „rothgelb“. Quelle: dpa
„Johann Wolfgang von Goethe“ von Andy Warhol

Goethe bezeichnete die Farbe Orange noch als „gelbroth“ und „rothgelb“.

(Foto: dpa)

Nicht nur der Gedanke an die gesunde Frucht, auch Sonnenaufgänge lassen die Farbe auf Menschen positiv wirken. Aber auch Feuer lodert bekanntermaßen in Orange. Dessen Entdeckung ist für die Entwicklung der Menschheit existenziell, birgt aber auch immer Gefahr. Lava glüht ebenfalls in leuchtendem Orange. Die Ambivalenz der Farbe zwischen Freude und Furcht ist also schon in der Natur begründet.

2. Die Signalfarbe

Diese Ambivalenz macht Orange zur perfekten Signalfarbe. Die Palette ist dabei breit: Rettungswagen fallen durch die Kombination von Gelb und Orange besonders auf, die Seenotrettung setzt auf Leuchtorange, Straßenbetriebsfahrzeuge auf Tieforange.

Berufe in Orange
Orangene Arbeitskleidung
1 von 3

Die Farbe fungiert in vielen Berufsfeldern als Signalfarbe, so auch im Baugewerbe.

(Foto: dpa)
Rettungswagen
2 von 3

Orange gilt in der Dunkelheit als die am besten zu erkennende Farbe.

(Foto: dpa)
Seenotrettung
3 von 3

Die Signalwirkung ist auch bei der humanitären Hilfe allgegenwärtig.

(Foto: dpa)

Rettungswesten, die Wagen der Müllabfuhr, Kehrmaschinen, Schneepflüge, sie alle signalisieren, dass Hilfe benötigt und gegeben wird. Dass sie ausgerechnet in Orange erstrahlen, ist kein Zufall, schließlich gilt die Farbe als die für das menschliche Auge am besten zu erkennende – auch bei wenig Licht.

3. Orangene Revolution

Die Signalwirkung von Orange nutzten auch Wiktor Juschtschenko und seine Anhänger, als sie 2004 gegen Wahlfälschungen im Rahmen der ukrainischen Präsidentschaftswahlen protestierten. Die Demonstranten traten mit orangefarbenen Plakaten und Accessoires auf, vor allem Stoffbänder um Ärmel gebunden, Juschtschenko selbst oft mit Krawatte und Pullover in der Farbe, die sich vom typischen Rot des Kommunismus abheben sollte. Die Proteste wurden weltweit als Orangene Revolution bekannt.

Anhänger des ehemaligen ukrainischen Präsidenten Wiktor Juschtschenko. Quelle: dpa
Revolution in Orange

Anhänger des ehemaligen ukrainischen Präsidenten Wiktor Juschtschenko.

(Foto: dpa)

4. „Orange your City“

Auch die Organisation UN Women setzt auf die Signalfarbe, wenn es darum geht, auf den Kampf gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam zu machen: Anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen werden seit 2015 jedes Jahr im November Gebäude der Vereinten Nationen in Orange beleuchtet. Unter dem Motto „Orange your City“ schlossen sich vergangenes Jahr auch viele deutsche Städte an und ließen ihre Wahrzeichen in der Farbe erstrahlen.

5. Die Erleuchtung

Wer jemals eine buddhistische Tempelanlage besucht hat, weiß, wie omnipräsent die Farbe Orange in dieser Religion ist. Die Gewänder der Mönche sind in der Farbe gehalten, auch viele Wandmalereien. Für Buddhisten steht Orange für die höchste Stufe der menschlichen Erleuchtung. Auch im Hinduismus hat die Farbe eine besondere Bedeutung, viele Gewänder, Turbane, Schals und Blumenschmuck sind leuchtend Orange.

In der Religion des Buddhismus steht die Farbe Orange für die Erleuchtung. Quelle: AFP
Buddhistische Mönche

In der Religion des Buddhismus steht die Farbe Orange für die Erleuchtung.

(Foto: AFP)

In Nordirland steht Orange für den Protestantismus: Wilhelm III. von Oranien, Statthalter der Niederlande und König von England, unterstützte 1690 den protestantischen Aufstand in Nordirland. Der Name des Hauses Oranien soll sich vom südfranzösischen Fürstentum Orange an der Rhône ableiten.

6. Niederländische Nationalfarbe

Durch die Verbindung mit dem Haus Nassau, das die Niederlande regierte, kam die Farbe der Oranier in die Niederlande. Obwohl die Farben der Landesflagge Blau, Weiß und Rot sind, gilt Orange als die niederländische Nationalfarbe. Bei royalen Ereignissen und Fußballspielen verwandelt sich das ganze Land in ein orangefarbenes Flaggenmeer. Wenn die Fußballmannschaft des Landes in ihren orangefarbenen Trikots auf den Platz läuft, fiebern die Fans in Orange mit.

Die niederländischen Nationalfarben werden vor allem zu Spielen der niederländischen Nationalmannschaft getragen. Quelle: AFP
Phantasievolle Fans

Die niederländischen Nationalfarben werden vor allem zu Spielen der niederländischen Nationalmannschaft getragen.

(Foto: AFP)

Und als Willem-Alexander und Maxima 2013 den Thron bestiegen, gab es von Flaggen über Nagellack bis Babystrampler kaum etwas, das nicht orangefarben war. Sogar die kleinsten Niederländer entpuppten sich also damals schon als Trendsetter.

Mehr: Vom perfekten Rollkragenpullover bis zur Persol-Sonnenbrille: Der Look von Steve McQueen ist eine modische Inspiration für jedes Alter.

Startseite

Mehr zu: Trendfarbe - Von Feuer bis Fußball: Sechs Fakten über die Farbe Orange

0 Kommentare zu "Trendfarbe: Von Feuer bis Fußball: Sechs Fakten über die Farbe Orange"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.