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„Bad Banks“-Star im Interview Paula Beer: „Ich kann eine Bankerin spielen, aber fachlich habe ich keine Ahnung von dem Job“

Ende Januar startet die zweite Staffel der ZDF-Finanzserie „Bad Banks“. Ein Gespräch mit Hauptdarstellerin Paula Beer über Banker, Fintechs und Erfolgsdruck.
18.01.2020 - 13:59 Uhr Kommentieren
„Ich möchte nur Projekte machen, bei denen ich hundert Prozent dahinterstehe.“ Quelle: Peter Rigaud/laif
Paula Beer

„Ich möchte nur Projekte machen, bei denen ich hundert Prozent dahinterstehe.“

(Foto: Peter Rigaud/laif)

Hamburg Erfolge sind im deutschen Fernsehen keine Selbstverständlichkeit. Wahrscheinlich ist die ZDF-Serie „Bad Banks“ auch deshalb so ein Phänomen. Denn die Auftaktstaffel der Bankerserie räumte eine Auszeichnung nach der anderen ab: Bambi, Grimme-, Deutscher Fernseh- und Schauspielpreis. Ende Januar startet die zweite „Bad Banks“-Staffel.

Paula Beer spielt in der Serie die kühl-berechnende Investmentbankerin Jana Liekam. Auf diese Rolle habe sie sich gut vorbereiten müssen, sagt Beer im Interview mit dem Handelsblatt: „Wir hatten einen ziemlich großen Recherchestab für die Serie und haben zur Vorbereitung viele Banker an verschiedenen Punkten ihrer Karriere getroffen.“

Obwohl der Erfolgsdruck groß sei, nehme die 24-Jährige nicht alle Rollen an. Sie wolle vor allem starke Frauen mit einer komplexen Charakterentwicklung spielen. Ihr Motto: „Ich möchte nur Projekte machen, bei denen ich hundert Prozent dahinterstehe.“

In der zweiten Staffel von Bad Banks liegt der Fokus auf Fintechs. „Die Krise aus Staffel eins ist überwunden, aber es gibt eine neue Machtverteilung“, sagt Beer. Als Schauspielerin war es für sie spannend, die Rolle aus der ersten Staffel aufzugreifen und sie weiterzuführen.

Lesen Sie hier das komplette Interview:

Frau Beer, was für eine Rolle spielt Geld für Sie?
Geld sollte vor allem dafür da sein, ein gutes Leben führen zu können. Knauserigkeit und Geiz finde ich nicht besonders sexy. Geld ist problematisch, wenn es nicht da ist und dadurch zum Thema wird.

In „Bad Banks“ spielen Sie eine erfolgreiche Investmentbankerin, die im Job mit Millionen zockt und dabei gut verdient. Wie viel davon steckt wirklich in Ihnen?
Nicht viel. Ich finde die Menschen in dieser Branche und ihren Spirit faszinierend, aber die Inhalte mit denen die da hantieren, sind absolut nichts für mich.

Was fasziniert Sie an Investmentbankern?
Diese Kombination aus wahnsinniger Intelligenz und großen logischen Fähigkeiten gepaart mit Disziplin und Selbstständigkeit.

Viele Menschen denken bei Bankern eher an Gier und Skrupellosigkeit.
Mag sein, aber das ist nicht, was Banker offen zeigen. Die sind rhetorisch alle wahnsinnig fit und wissen, wie man sich gut verkauft.

Wie kommen Sie zu diesen Erkenntnissen?
Wir hatten einen ziemlich großen Recherchestab für die Serie und haben zur Vorbereitung viele Banker an verschiedenen Punkten ihrer Karriere getroffen: Studienanfänger; Leute, die aufgehört haben und in die Branche zurückwollen – oder auch nicht zurückwollen. Und natürlich Banker, die bereits ganz oben angekommen sind. Ich spiele in „Bad Banks“ zum ersten Mal eine Figur, die einen Beruf hat. Deswegen war es besonders wichtig zu verstehen: Wie sind Banker oder allgemein Menschen, die sich für diesen Beruf interessieren?

Und da sind Ihnen keine anderen Eigenschaften außer Intelligenz, logischen Fähigkeiten und geschliffener Rhetorik aufgefallen?
Naja, man merkt schon, dass viele Banker sich nur als Glied in einer langen Kette sehen und nicht als diejenigen, die für die Sachen verantwortlich sind, die vielleicht verwerflich sind. Man passt ja seine moralische Auffassung in vielen Bereichen auch ein bisschen an die Lebensumstände an.

Mit moralischen Entscheidungen hatte Ihre Rolle zum Auftakt der Serie reichlich zu kämpfen. Worum geht’s in Staffel zwei?
Diesmal spielt die Serie in der Fintech-Branche. Die Krise aus Staffel eins ist überwunden, aber es gibt eine neue Machtverteilung. Jana testet aus, wie weit sie gehen kann und hinterfragt ihren bisherigen Weg.

Wie unterscheiden sich Fintechs von Banken?
Die Stimmung ist eine andere. Wenn man bei einer großen, etablierten Bank in das Hauptgebäude reinmarschiert, ist es dort schon sehr konservativ. Fintechs sind moderner, jünger, fortschrittlicher. Da ist ein anderer Idealismus dabei.

Welche der beiden Welten reizt Sie mehr?
Ich kann eine Bankerin spielen, aber fachlich habe ich keine Ahnung von dem Job. Durch die Vorbereitung weiß ich höchstens, wie der Büroalltag aussehen könnte und wie die Menschen dort sind.

Trotzdem verbinden viele mit Ihnen die kompetente Bankerin. Haben Sie schon Angebote bekommen, als Werbefigur für Finanzprodukte aufzutreten?
Als Werbefigur nicht, das würde ich auch nicht machen. Aber es passiert öfter, dass Leute denken, ich sei in der Realität so wie im Film und würde mich jetzt auskennen. Ich wurde zum Beispiel schon zu irgendwelchen Finanzdiskussionen eingeladen, wo ich dachte: „Ich bin Schauspielerin, ich kann Ihnen da echt nicht weiterhelfen.“

Zum ersten Mal spielt die 24-Jährige in einer Fortsetzung mit. Quelle: ZDF und Sammy Hart
Beer als Jana Liekam in „Bad Banks“

Zum ersten Mal spielt die 24-Jährige in einer Fortsetzung mit.

(Foto: ZDF und Sammy Hart)

Die wenigsten deutschen Schauspieler können von ihrem Job leben. Seit wann verdienen Sie genug?
Kann ich gar nicht genau sagen. Ich habe in der Schulzeit angefangen zu spielen, obwohl ich da ja eigentlich noch kein eigenes Einkommen brauchte. Aber es dauert auf jeden Fall, bis man das Rad ans Laufen gebracht hat.

Mussten Sie sich schon einmal arbeitslos melden?
Bis jetzt noch nicht, aber ich hätte dabei auch ein komisches Gefühl.

Warum?
Solange ich nicht am Hungertuch nage, sehe ich mich nicht in der Position, Anspruch auf etwas zu erheben, was andere nötiger haben als ich.

Aber Sie hatten zwischendurch keine Aufträge?
Im Schauspielerberuf gibt es immer Arbeitspausen – manchmal kurze oder eben längere. Darauf muss man sich einstellen.

Gab es keine Angebote oder haben Sie alle abgelehnt?
Ich lehne auch ab. Aber es ist nicht so, dass ich jede Woche ein neues Drehbuch auf den Tisch bekomme und dann sage: Nee, darauf habe ich keine Lust.

Haben Sie Vermutungen, woran das liegt?
Vielleicht, weil die erste Staffel Bad Banks so gut ankam und ein Erfolg war, dachten viele Produzenten, dass Paula Beer gerade sowieso keine Zeit für neue Projekte hat. Nicht einmal zehn Prozent können wirklich von ihrem Beruf leben.

Wonach wählen Sie Ihre Rollen aus?
Ich achte sehr auf die Auslegung der Frauenfigur. Es gibt immer noch viel zu viele Frauenrollen, die nur die „Frau an der Seite von“ oder „die Tochter von“ sind. Ich möchte nicht, dass meine Figur nur einmal lieb durchs Bild läuft, sondern dass sie eine komplexe Entwicklung durchmacht. Ich muss Spaß an der Rolle haben, sonst tue ich mir selbst keinen Gefallen mit der Wahl.

Leicht gesagt als preisgekrönte Schauspielerin.
Das mag so wirken. Ich habe das aber von Anfang an so gemacht, als mich noch niemand auf dem Schirm hatte. Man muss lernen und sich trauen nein zu sagen. Das ist natürlich schwierig, wenn man von dem Beruf leben muss und zum Beispiel durch Familie mehr Verantwortung hat.

Wie haben Sie das gelernt?
Ich habe den Beruf schon so früh kennengelernt, dass ich nie den Druck hatte, eine Familie, Kinder und eine Wohnung finanzieren zu müssen.

Man passt ja seine moralische Auffassung in vielen Bereichen ein bisschen an die Lebensumstände an.

Wird dieser Druck nicht größer für Sie?
Ich habe mir diese Haltung von früher ein bisschen bewahrt. Ich möchte nur Projekte machen, bei denen ich hundert Prozent dahinterstehe.

Wie Bad Banks?
Ja, die Rolle der Jana zu spielen macht einfach wahnsinnig Spaß. Nicht nur, weil Jana einen Knall hat, sondern auch, weil sie so vielschichtig ist. Es war für mich das erste Mal, dass ich eine Figur zum zweiten Mal gespielt habe. Das Alte aufzugreifen und weiterzuführen ist schon spannend.

Erleichtert der erste Erfolg der Serie die Arbeit?
Ich weiß, dass wir auf jeden Fall ein bisschen mehr Budget hatten. Aber dafür mussten wir unser Pensum in weniger Zeit schaffen.

Warum?
Es gibt ein neues Gesetz, das die Arbeitsbedingungen schützen soll. Niemand darf am Tag länger als zwölf Stunden arbeiten. Das ist ein sehr guter Entwurf, bedeutet aber im Umkehrschluss, dass man für aufwendige oder schwierige Szenen weniger Zeit hat. Heißt für Filmschaffende am Set: gleiches Pensum, gleicher Qualitätsanspruch, weniger Zeit.

Die Dreharbeiten sind mittlerweile abgeschlossen. Was machen Sie in der Zwischenzeit?
Ich präsentiere meinen neuen Film Undine, der Ende März in die Kinos kommt. Darauf freue ich mich sehr. Und drehfreie Zeit nutze ich für Fortbildungen. Es ist sehr erfrischend, sich zwischendurch mit ganz anderen Sachen zu beschäftigen und zu merken, dass Schauspielerei nicht alles ist.

Schmieden Sie einen Plan B?
Ich arbeite seit zehn Jahren als Schauspielerin und fange gerade an, zu hinterfragen, ob es noch anderes gibt, was mich reizen könnte.

Was wäre eine Alternative? Das Finanzwesen ist es nicht, wie wir vorhin geklärt haben.
Ich interessiere mich generell für Psychologie, wobei das auch mit der Schauspielerei zu tun hat. Da muss ich meine Figuren ständig analysieren und hinterfragen. Aber so weit, dass ich über eine Alternative nachdenke, ist es nicht. Dafür liebe ich das Spielen zu sehr.

Frau Beer, vielen Dank für das Interview.

Mehr: 2020 läuft die zweite Staffel der Banker-Serie „Bad Banks“ an. Ein Besuch beim Dreh zeigt, wie akribisch sich die Schauspieler auf ihre Rollen vorbereiten.

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