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Die Oscars

Die Vorbereitungen für die Oscars laufen auf Hochtouren.

(Foto: AP)

Filmpreis Die Macher der Oscars kämpfen gegen den Niedergang der Riesenshow

Die Verleihung der Film-Oscars ist auf einem Tiefpunkt: TV-Quoten im Keller, keine Moderatoren. Für den Veranstalter geht es um alles oder nichts.
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San Francisco Den Oscars sind ihr biblisches Alter anzusehen: Zum 91. Mal lädt die US-Filmindustrie an diesem Sonntag wieder nach Hollywood, um die Oscars für die besten Leistungen des abgelaufenen Filmjahres zu verleihen. Der große Katzenjammer nach der Materialschlacht der Modedesigner, Trendfriseure und Miet-Juweliere von Beverly Hills war schon am Morgen nach der Partynacht im Februar 2018 nicht mehr wegzudiskutieren.

Die Zuschauerzahlen der TV-Mammutshow waren mit 26,5 Millionen auf einem absoluten Tiefpunkt angelangt, gerade in der Youtube- und Netflix-Generation 18 bis 49 war die Zuschauerbeteiligung um drastische 25 Prozent geschrumpft. Das Grummeln beim TV-Sender ABC und der Muttergesellschaft Disney war nicht mehr zu überhören.

Der Grund: Noch bis zum Jahr 2028 werden ABC und Disney einen in seiner Höhe nicht bekannten Betrag auf den Tisch legen, um die unbeliebte Danksagungsparade aus Smokings, Lackschuhen, Glitzerwerk und rauschendem Tüllstoff zu übertragen. Mindestens drei Stunden der besten Sendezeit am Sonntag füllt die Oscarverleihung aus, die man, so munkeln Kritiker, nun wahrlich auch anders füllen könnte.

Eine Zeitpanne im Ablauf der großen Show gab es 1959, wo sich Moderator und Komiker Jerry Lewis einmal durch die Endphase der Verleihung kalauern musste, weil 20 Minuten vor TV-Übertragungsschluss bereits alle Gewinner mit Goldstatuetten versorgt waren. Es sollte ein einmaliges Ereignis bleiben. Seitdem wird die Show nur eines: noch länger und länger und langatmiger. Überziehen ist die neue Norm.

Für den Veranstalter, die Academy of Motion Picture Arts And Science, steht immer mehr auf dem Spiel. Rund 80 Prozent der Jahreseinnahmen von 161 Millionen Dollar werden in dieser einen Nacht kreiert, das meiste durch TV-Übertragungsrechte.

Kein Wunder, dass die Verantwortlichen alles ausprobieren, um die Zuschauer während der Verleihung wieder vor die Flimmerkisten zu locken. Doch die Versuche des 54-köpfigen Oscar-Komitees für 2019 wieder Schwung in den Laden zu bekommen, endeten im Desaster. Zunächst sollte ein neuer „Publikums-Oscar“ eingeführt werden, über den die Filmfans vorab abstimmen sollten. Die Idee fand aber kaum Freunde.

Dann sollten vier der 24 Oscars in den Werbepausen vergeben werden, also quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der Hintergrund: Nur Hardcore-Fans des Films mögen die Endloskarawane von Oscar-Empfängern ertragen, die sich normalerweise nur hinter der Kamera tummeln – beschäftigt sind mit Schminke, Kostüm oder an ihren Computern und Lichtanlagen. Doch es gab ordentlich Aufruhr, als bekannt wurde, dass man diese Kollegen künftig nicht mehr ins Rampenlicht rücken wolle. So verpuffte auch dieser Plan.

Rami Malek and Joe Mazzello verkörpern die Band Queen in den Rollen von Freddie Mercury und Bryan May. Quelle: AP
Bohemian Rhapsody

Rami Malek and Joe Mazzello verkörpern die Band Queen in den Rollen von Freddie Mercury und Bryan May.

(Foto: AP)

Die Suche nach neuen, schmissigen Moderatoren, so wie 1963 der allseits beliebte Frank Sinatra, war zudem eine besondere Aneinanderreihung von schlagzeilenträchtigen Pleiten und Pannen. Der Komödiant Kevin Hart, auf den Anfang Dezember die Wahl gefallen war, wurde von homophoben Tweets und Zoten seiner Vergangenheit eingeholt. Der daraufhin tobende Sturm der Entrüstung machte es unmöglich, an ihm weiter festzuhalten. Die Stimmung heizte sich derart auf, dass sich niemand fand, der den Schritt ins Rampenlicht wagen wollte.

Das Resultat: Geschieht nicht noch ein Wunder, werden die Oscars 2019 erstmals ungeplant völlig ohne Moderatoren auskommen müssen. Noch wird gerätselt, was die Academy jetzt noch aus dem Hut zaubern will.

Ein Roadtrip durch die USA im Jahre 1962. Quelle: dpa
Green Book

Ein Roadtrip durch die USA im Jahre 1962.

(Foto: dpa)

Das alles klingt schon im Vorfeld nach einer Oscar-Show, die heftig misslingen könnte. Retten könnte die lange Sonntagnacht im Dolby-Theater in Hollywood nur noch ein Jahrgang der Preisträger wie ihn das Publikum seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Immerhin darum geht es ja wohl, um die Filme und die Schauspieler. Und wer sind die Nominierten?

In der Kategorie „bester Film“ ist „Bohemian Rhapsody“ nominiert, eine von Publikum und Kritikern teilweise durchaus mit viel Unmut aufgenommene Verfilmung des Lebens der Musiklegende Freddy Mercury und seiner Band „Queen“. Ebenfalls nominiert ist „Green Book“, die Geschichte eines afroamerikanischen Musikers, der 1962 einen weißen Fahrer engagiert, der ihn auf einer Tournee vor rassistischen Übergriffen schützen soll.

Ein farbiger Polizist schleust sich mit seinem weißen Kollegen in den rechtsradikalen Ku-Klux-Klan ein. Quelle: AP
BlacKkKlansman

Ein farbiger Polizist schleust sich mit seinem weißen Kollegen in den rechtsradikalen Ku-Klux-Klan ein.

(Foto: AP)

Wie nicht anders zu erwarten, entwickelt sich eine überraschende Freundschaft der ungleichen Männer auf ihrem Roadtrip. Es hagelt gegenseitiges Verständnis. „Green Book“ erinnert allerdings an das ebenfalls überschätzte „Driving Miss Daisy“, das von einer reichen weißen alten Dame im Süden der USA handelt, die mit den Jahren lernt, was sie an ihrem treuen alten Fahrer Hoke hat.

Beide Filme – „Green Book“ sowie „Driving Miss Daisy“ – sind nett anzuschauen mit schönen Bildern. Doch die Filme sind bewusst unkritisch gehalten, schildern eine Geschichte, die zeigt, wie viele weiße Amerikaner sich das ihrer Meinung nach gute Leben eines Farbigen vorstellen. „Driving Miss Daisy“ bekam 1989 die Ehrung als bester Film – für viele war das ein Fehler, von dem sie hoffen, dass er sich im Jahr 2019 mit „Green Book“ nicht wiederholen möge.

Der Superheldenfilm ist rein mit schwarzen Schauspielern besetzt. Quelle: AP
Black Panther

Der Superheldenfilm ist rein mit schwarzen Schauspielern besetzt.

(Foto: AP)

Kritik daran, dass der tief unter die Haut gehende „If Beale Street Could Talk“ nicht als bester Film nominiert wurde, gab es schon im Vorfeld. Die Handlung des Films schildert das Leben einer afroamerikanischen Familie, die ihrer Tochter und deren Ehemann rückhaltlos und unermüdlich unterstützt, als der unter falschen Anschuldigungen inhaftiert wird. Ein Liebesdrama aus einer anderen, aber realen afroamerikanischen Welt in Amerika.

Und dennoch: Es gibt zumindest eine Chance, dass das Jahr 2019 das Jahr werden könnte, in dem viele Farbige mit einem Oscar Filmgeschichte schreiben dürfen.

1940 nahm der legendäre „Vom Winde verweht“ acht Oscars mit nach Hause, darunter bester Film, beste Regie (Victor Flemming), beste Darstellerin (Vivian Leigh) und beste Nebendarstellerin. Dieser Oscar ging unter großem „Oh“ und „Ah“ an Hattie McDaniel und es war der erste Oscar, der jemals an eine afroamerikanische Schauspielerin oder Schauspieler vergeben wurde.

Christian Bale schlüpft in die Rolle des Vize-Präsidenten der USA während der Amtszeit von George W. Bush. Quelle: dpa
Vice – Der zweite Mann

Christian Bale schlüpft in die Rolle des Vize-Präsidenten der USA während der Amtszeit von George W. Bush.

(Foto: dpa)

Es sollte weitere 24 Jahre dauern, bis mit Sidney Poitier der erste Farbige als „bester Schauspieler“ in „Lilies of the Field“ ausgezeichnet wurde. 2002 war Halle Berry die zweite afroamerikanische Schauspielerin, die die höchste Auszeichnung entgegennehmen konnte.

Wieder 17 Jahre später könnte die Geschichte fortgeschrieben werden: Der rein mit farbigen Schauspielern besetzte Superhero-Movie „Black Panther“ geht mit sieben Nominierungen, darunter „bester Film“, an den Start. Er hat sich mit Ticketverkäufen jenseits der eine Milliarde-Dollar-Grenze nicht nur als finanzieller Erfolg, sondern auch als Liebling bei Besuchern und Kritikern positioniert.

Der Film handelt vom Chaos am englischen Hof des 18. Jahrhunderts unter der kranken Königin Ann. Quelle: dpa
The Favourite - Intrigen und Irrsinn

Der Film handelt vom Chaos am englischen Hof des 18. Jahrhunderts unter der kranken Königin Ann.

(Foto: dpa)

Zumindest als Außenseiterfavorit wird auch „BlacKKKlansman“ gehandelt, die verfilmte Story über einen farbigen Polizisten, der sich in einen Verband des rassistischen Ku-Klux-Klan einschleicht. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit.

Die absolute Wildcard geht in diesem Jahr allerdings an den Film „Roma“. Dieser schildert halb-biografisch das Leben eines Dienstmädchens in einer reichen mexikanischen Mittelschichtfamilie in den frühen 1970er-Jahren. Sie wird ohne Wollen und Zutun zu einer zentralen Figur für die vier Kinder des Haushalts in den politischen und familiären Wirren der Zeit.

Ein Film über das Zusammenleben zweier Musikstars. Quelle: AP
A Star is Born

Ein Film über das Zusammenleben zweier Musikstars.

(Foto: AP)

Für insgesamt zehn Oscars ist der Film nominiert. Yalitza Aparicio ist als beste Schauspielerin nominiert, die als Hollywood-Neuling gilt – ihre Nominierung gilt als Sensation. Daneben hat nur noch das Historienepos „The Favourite“ vom englischen Königshof des frühen 17. Jahrhunderts zehn Nominierungen abkassiert.

Gelingt vor allem „Roma“, der erste Netflix-Film, der es in die Kategorie „bester Film“ geschafft hat, der Durchmarsch, wäre das der Aufstieg in die „Titanic“-Liga (elf Oscars 1998). Die Aufmerksamkeit der Netflix-Generation würde auf das Großereignis gelenkt.

Ein mexikanisches Drama, welches aus Mexiko-Stadt in den 1970ern erzählt. Quelle: AP
Roma

Ein mexikanisches Drama, welches aus Mexiko-Stadt in den 1970ern erzählt.

(Foto: AP)

In einem anderen Szenario könnte es aber auch passieren, dass „Roma“ und „The Favourite“ das Schicksal wie „The Turning Point“ und „The Color Purple“ erleiden. Beide waren elfmal nominiert und nahmen nicht eine einzige Ehrung mit nach Hause.
Die Oscars wären dann aber zumindest um einen weiteren Aufreger reicher.

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