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Interview Schauspielerin Jella Haase: „Die Pandemie war für das Kino Glück im Unglück“

Trotz Corona blickt die Schauspielerin optimistisch in die Zukunft. Im Interview spricht sie über ihren neuen Film, Social Media und das Streaming-Geschäft.
16.07.2020 - 18:55 Uhr Kommentieren
„Es geht um die universelle Suche nach Glück, nach Ankommen, Liebe“, sagt die Schauspielerin über ihren neuen Film. Quelle: imago images/Andre Lenthe
Jella Haase bei einer Autokino-Vorstellung von „Berlin Alexanderplatz“

„Es geht um die universelle Suche nach Glück, nach Ankommen, Liebe“, sagt die Schauspielerin über ihren neuen Film.

(Foto: imago images/Andre Lenthe)

Düsseldorf Schauspielerin Jella Haase hofft auf ein starkes Comeback des Kinos. Zwar hätten die Filmpaläste in den vergangenen Wochen coronabedingt schließen müssen, das sei jedoch Glück im Unglück gewesen, ist sie sich sicher. Obwohl in Zeiten des Stillstands vor allem die Abo-Zahlen der Streamingdienste in die Höhe geschossen sind, „hat Corona noch mal gezeigt, wie wertvoll das Kino ist“, erklärt Haase und blickt positiv in die Zukunft. Netflix und Kino könnten „in einer friedlichen Koexistenz nebeneinander leben“.

Als Last empfindet sie stattdessen ihren eigenen Instagram-Kanal und die Vergleiche mit anderen Schauspielern. „Gerade auf einer politischen Ebene denke ich, dass ich doch eigentlich mehr und Klügeres machen könnte.“ Den sozialen Medien ganz den Rücken kehren kann sie allerdings auch nicht, denn das gehöre zum Geschäft dazu. Parallel entwickelt Haase berufliche Pläne abseits der Schauspielerei, um „in der Branche vielfältiger agieren zu können“. Mehr möchte sie noch nicht verraten.

Lesen Sie hier das komplette Interview:

Frau Haase, die Kinos hatten wochenlang geschlossen, etliche Filmstarts wurden verschoben. Beschleunigt Corona das Aussterben der Kinos?
Nein, ich glaube, die Pandemie war für das Kino sogar Glück im Unglück. Wir haben wieder Sehnsucht nach gemeinsamen Erlebnissen und freuen uns darauf, mit Freunden Filme auf der großen Leinwand zu schauen. Ich hoffe, Corona hat nochmal gezeigt, wie wertvoll das Kino ist.

Der Stillstand hat vor allem gezeigt, wie beliebt Streamingdienste sind. Die Abo-Zahlen von Netflix sind in die Höhe geschossen.
Das eine kann man nicht mit dem anderen vergleichen. Im Kino trifft man die bewusste Entscheidung, sich zwei Stunden auf einen Film einzulassen. Bei Netflix ist das schon beliebiger. Ich hoffe deshalb, dass die beiden sich gegenseitig befeuern und in einer friedlichen Koexistenz nebeneinander leben können.

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    Sie haben mit „Kidnapping Stella“ in einem Film mitgespielt, der ursprünglich fürs Kino gedacht war, dann aber von Netflix gekauft wurde.
    Über die weltweite Ausstrahlung auf Netflix haben wir uns gefreut, zumal der Film sehr gut angekommen ist. Der Film passt zur Netflix-Stimmung, wenn man abends auf der Couch liegt und überlegt, was man sich jetzt reinziehen kann. Trotzdem ist er auch ein Genre-Film, etwas für Liebhaber und ist durch Netflix einem Millionenpublikum zugänglich geworden, was mit einem Kinostart in Deutschland vielleicht nicht möglich gewesen wäre. Der Film ist ein gutes Beispiel dafür, dass Kino und Netflix nebeneinander existieren können.

    Gibt es dann mehr Angebote für Schauspieler, wenn der Markt durch Netflix und Co. erweitert wird?
    Das ist eine sehr gute Frage. Natürlich kommt durch Netflix was dazu, aber ob die jetzt wirklich eine Lücke füllen oder sich einfach auf ein bereits funktionierendes Filmgeschäft draufsetzen, kann ich nicht so gut beurteilen. Vielleicht sind sie nur ein weiteres Ausspielformat und die Filme und Serien wären sonst eben woanders gelaufen. Wobei Netflix und Co. ja auch schon wahnsinnig viel produzieren und neue Wege gehen.

    In was für einer Serie würden Sie gerne mitspielen?
    Mich reizt es, dass man über mehrere Episoden in etwas eintaucht. Etwas Politisches wäre da schon wünschenswert. Aber das müsste schon richtig reinknallen. Etwas Neues. Radikales. Mutiges. Vielleicht etwas, womit man nicht rechnen würde. Bis dahin bleibe ich dem Kino weiterhin treu. Und beides muss sich ja auch nicht ausschließen.

    Ihr neuster Film „Berlin Alexanderplatz“ erscheint am 16. Juli im Kino – dabei haben Sie die Premiere schon im März gefeiert.
    Und seitdem ist so viel passiert: Erst Corona, dann die „Black Lives Matter“-Bewegung. Ich bin gespannt, wie anders der Film dadurch von den Zuschauern wahrgenommen wird.

    Was meinen Sie damit?
    Weil der Film ein Appell gegen Rassismus ist und an Aktualität gewonnen hat. Es geht um die universelle Suche nach Glück, nach Ankommen, Liebe und die Frage, wie man es schafft, in der heutigen Welt gut zu bleiben. Im besten Fall eröffnet er jetzt noch einmal ganz neue Perspektiven. Aber die Kunst spiegelt im besten Sinne ja sowieso die Gegenwart wider.

    Was haben Sie persönlich aus den Dreharbeiten mitgenommen?
    Es gibt so viele Schicksale, die man tagtäglich sieht, aber nicht weiter beachtet. Dieses Wahrnehmen des Nichtwahrnehmens ist mir sehr bewusst geworden.

    Auf Ihrem Instagram-Kanal machen Sie Ihre Follower auf politische Themen aufmerksam.
    Ich versuche es manchmal, ja. Ich finde auch, dass es da mittlerweile einen gewissen Druck gibt, politisch zu sein. Immer weniger Leute gönnen sich den fragwürdigen Luxus, unpolitisch zu sein.

    Was meinen Sie damit?
    Dass ich das Medium oft auch als Last empfinde, wenn ich sehe, was die anderen Leute da so machen, weil ich anfange mich zu vergleichen. Und gerade auf einer politischen Ebene denke ich, dass ich doch eigentlich mehr und Klügeres machen könnte. Man kann immer künstlerischer, politischer oder witziger sein.

    Und warum ändern Sie das nicht?
    Es ist wichtig, dass ich in erster Linie Schauspielerin bleibe und keine politische Aktivistin werde. Ich muss eine Projektionsfläche sein und darf kein zu krasses Bild von mir erschaffen, das mit politischem Content aufgeladen ist. Es ist mir extrem wichtig, diesen Mittelweg zu finden.

    Was halten Sie generell von sozialen Medien?
    Wenn man Social Media benutzt, dann im besten Sinne für etwas Nachhaltiges und Sinnvolles. Aber man sollte auch nicht den Spaß und die Lockerheit an der Sache verlieren... Ich bin eben auch zwiegespalten, und lösche die App regelmäßig vom Handy, weil man eben nicht immer von dem schnellen Zugriff auf Unterhaltung und Ablenkung gefreit ist.

    Es ist wichtig, dass ich in erster Linie Schauspielerin bleibe und keine politische Aktivistin werde.

    Ihr Profil nutzen Sie trotzdem noch regelmäßig.
    Ja, da ist dieser beschriebene Zwiespalt. Und mittlerweile gehört Social Media ja schon dazu. Die Followerzahl ist wie eine Währung geworden und das ist super ekelig. Ich bewundere Schauspieler, die davon ganz frei sein können und diese Kanäle nicht bedienen. Mir wurde beispielsweise sehr früh dazu geraten, ein Profil anzulegen, obwohl ich eigentlich gar nicht so ein Mitteilungsbedürfnis habe.

    Wie ist es dazu gekommen?
    Mit dem Start der „Fack ju Göhte“-Filme. Das waren die ersten Filme, die mit einer Onlinekampagne beworben wurden, und dafür war es wichtig, dass wir gerade für die jungen Leute sichtbar sind. Das ist mittlerweile sieben Jahre her. Ich habe das Gefühl, dass da die ganze Online-Sache so richtig ins Rollen gekommen ist, aber vielleicht kommt mir das auch nur so vor, weil ich damals das erste Mal darin involviert war.

    Mit Ihrer Rolle als „Chantal“ sind Sie damals deutschlandweit bekannt geworden.
    Das ist eine Außensicht. Wenn man selber drinsteckt, merkt man das nicht.

    Sie haben nicht mitbekommen, dass das Interesse an Ihrer Person gestiegen ist und Fans Sie auf der Straße erkennen?
    Doch, das auf jeden Fall. Es ist etwas Schönes, dass ich für eine Generation von jungen Mädchen jemanden darstelle, den sie mögen. Aber ich habe Probleme damit, in der Öffentlichkeit erkannt zu werden

    Warum?
    Die Aktion des Erkennens erfordert immer auch eine Reaktion von mir. Ich muss dann überlegen, ob es gerade ok ist, ob es mir egal ist, ob ich einfach weiterlaufe. Es ist immer eine kleine Störung meines natürlichen Rhythmus und das ist letzten Endes auch die Problematik. Aber ich weiß, dass das keine böse Absicht ist. Ich erkenne ja auch manchmal Leute.

    Und sprechen Sie sie an?
    Nein, weil ich weiß, dass eine Privatsphäre ganz wichtig ist. Aber es gibt schon Schauspieler, bei denen ich wahrscheinlich auch ein klopfendes Herz bekommen würde.

    Wer wäre das?
    Leonardo DiCaprio.

    Sie spielen vor allem Dramen, sind aber durch eine Komödie bekannt geworden.
    Ich habe das Glück, dass ich schon vorher in der Branche war und ein Standbein hatte. Ich durfte sehr viele, sehr unterschiedliche Rollen spielen. Aber natürlich kennen die meisten die „Fack ju Göhte“-Filme.

    Ihre Rolle als „Chantal“ machte die Schauspielerin deutschlandweit bekannt. Quelle: dpa
    Jella Haase (r.) in „Fack ju Göhte 2“

    Ihre Rolle als „Chantal“ machte die Schauspielerin deutschlandweit bekannt.

    (Foto: dpa)

    Bereuen Sie die Rolle manchmal?
    Nein.

    Wonach suchen Sie denn grundsätzlich Ihre Rollen aus?
    Das ist ganz unterschiedlich, man hat ja eine Agentur, die sieben aus. Die schauen, was mich interessieren könnte und die Sachen, die mich dann wirklich interessieren, sind auch gar nicht so viele. Wie bei allen Sachen gibt es auch bei Drehbüchern gute und eher weniger gute.

    Wie erkennen Sie die?
    Das ist oft Bauchgefühl. Man merkt relativ schnell, ob ein Drehbuch etwas taugt. Ich achte schon auf die Sprache und die Figurenkonstellationen. Und entweder ich versinke in die Geschichte und sauge sie auf, oder es macht nichts mit mir. Das ist wie bei einem guten Buch. Man kann es einfach nicht richtig erklären.

    Gibt es eine Rolle, die Sie gerne mal spielen würden?
    Ja, ich würde gerne einen richtigen Bösewicht spielen. Eine ganz abgebrühte Lobbyistin oder so. Aber das passende Drehbuch war bisher noch nicht dabei.

    Gibt es auch Zeiten, in denen Sie kein Engagement haben, weil gerade kein passendes Drehbuch auf dem Schreibtisch liegt?
    Ich bin auch an der Volksbühne im Ensemble, deswegen gibt es eigentlich keine Zeiten, in denen ich gar nichts mache. Die muss ich mir eher nehmen, so wie andere Leute ihren Urlaub. Das ist nichts Aufgezwungenes, weil ich gerade mal keinen Job habe oder so.

    Haben Sie noch Pläne abseits der Schauspielerei?
    Ja, die wachsen gerade.

    Worum geht es?
    Ich habe in den letzten zehn Jahren unglaublich viel gedreht und das auch nie in Frage gestellt, aber ich hatte auch immer schon den Wunsch zu studieren. Ich würde einfach gerne noch mal ein Wissen vertiefen und mir ein anderes Werkzeug aneignen.

    In welche Richtung denken Sie da?
    Ich lerne gerade unglaublich viel am Theater über die politischen Verflechtungen, die da noch sehr reinspielen. Ich möchte nicht in die Politik, aber in der Branche noch mal vielfältiger agieren können. Aber über ungelegte Eier will ich nicht sprechen. Wenn ich es dann doch nicht mache, dann ärgere ich mich.

    Frau Haase, vielen Dank für das Interveiew.

    Mehr: Constantin-Chef zur Filmbranche: „Es gibt von der Politik bisher keinerlei Perspektive“

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