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Niedergang von Arcandor und Sal. Oppenheim Josef Esch: Der König von Köln

Die ARD arbeitet die Niedergänge von Arcandor und der Bank Sal. Oppenheim auf. Die Schlüsselfigur war ein Maurer aus Troisdorf – der den Skandal als fast Einziger unbeschadet überstand.
11.12.2019 - 17:56 Uhr Kommentieren
Der Immobilienmanager legte milliardenschwere, illegale Immobilienfonds auf. Quelle: dpa
Josef Esch

Der Immobilienmanager legte milliardenschwere, illegale Immobilienfonds auf.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der „Lööre Oohs“ wirkt brachial und gewaltig. Für Nicht-Rheinländer heißt das: „der Larer Ochse“. Lebensgroß und 850 Kilogramm schwer, so steht die Bronzefigur auf dem kleinen Vorplatz der örtlichen Raiffeisenbank in Troisdorf-Sieglar. Das Symbol für Stärke und Beharrlichkeit passt auch zu Josef Esch, der auf der Straßenseite gegenüber seine Firmenzentrale hat.

Nun, der Vergleich passt vielleicht nicht im herkömmlichen Sinne. Aber eine erstaunliche Karriere legte der Maurer aus dem kleinen Städtchen hin – und wurde zum Einflüsterer von Millionären und Milliardären. Die Geschichte von Esch ist so unglaublich, dass sie sogar Stoff für einen 90-Minuten-TV-Film zur besten Sendezeit in der ARD und eine anschließende Dokumentation bot – ausgestrahlt am Mittwochabend.

Die Geschichte, die sich dem Fernsehzuschauer präsentierte, ist eine von Gier und Größenwahn, die für einige, die enge Verbindungen zu Esch pflegten und ihm offenbar grenzenlos vertrauten, nicht gut ausging. Am Ende standen der untergegangene Warenhauskonzern Arcandor und eine Privatbank Sal. Oppenheim, in der nichts mehr so war wie vorher und deren Macher teils zu Haftstrafen verurteilt wurden. Am besten kam noch der Mann aus Troisdorf davon.

Troisdorf-Sieglar ist keine Metropole, die Herkunft zählt dort viel – sortiert bis fast auf die Straßenseite. Von den Sieglarern, vor allem den Älteren, bezeichnen sich die wenigsten als Troisdorfer. Die Einwohner des eher dörflich geprägten Stadtteils sind die Loorer und gönnen sich mit dem Ochsen nicht nur ein eigenes Maskottchen und ein alljährlich zu dessen Ehren zelebriertes Ochsenfest.

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    Sie feiern alljährlich auch ein eigenes, großes Maifest auf dem Dorfplatz und haben einen eigenen Karnevalsverein mit dem schmissigen Namen „Ne Hoofe volle Lööre“. Hier, nur gut 20 Kilometer entfernt vom Kölner Dom, florieren der Bäcker um die Ecke und der Schreibwarenladen noch, und ihre alteingesessenen Eigentümer heißen Bröhl und Kreuzer.

    Das ist die Heimat von Eschs Jüppche, eine ziemlich liebevolle Bezeichnung für den untersetzten, stiernackigen Mann mit Glatze und getönter Brille, der schon früh zeigte, dass aus ihm einmal etwas werden sollte. Nach einer Lehre als Maurer im väterlichen Betrieb brachte es Josef Esch zum Polier – zum jüngsten in ganz Deutschlands, so heißt es jedenfalls. Als der Vater 1986 starb, übernahm er zusammen mit seinem Bruder Matthias das Unternehmen.

    Grafen und Barone aus dem Hause Oppenheim waren Eschs Komplizen. Quelle: AFP/Getty Images
    Das Bankhaus Oppenheim in Köln

    Grafen und Barone aus dem Hause Oppenheim waren Eschs Komplizen.

    (Foto: AFP/Getty Images)

    Der Bruder kümmerte sich um die Umsetzung der Bauprojekte, Josef um die Finanzierung. Und entdeckte dabei offensichtlich ein Talent, das noch größer als sein handwerkliches ist: Verkaufen. Es gelang ihm, wohlhabende Kunden als Investoren für sogenannte Bauherrenmodelle zu gewinnen, Anfang der 1990er-Jahre gründete er die Josef Esch Vermögensverwaltung GmbH.

    Für den weiteren Aufstieg Eschs zu dieser Zeit ist der eines anderen Troisdorfers nicht ganz unwichtig: Lothar Ruschmeier. Der SPD-Mann hatte die Troisdorfer Lokalpolitik hinter sich gelassen und war Stadtdirektor in Köln geworden. Eschs Anknüpfungspunkte in der Stadt des Klüngels und des Karnevals wurden breiter und breiter.

    Fahrt nahmen seine Geschäfte vor allem über die traditionsreiche Privatbank Sal. Oppenheim auf. Esch hatte jetzt nicht nur Zugang zum Geldadel, sondern auch zu echtem Adel. Der schätzte die zupackende Art des einstigen Poliers. Man freundete sich an, ging gemeinsam Skifahren und teilte andere Leidenschaften wie Pferde.

    Und für die reiche Klientel kümmerte sich Esch nicht nur um deren Geldanlagen, sondern um allerlei Alltagsdinge. Er organisierte Handwerker, Autokäufe, Flüge und vieles mehr. Das schaffte Vertrauen bei illustren Namen wie dem Schuh-Milliardär Deichmann, Bofrost-Gründer Boquoi und auch der Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz oder dem einstigen Arcandor-Manager Thomas Middelhoff.

    Der Geheimtipp der Superreichen

    Bei Oppenheim war Esch längst fest an Bord, gemeinsame Fonds liefen unter Oppenheim-Esch. Drohten in Köln Bauprojekte wegen Verzögerungen in Genehmigungsverfahren zu scheitern, war Esch zur Stelle, fand Wege, diese zu beschleunigen. Das Motto: Man kennt sich, man hilft sich – Esch kannte nun auch im Rathaus die richtigen Leute, die ihm halfen. Und er schuf ein Netz aus gegenseitigen Abhängigkeiten.

    Als die Kölnarena gebaut wurde, damals die größte Multifunktionshalle Europas, brachte Ruschmeier das Projekt mit Fonds von Oppenheim-Esch auf den Weg. Über das Ergebnis der Verhandlungen konnten sich die Anleger der Fonds freuen – Oppenheim-Esch war zum Geheimtipp für Geldanlagen von Multimillionären und Milliardären geworden, standen sie doch für üppige Renditen für die reiche Klientel.

    Es galt: höher, schneller, weiter. Für die Stadt dagegen war es ein schlechtes Geschäft, sie verkaufte das Grundstück weit unter Wert. Ein anderes Mal sicherte Esch sich und seinen Fonds den Großauftrag zum Bau von neuen Hallen der Kölner Messer gleich ohne Ausschreibung. Die Stadt verpflichtete sich außerdem, die Hallen für die nächsten 30 Jahren anzumieten - für den völlig überteuerten Preis von 750 Millionen Euro. Kein guten Geschäfte mit Esch ging auch der Kaufhauskonzern Karstadt ein. Dort hatte Esch inzwischen mit dafür gesorgt, dass Eigentümerin Madeleine Schickedanz den Manager Thomas Middelhoff an der Spitze des Warenhauskonzerns installierte. Mit dem hochbezahlten Manager schmiedete der Troisdorfer Strippenzieher eine im Rückblick desaströse Allianz, der Schickedanz offensichtlich machtlos gegenüberstand. Es folgte ein großer Umbau des Unternehmens und zahlreiche Einschnitte. Einer aber profitierte weiter: Esch: Er entwickelte mehrere Warenhäuser mit, das angeschlagene Unternehmen ließ sich auf überhöhte Mietzahlungen ein, die 2009 sogar als eine der Insolvenzursachen des inzwischen in Arcandor umfirmierten Unternehmens galten.

    Mit dem Aus der Kaufhausgruppe verlor Madeleine Schickedanz große Teile ihres Vermögens und Sal. Oppenheim stürzte aufgrund der übernommenen Kreditrisiken in eine existenzielle Krise. Kurz darauf wurde die älteste Privatbank Deutschlands von der Deutschen Bank gekauft und verlor ihre Selbstständigkeit.

    Auch der schier unaufhaltsame Höhenflug Eschs war nun beendet. Die Staatsanwaltschaft rückte zur Razzia aus, er selbst und zahlreiche Banker mussten sich vor Gericht verantworten. Vier Ex-Oppenheim-Banker wurden wegen Untreue zu Freiheitsstrafen verurteilt, einer davon ohne Bewährung. Ins Gefängnis musste auch Ex-Arcandor-Manager Thomas Middelhoff. Er wurde wegen Untreue zu drei Jahren Haft verurteilt, dabei ging es vor allem um die Abrechnung privater Flugreisen.

    Nur einer ging aus dem Arcandor-Aus und dem Mammutprozess um den Niedergang des Bankhauses Sal. Oppenheim fast unbeschadet hervor – Josef Esch, der vielen als der heimliche Chef des Bankhauses galt, auch wenn er das selber immer bestritt. Er musste eine Geldstrafe von 495.000 Euro zahlen, weil er gegen das Kreditwesengesetz verstoßen hatte.

    Bei vielen seiner früheren Weggefährten hat der einstige Polier den Kredit verspielt – nur in Sieglar nicht. Hier hat die Familie Esch noch Einfluss, ist im Karneval aktiv, engagiert sich sozial, sponsert Veranstaltungen. Der Bruder hat sich vor wenigen Jahren erst ins goldene Buch der Stadt eingetragen. Und Josef Esch geht diskret wie eh und je seinen Geschäften gegenüber dem „Lööre Oohs“ nach. In der Christian-Esch-Straße, benannt nach seinem Vater.

    Mehr: Mit viel Selbstkritik blickt Thomas Middelhoff in seinem neuen Buch auf sein bisheriges Leben und seinen Gefängnisaufenthalt zurück. Es ist ein Striptease auf 287 Seiten.

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