Oscar-Hoffnung Maren Ade Perfektionistin und Expertin für Skurriles

Die Regisseurin und Produzentin ist Deutschlands große Hoffnung auf der diesjährigen Oscar-Verleihung. Ins Rennen geht sie mit dem Film „Toni Erdmann, eine Tragikomödie, die bereits vielfach ausgezeichnet worden ist.
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Die Regisseurin von „Toni Erdmann“ hat sich eine Interviewpause verordnet. Quelle: dpa
Maren Ade

Die Regisseurin von „Toni Erdmann“ hat sich eine Interviewpause verordnet.

(Foto: dpa)

DüsseldorfMan würde ja jetzt schon gern wissen, was aus diesem unansehnlichen künstlichen Gebiss geworden ist. Jenes Gebiss, das „Toni Erdmanns“ Auftritte in der Bukarester Beraterszene in ihrer Skurrilität erst perfekt gemacht hat. Jenes Gebiss, das Maren Ade einst nach einer Premiere von „Austin Powers“ als Werbegeschenk mit nach Hause brachte.

Ob die Regisseurin das Gebiss vielleicht als Glücksbringer eingesteckt hat, als sie sich auf den Weg zur Oscar-Verleihung im Dolby Theater in Los Angeles gemacht hat? Nun, man kann sie leider nicht danach fragen, denn Ade hat sich schon vor vielen Wochen, als das mit der Oscar-Nominierung ihrer Tragikomödie „Toni Erdmann“ für den besten nicht-englischsprachigen Film noch gar nicht klar war, eine Interviewpause verordnet. Das klingt aus ökonomischer Perspektive erst mal schräg.

Welche deutschen Filme schon auf den Oscar hofften
1957
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Im Gleichschritt marsch: "Der Hauptmann von Köpenick" alias Harald Juhnke (l) tritt am 06.04.1997 mit seiner Kompanie vor dem Rathaus im Berliner Ortsteil Köpenick an. Im Original von 1956 des Drehbuchautors Helmut Käutner spielte Heinz Rühmann die Titelrolle. Der Film wurde der erste deutsche Nachkriegserfolg in den USA und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der Hauptmann von Köpenick wurde 1957 für den erstmals vergebenen Oscar in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" nominiert.

1958
2 von 15

Mario Adorf schaffte seinen Durchbruch mit dem deutschen Spielfilm "Nachts, wenn der Teufel kam" von Robert Siodmak. Er spielte den Triebtäter Bruno Lüdke, dessen Fall während der NS-Zeit auf merkwürdige Weise abgewickelt wurde. Nach vielen positive Kritiken und viele Auszeichnungen, wurde der Film zu einem Publikumserfolg. 1958 erfolgte die Oscar-Nominierung als bester fremdsprachiger Film.

1959
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Ein Jahr später wurde der deutsche Film Helden für den Oscar nominiert, konnte aber nicht gegenüber der Konkurrenz bestehen. Das Drehbuch des kurz nach der Wiederbewaffnung Deutschlands produzierten Filmes folgte in allen Zügen dem Theaterstück Arms and the Man von Shaw und spielt während des Bulgarisch-Serbischen Krieges im Jahre 1885. Mit über 3 Millionen Zuschauern wurde der Film seinerzeit ein Riesenerfolg.

1960
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Der deutsche Antikriegsfilm ''Die Brücke'' aus dem Jahr 1959, basiert auf dem gleichnamigen autobiografischen Roman von Gregor Dorfmeister und thematisiert dessen persönliche Kriegserlebnisse. Im Mittelpunkt steht die deutsche Jungend welche im Nationalsozialismus herangezogen wird. „Die Brücke“ ist einer der deutschen Spielfilme, der nach 1945 mit den meisten Preisen ausgezeichnet wurde. Trotz dessen konnte er die Oscar-Nominierung im Jahr 1960 nicht für sich entscheiden.

1974
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Erst vierzehn Jahre später wurde ein neuer Hoffnungsträger für den Oscar nominiert: ''Der Fußgänger'' erhielt insgesamt 49 nationale und internationale Preise, gewann die Auszeichnung 'Bester fremdsprachiger Film' im Jahr 1974 jedoch leider nicht. Der Film beschäftigt sich mit den kriminellen Machenschaften des Großindustriellen Giese und beschreibt aus verschiedenen Perspektiven wie sich die einzelnen Charaktere auf den bevorstehenden Prozess vorbereiten.

1977
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Bei ''Jakob, der Lügner'' handelt sich um eine Verfilmung von Jurek Beckers Roman. Hunger, Krankheit und Tod sind Alltag im jüdischen Ghetto in Polen während das zweiten Weltkrieges. Jakob gibt den Ghetto-Bewohnern ein Stückchen Hoffnung. Er erfindet Nachrichten über alliierte Erfolge gegen die Nazis, die sich wie ein Lauffeuer verbreiten. 1977 reichte es nur für die Nominierung zum besten fremdsprachigen Film.

1979
7 von 15

Gleich zwei deutsche Filme schafften es 1979 auf die Nominierungsliste für den Oskar. Darunter: ''Mama, ich lebe'', ein Kriegsdrama von Konrad Wolf, in dem sich deutsche Rekruten entscheiden, gegen die Wehrmacht zu kämpfen.

Wann, wenn nicht jetzt, wäre der bessere Zeitpunkt, sich ins Rampenlicht zu rücken und zu vermarkten? Wenn alle Welt über diesen so urkomischen und zugleich ergreifend traurigen Film „Toni Erdmann“ spricht, in dem ein pensionierter Alt-68-er-Lehrer (gespielt von Peter Simonischek) die erfolgreiche Beraterkarriere seiner ehrgeizigen Tochter (Sandra Hüller) stört und Ade die ganze Arroganz der Beraterszene in ihrer absurdesten Form lächerlich macht?

Aber nein, dieser Rückzug ist keine Inszenierung. Er passt perfekt zu Ade, die noch während ihres Studiums an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen (FFH) mit einer Kommilitonin die Produktionsfirma „Komplizen Film“ gründete und heute mit dem Regisseur Ulrich Köhler und ihren zwei Kindern in Berlin lebt. Auch bei Premieren und Pressekonferenzen hält sich die 40-Jährige lieber am Rand auf, rückt die Leistung ihres Teams in den Vordergrund.

Ihr geht es um den guten Film, nicht um den roten Teppich. Ist ein Film abgedreht, lässt sie sich manchmal mehrere Jahre Zeit, den nächsten Filmstoff zu finden und umzusetzen. Sie ist eine Perfektionistin und keine Effekthascherin, das erkennt auch jeder, der auch nur einen ihrer Filme gesehen hat: Ade setzt ihre widersprüchlichen Protagonisten – das ist bei „Toni Erdmann“ so wie auch bei früheren, preisgekrönten Werken – mit einer Genauigkeit in Szene, die auf der Leinwand leicht und spontan wirkt.

Aber leicht ist das überhaupt nicht, wie Ade selbst einmal erklärte: „Vieles ist wirklich richtige Detailarbeit, anstrengende Schauspielarbeit, damit das so wirkt.“ Der Schauspieler Lars Eidinger hielt 2015 die Laudatio, als Ades Produktionsfirma „Komplizen Film“ mit dem Preis der DEFA-Stiftung für herausragende Leistungen im deutschen Film ausgezeichnet wurde.

„Da kommt es auf jede Geste, jeden Halbsatz an.“
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