Black Eyed Peas und Nile Rodgers

Spontan performen die Black Eyed Peas mit Nile Rodgers (2.v.r.) ihren ersten Megahit „Where Is The Love?“.

Universal-Jahrestagung Inside Universal Music – so produziert die Plattenfirma weltweite Hits

Auf der Jahrestagung von Universal Music verraten Stars wie Herbert Grönemeyer oder Black Eyed Peas ihre Pläne und Produktionen. Ein Besuch in Berlin.
Kommentieren

BerlinDie Jahrestagung der Plattenfirma Universal Music in Berlin, Herbert Grönemeyer steht auf der Bühne der Mercedes-Benz-Arena, fummelt an seinem Handy herum. Schließlich steht die Verbindung zu den Lautsprechern, erstmals präsentiert der Musiker sein neues Lied „Doppelherz/Iki Gönlüm“: „Jeder braucht seinen Fluchtpunkt, seinen Platz, seine zweite Heimat“ heißt es da, einige Zeilen singt er auch auf türkisch.

Hämmernde Beats, eingängige Melodie, typische Grönemeyer-Stimme – ziemlich klar: Der Song könnte bald ganz oben in der Hitparade stehen. Wenn er denn fertig ist. Denn das Stück ist „Work in Progress“: Grönemeyer gibt einen Einblick in seine Arbeit. Derzeit bastelt er an 67 Stücken, von denen nur eine Handvoll in sein neues Album kommt. Das macht Frank Briegmann ein wenig nervös, der Grönemeyer auf der Bühne interviewt.

Mehrfach erkundigt sich der Chef von Universal Music Deutschland nach den Fortschritten bei der Platte. Es geht um viel: Grönemeyer hat nicht nur viele Fans, auch das wichtige Weihnachtsgeschäft lockt mit hohen Absatzzahlen. „Ich gebe mir Mühe, es fertig zu kriegen“, verspricht Grönemeyer.

So geht es weiter, ganze neun Stunden lang: ein tiefer Einblick in die Werkstatt der Hitfabrikanten dieser Welt. Die größte Plattenfirma auf dem Globus lud zu ihrer Jahrestagung ein, mehr als 800 Brancheninsider kamen in die Hauptstadt. Erstmals waren auch „Influencer“ von sozialen Medien eingeladen. Die Künstler bekannter Labels wie Electrola, Polydor/Island oder Virgin Records spielten auf – um bei den Händlern und Journalisten für Aufmerksamkeit und gute Regalplatzierungen zu sorgen.

Draußen schien die Sonne, aber in der Arena war es den ganzen Tag stockdunkel. Die Zuschauer arbeiten seit vielen Jahren in der Branche, so schnell reißt sie nichts vom Hocker. Aber alle springen auf und zücken ihr Handy, als Nile Rodgers auf die Bühne tritt.

Herbert Grönemeyer (l.) wurde von Frank Briegmann, Chef von Univeral Music Deutschland, befragt.
Interview auf der Bühne

Herbert Grönemeyer (l.) wurde von Frank Briegmann, Chef von Univeral Music Deutschland, befragt.

Der Gitarrist und Gründer der Band Chic („Le Freak“) setzt sich auf das Sofa. Sonnenbrille, weiße Mütze und schwarze Rasta-Zöpfe, die er durch die Luft schwingen lässt. Der Amerikaner ist eine Legende, eine Art lebende Hitparade. Für Daft Punk schrieb er vor wenigen Jahren den Welthit „Get Lucky“, produzierte „Let`s Dance“ für David Bowie oder „Like A Virgin“ für Madonna.

Rodgers wirbt für das neue Chic-Album „It`s About Time”, das Ende September auf den Markt kommt und an dem Weltstars wie Elton John mitarbeiteten. Ob es schwierig war, den englischen Sänger für das Projekt zu gewinnen, fragt ihn Ulf Zick, bei Universal Music Deutschland zuständig für das internationale Geschäft.

„Gar kein Problem“, antwortet Rodgers, das sei doch keine große Sache. Wie er es denn immer schaffen würde, Hits zu machen? Der Eindruck würde nicht stimmen, winkt der 65-Jährige ab: „Ich habe so viele Flops“. Allerdings würde er so viel arbeiten, „dass alle denken, ich hätte so viele Treffer“.

Später treten die Black Eyed Peas auf. Die Hip-Hop-Band ist aus Los Angeles gekommen, um ihr Album „Masters of the Sun“ zu promoten. Es erscheint Mitte Oktober und ist das erste nach acht Jahren Pause. Sie würden ja gerne etwas spielen, aber die Plattenfirma würde auf die Kosten schauen und sparen wollen, witzelt Peas-Rapper Will.I.Am.

Daher hätten sie einen Aushilfsmusiker mitgebracht. Unter Beifall und Gejohle kommt nochmal Rodgers auf die Bühne, schnappt sich die Gitarre. Gemeinsam spielen sie den ersten Megahit von den Black Eyed Peas: „Where Is The Love?“.

Will.I.Am erzählt, wie die Band nach dem Terroranschlag 2001 dieses Lied komponierte. Jetzt würden sie wieder zu ihren politischen Wurzeln zurückkehren, angesichts des Wahlerfolgs von Donald Trump. Ihre erste Auskopplung aus dem Album ist „Big Love“, in dem sie über amerikanische Waffengesetze und die Gleichbehandlung von Minderheiten singen – das Lied spielen sie in Berlin natürlich auch.

Politische Themen hört man öfter bei der Universal Inside-Veranstaltung, selbst bei der Präsentation des Universal-Klassiklabels Deutsche Grammophon. Die junge Sopranistin Nadine Sierra singt ein Lied von Leonard Bernstein. Der Titel der Platte und des Lieds - „There’s A Place For Us“ – stammt von Bernsteins Welterfolg „West Side Story“.

Den habe sie bewusst ausgewählt, erzählt die Amerikanerin. Ihre Vorfahren würden aus Lateinamerika und Europa kommen, Amerika sei ein Land der Einwanderer und nicht nur für die da, die dort schon leben würden. „Das wird leider derzeit in den USA von vielen nicht so gesehen“, sagt Sierra, und sie wolle mit ihrem Debüt-Album darauf aufmerksam machen.

Auch Grönemeyer singt gegen Fremdenhass und Rechtsschwenk. In Deutschland herrsche eine „nervöse Zeit“, sagt der Künstler. „Das Land muss lernen, erwachsen zu werden.“ Rechte Ideen würden nicht in „unsere Gesellschaft passen“, die aber „stark genug ist“, um sie abzuwehren.

„Wir müssen lernen, gelassen damit umzugehen“, sagt Grönemeyer, ohne dabei Rechtsradikalismus verharmlosen zu dürfen. Er sei im Ruhrgebiet aufgewachsen, dort habe es schon früher viele Einwanderer gegeben. „Ohne diese Mischung gäbe es unser Wirtschaftswunder nicht“. Er sei froh, „dass sie hier sind“. Oder um es mit seinem wohl neuen Hit zu sagen: Jeder braucht seinen Fluchtpunkt.

Startseite

Mehr zu: Universal-Jahrestagung - Inside Universal Music – so produziert die Plattenfirma weltweite Hits

0 Kommentare zu "Universal-Jahrestagung: Inside Universal Music – so produziert die Plattenfirma weltweite Hits"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%