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Unsplash und andere Plattformen Warum Fotografen ihre Bilder im Netz verschenken

Immer häufiger stellen Fotografen Bilder frei verwendbar ins Internet. Sie hoffen, ihren Namen so in die Welt zu tragen. Doch dieser Plan birgt auch Risiken.
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Über eine Million Bilder finden sich aktuell auf Unsplash. Auch dieses hier, das von dem Foto- und Videokünstler Trevor Brown stammt. Quelle: Trevor Brown, Unsplash
Fotograf bei der Arbeit

Über eine Million Bilder finden sich aktuell auf Unsplash. Auch dieses hier, das von dem Foto- und Videokünstler Trevor Brown stammt.

(Foto: Trevor Brown, Unsplash)

Düsseldorf Es gibt da ein Werk von Samuel Zeller, das seit einiger Zeit um die Welt geht. Das Foto taucht auf mittlerweile fast 300 Seiten im Internet auf. Sie reichen vom kleinen japanischen Blogprojekt bis hin zum „Wall Street Journal“. Ein chinesischer Elektronikhersteller wirbt mit dem Motiv für eine Kamera, ein britisches Reiseunternehmen will Musikfans damit in ein Flugzeug locken.

Der Schweizer Fotograf schoss das Foto, das eine feiernde Menge auf einem Konzert der Sängerin Dua Lipa zeigt, 2016. Verdient hat er an ihm auch drei Jahre später noch keinen Cent. Statt sein Bild zu verkaufen, lud Zeller es auf der kostenfreien Stockfoto-Plattform unsplash.com hoch – frei nutzbar für jeden, auch zu kommerziellen Zwecken.

Unsplash ist nicht die einzige Plattform, die frei verwendbare Bilder im Netz versammelt – aber die, die derzeit am schnellsten wächst. Ins Leben gerufen hat sie vor fünf Jahren der kanadische Tech-Unternehmer Mikael Cho. Zunächst bot er dort nur ein paar wenige Bilder an, die bei einem Fotoshooting für sein eigenes Start-up übrig geblieben waren. Inzwischen zählt die Webseite mehr als 150.000 Nutzer. Seit Anfang des vergangenen Jahres hat sich diese Zahl fast verdoppelt. Über eine Million Bilder bieten Fotografen aus aller Welt gegenwärtig kostenfrei auf der Plattform an.

Dabei erscheint das Unsplash-Prinzip für Fotografen zunächst nicht unbedingt vorteilhaft. Alle Nutzer hätten das uneingeschränkte Recht, dort verfügbar gemachte Bilder kostenlos herunterzuladen, zu modifizieren und aufzuführen, heißt es in den Lizenzregularien der Webseite. Die Erlaubnis der jeweiligen Fotografen brauche es dafür nicht. Nicht einmal deren namentliche Nennung sei obligatorisch. Was also treibt sie an?

„Ich wollte etwas, das ungenutzt auf meiner Festplatte herumlag, zu einer nützlichen Ressource für andere Kreative machen“, erklärt Samuel Zeller, der seit 2016 hauptberuflich von der Fotografie lebt, seine Motivation in einem Blogbeitrag.

Ein angenehmer Nebeneffekt: Durch sein Unsplash-Profil wurde demzufolge auch Zellers erster Großkunde auf ihn aufmerksam. Es handelte sich um eine Schweizer Bank, die sein Gratis-Portfolio offenbar so sehr beeindruckt hatte, dass sie direkt eine ganze Bilderstrecke bei dem damals noch unerfahrenen Fotografen in Auftrag gab – entsprechend vergütet, versteht sich.

Dennoch: Als Fotokünstler gehe es ihm nicht nur darum, möglichst viel Geld zu machen, so Zeller. Er wolle vor allem so viel wie möglich von seiner Kunst teilen. Unsplash biete dafür einfach eine optimale Gelegenheit.

Das sind die zehn erfolgreichsten Bilder auf „Unsplash“
Platz 10: „City architecture and skyscrapers near waterfront“
1 von 10

Fotograf: Pedro Lastra
Aufrufe: ca. 52 Millionen (Stand Oktober 2019)
Downloads: ca. 300.000 (Stand Oktober 2019)

(Foto: Pedro Lastra, Unsplash)
Platz 9: Weltraumteleskop-Aufnahme des Emissionsnebels NGC 7635
2 von 10

Anbieter: Nasa
Aufrufe: ca. 55 Millionen (Stand Oktober 2019)
Downloads: ca. 700.000 (Stand Oktober 2019)

(Foto: Nasa, Unsplash)
Platz 8: Schreibtisch in Schwarz-Weiß
3 von 10

Fotograf: Oliver Pecker
Aufrufe: ca. 57 Millionen (Stand Oktober 2019)
Downloads: ca. 43000 (Stand Oktober 2019)

(Foto: Oliver Pecker, Unsplash)
Platz 7: „Minimal pencils on yellow“
4 von 10

Fotograf: Joanna Kosinska
Aufrufe: ca. 58 Millionen (Stand Oktober 2019)
Downloads: ca. 500.000 (Stand Oktober 2019)

(Foto: Joanna Kosinska, Unsplash)
Platz 6: „Brainstorming over paper“
5 von 10

Anbieter: Helloquence
Aufrufe: ca. 68 Millionen (Stand Oktober 2019)
Downloads: ca. 35.000 (Stand Oktober 2019)

(Foto: Helloquence, Unsplash)
Platz 5: „Taking a picture of hanging lights“
6 von 10

Fotograf: Dustin Lee
Aufrufe: ca. 65 Millionen (Stand Oktober 2019)
Downloads: ca. 500.000 (Stand Oktober 2019)

(Foto: Dustin Lee, Unsplash)
Platz 4: Hochzeitsgedeck
7 von 10

Anbieter: chuttersnap
Aufrufe: ca. 68 Millionen (Stand Oktober 2019)
Downloads: ca. 34.000 Million (Stand Oktober 2019)

(Foto: chuttersnap, Unsplash)

Zeller ist nicht zuletzt solcher Aussagen wegen eines der erklärten Aushängeschilder der Plattform. Seine Geschichte erzählen die Unsplash-Betreiber auch auf dem eigenen Newsblog nach, ernannten ihn 2017 gar zum „Unsplash Ambassador“. Er soll die frohe Kunde von der Webseite also in die Welt tragen – und vor allem in seine Branche.

Adrian Keidel ist von solchen Meriten noch ein Stück weit entfernt. Dennoch schwört auch er auf die Unsplash-Community. „Nirgendwo bekommt man besseres Feedback“, sagt der Fotograf und Grafikdesigner, der aus Bayreuth stammt und seit 2016 auf der Plattform aktiv ist.

Auf Unsplash stieß Keidel vor einigen Jahren auf der Suche nach Bildmaterial für ein Stadtmagazin. Später begann er dann, unter dem Künstlernamen „Adrian Infernus“ auch selbst Bilder dort hochzuladen. 76 Fotos finden sich inzwischen auf seinem Profil, größtenteils handelt es sich um Naturaufnahmen. Die kämen auf der Plattform erfahrungsgemäß besonders gut an, sagt Keidel. „Wenn man weiß, welche Stilrichtung gewünscht ist, versucht man natürlich vermehrt, diese auch zu treffen.“

Das erfolgreichste Bild in Keidels Unsplash-Portfolio zeigt aber den Marktplatz seiner Heimatstadt Bayreuth. Es war denn auch dieses Bild, das ihn vor einigen Jahren in ein kleines Dilemma brachte. Die Entwickler einer der führenden deutschen Immobilien-Apps hätten ihn damals kontaktiert, erzählt Keidel. Sie wollten ihm das Bild abkaufen. Da Keidel es bereits kostenlos ins Netz gestellt hatte, blieb ihm jedoch nichts anderes übrig, als sein Bild gratis zur Verfügung zu stellen. So war seine Marktplatzaufnahme dann zwar mehrere Monate lang auf der Startseite der Immobilien-App zu sehen – vergütet wurde der Fotograf dafür aber nicht.

Immerhin sei sein Bild mit entsprechenden Credits versehen worden, resümiert Keidel. „So etwas bringt dann zumindest Klicks auf die eigene Webseite und verschafft einem so ein bisschen Gehör in dieser ja doch sehr überlaufenen Welt der Fotografen.“

Letztlich profitierten in solchen Fällen beide Seiten, sagt Keidel: „Das Gegenüber hat gutes Bildmaterial und für mich ist es eine brauchbare Referenz. Es ist eben ein Geben und Nehmen. Gerade in den heutigen Zeiten, wo viele Leute in erster Linie auf sich achten, ist das schon ganz gut so.“

Reichweite mit Risiken

Bei all diesem Altruismus birgt das Unsplash-Prinzip aber auch Probleme. Da die Lizenzregularien der Webseite eine völlig freie Nutzung vorsehen, geben Fotografen mit dem Klick auf den Upload-Button jegliche Kontrolle über ihre Bilder ab. Auch unlauterer Verwendung ist damit Tür und Tor geöffnet – wie auch immer die im Einzelfall aussehen mag.

Fotos, auf denen Gesichter von Bekannten erkennbar seien, lade er auf Unsplash deshalb grundsätzlich nicht hoch, sagt Adrian Keidel. Obwohl er bisher keine negativen Erfahrungen gemacht habe: „Wenn doch mal ein Bild auf einer unangenehmen Seite landet – was soll man diesen Leuten dann sagen?“

Dass seine Bedenken berechtigt sind, zeigt die Geschichte von Andrew Schulz (Nachname von der Redaktion geändert). Wie Adrian Keidel stieß auch der US-Amerikaner zunächst als Endnutzer auf Unsplash. 2015 war das, die Plattform steckte damals noch in den Kinderschuhen. „Für Webdesigner wie mich erschien eine Seite mit so vielen Gratis-Bildern damals wie ein heiliger Gral“, erzählt Schulz. „Aber ich hatte nicht darüber nachgedacht, was die Folgen für die Fotografen sind.“

Als er begann, eigene Bilder auf Unsplash hochzuladen, feierte Schulz schnell Erfolge. „Es fühlte sich gut an, dass plötzlich Hunderttausende meine Bilder sahen“, sagt er. Auch dass diverse Unternehmen ihre Dienstleistungen mit seinen Bildern bewarben, schmeichelte Schulz zunächst – trotz des zunehmend bitteren Beigeschmacks der fehlenden Vergütung. Bis er eines Tages eines seiner Werke in einer Werbeanzeige für ein Casino in Nevada wiederentdeckte. „Ich lehne das Glücksspiel entschieden ab“, sagt er. „Als ich erkannte, dass so etwas mit meiner Arbeit vermarktet wird, platzte mir der Kragen.“

Schulz löschte alle Fotos von seinem Unsplash-Profil. Doch der Schaden war längst nicht mehr gut zu machen, seine Bilder zudem überall im Netz verstreut. Sie finden sich noch immer auf diversen Konkurrenzportalen, werden mitunter sogar unter Nennung anderer Urheber auf kostenpflichtigen Foto-Webseiten vertrieben. Anfangs ließ Schulz sie noch jedes Mal löschen, schrieb die Betreiber der jeweiligen Plattform an. Inzwischen hat er resigniert: „Das kostet einfach alles zu viel Zeit und Aufwand.“

Bereits 2017 hat Unsplash auf solche Vorkommnisse reagiert und seine Lizenzbestimmungen angepasst. Bilder unverändert in andere vergleichbare Angebote zu übernehmen, gilt darin nun explizit als untersagt.

Dennoch sei die Plattform nach wie vor schädlich für die Fotobranche, sagt Andrew Schulz. Ständig werde man von den Betreibern umgarnt, werde einem gesagt, wie gut die eigenen Bilder liefen, wie viele Downloads und wie viel Reichweite sie generierten. Doch sobald die Copyright-Politik der Seite dann für Probleme sorge, stehe man völlig allein da. „Am Ende des Tages nutzt Unsplash die Fotografen ganz einfach aus“, meint Schulz. Zudem verliere die Fotokunst durch die Gratiskultur solcher Webseiten immens an Wert.

Samuel Zeller sieht das anders. „Was heißt überhaupt Wert?“, fragt der Unsplash-Botschafter in einem Interview. Ein belgischer Singer-Songwriter habe für ein Plattencover zuletzt eines seiner kostenfreien Bilder von Unsplash verwendet. Zumindest für diesen Musiker habe sein Foto einen enormen Wert. Und für ihn selbst habe es den ebenfalls, so Zeller. „Weil ich mich freue, es dort zu sehen.“

Mehr: Mit einer ganz eigenen Bildsprache inszenieren Inez von Lamsweerde und Vinoodh Matadin die Mode aller großen Labels. Dabei ist das New Yorker Fotografen-Paar selbst zur Marke geworden.

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