Die Elephant Valley Lodge in Botswana

Zum Abendessen dürfen die Gäste auf ihren Logenplätzen am Wasserloch Platz nehmen – langweilig wird es dort nie.

(Foto: Elephant Valley Lodge)

Urlaubstrend Elefantenschau auf luxuriöse Art: Warum Glamping zum neuen Trend wird

In Namibia, Botswana, Sambia oder Südafrika wird Glamping immer beliebter. Das komfortable Zelten mit Glamour macht die Wildnis zugänglicher.
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DüsseldorfBernsteinfarbene Augen mustern den Jeep mit seiner menschlichen Fracht für den Bruchteil weniger Sekunden, dann schweifen die Blicke majestätisch in die Ferne. Zwei Löwenmännchen genießen die ersten wärmenden Strahlen des Tages nur wenige Meter von der Schotterpiste entfernt.

Ein faszinierendes Muskelspiel malt sich unter dem weichen Fell ab. Es lässt erahnen, welche Kraft sich in Sekundenschnelle entfalten könnte. Nur das Klicken der Kamera durchbricht die Stille des unvergleichlichen Morgens.

In der Nacht zuvor waren im namibischen „Dolomite Camp“ des Etosha-Nationalparks Tierstimmen durch die Zeltwände der luxuriösen Glamping-Chalets gedrungen. Das Camp im noch nicht lange touristisch erschlossenen Westteil des Etosha Nationalparks verbindet aufs Angenehmste Naturverbundenheit mit Komfort. Hier können Gäste auf glamouröse Art zelten – man nennt es Glamping.

Die großzügigen Safarizelte sind mit eigenen Badezimmern ausgestattet sowie mit Betten, über denen Moskitonetze wie die Vorhänge eines Himmelbettes drapiert sind. Das Interieur ist geschmackvoll auf die Umgebung abgestimmt, der Fußboden lockt zum Barfußlaufen auf edlen, polierten Holzdielen.

Dennoch ist die afrikanische Nacht mit all ihren unbekannten Geräuschen hautnah. Sind das jetzt Hyänen? Wenig später brechen Äste. Gleich vier Elefantendamen mit Nachwuchs genehmigen sich ein ausgiebiges Nachtmahl. Irgendwann lautes Löwengebrüll.

Gut, dass die Decken im kuscheligen King-Size-Bett groß genug sind, um sie ein wenig höher zu ziehen. Beim ersten Tageslicht dann die außergewöhnliche Begegnung – zwei Löwenmännchen liegen nur fünf Autominuten vom Camp entfernt, präsentieren sich in all ihrer Pracht in der Nähe des Wasserlochs.

Luxus im Trend

„Glamping verbindet das ersehnte unmittelbare Naturerlebnis mit Komfort, vielleicht sogar mit Luxus – und macht damit die schöne Wildnis Afrikas zugänglicher“, sagt Axel Schmiegelow, Geschäftsführer des Online-Reiseanbieters I-Travel. Das Unternehmen stellt seinen Kunden maßgeschneiderte Urlaubsreisen auch im südlichen Afrika zusammen. „Reisende wollen unberührte Natur erleben und sich vom getakteten Alltag erholen“, sagt der I-Travel-Chef.

In einem Zelt lasse sich das noch viel unmittelbarer erfahren als in einer Lodge. So steigt das Interesse am Glamping ebenso wie die Anzahl der Destinationen. „Und das südliche Afrika als Reiseziel wird ebenfalls von Jahr zu Jahr beliebter“, sagt Schmiegelow.

Das bestätigt Katrin Neidig vom Afrikaspezialisten Iwanowski‘s Reisen. „Es ist wie ein Schneeballeffekt“, beschreibt die Produktmanagerin den Trend. Die Magie Afrikas habe sich herumgesprochen. Und es gebe zahlreiche Wiederholungstäter. „Wir haben jetzt schon für den Sommer 2019 extrem viele Anfragen“, sagt sie. Ein gutes Jahr im Voraus zu buchen ist ihre Empfehlung.

Es ist die neue Lust an der Natur, die sich auch in anderen Outdoortrends wie Biken, Klettern oder Wandern niederschlägt. „Die Suche nach einer Gegenwelt ist natürlich. Denn wir leben in unserem Alltag oft in Bildschirmwelten mit durchgetakteten Terminabsprachen“, sagt Zukunftsforscher Eike Wenzel, Chef des Instituts für Trend- und Zukunftsforschung. Schon früh hat er das Thema Glamping als Trend für die Reisebranche prognostiziert.

Im Binnendelta des Okavango trifft der Fluss auf die Kalahari und formt fruchtbare Flutebenen. Quelle: Imago
Okavango-Delta in Botswana

Im Binnendelta des Okavango trifft der Fluss auf die Kalahari und formt fruchtbare Flutebenen.

(Foto: Imago)

Hautnahe Naturerlebnisse, raus aus dem Alltag – genau das garantieren fast alle Glamping-Destinationen in Südafrika, Namibia, Sambia oder Botswana. Vor allem das Okavango-Delta mit seinen exklusiven Camps, das oft zitierte „Juwel der Kalahari“, bietet seinen betuchten und manchmal royalen Gästen Luxus. Der frischvermählte englische Prinz Harry soll sich in Botswana ein wenig auf die afrikanische Magie verlassen haben, um seiner Meghan in der Einsamkeit des Deltas ein ganzes Stück näherzukommen.

„In Botswana ist beim Bauen in den Naturparks keinerlei Beton erlaubt“, erklärt Reiseexpertin Neidig, es gebe nur Zeltcamps. Der Staat schützt seine großartige Natur, bestimmt, dass nichts zurückbleiben darf, wenn ein Camp abgerissen wird. So sind die Destinationen klein und exklusiv, ein Blick auf die „Big Five“ – Löwe, Leopard, Elefant, Nashorn und Büffel – ist fast immer garantiert.

Das paradiesische Binnendelta des Okavango ist das größte der Welt. Aus Angola kommend, trifft der Fluss auf die Kalahari, formt ein Wunderland aus Kanälen, idyllischen Lagunen, Palminseln, dichten Wäldern und fruchtbaren Flutebenen. Flugsafaris oder ein Mokoro-Ausflug im Einbaum-Boot gehören zum unbedingten Muss aller Safari-Touristen.

„Naturerlebnisse in der unberührten Natur des Okavango-Deltas mit seiner übersichtlichen Anzahl an Übernachtungsmöglichkeiten werden fast immer maßgeschneidert“, weiß der I-Travel-Chef.

Private Ranger und Guides erfüllen vor Ort alle Safari-Wünsche wie etwa im Nxabego Okavango Tented Camp inmitten eines 7.000 Hektar großen privaten Naturschutzgebietes: Neun luxuriöse Safarizelte auf erhöhten Plattformen mit eigenen Aussichtsdecks bieten ein Höchstmaß an Privatheit. Der Blick geht in die Weite einer inselreichen Wasserlandschaft.

Gesundheitsorientierte und finanzstarke Zielgruppe

Zum ersten Mal in ihrem Leben habe sie in ihrem diesjährigen Sommerurlaub in Botswana vom ersten bis zum letzten Tag das Handy ausgelassen, erinnert sich die Managerin eines Automobilzulieferers an ihren Urlaub. „Unfassbar“, sie schüttelt den Kopf. „Nur sitzen, schauen, mit allen Sinnen wahrnehmen, zur Ruhe kommen.“

Zu den Highlights im Damaraland zählen Ausflüge zur größten Freiluftgalerie Afrikas mit San-Malereien und-Gravuren, die monumentale Fingerklippe, der Brandberg und das Damara Living Museum. Quelle: Simone Wermelskirchen für Handelsblatt
Felsgravuren von Twyfelfontein

Zu den Highlights im Damaraland zählen Ausflüge zur größten Freiluftgalerie Afrikas mit San-Malereien und-Gravuren, die monumentale Fingerklippe, der Brandberg und das Damara Living Museum.

(Foto: Simone Wermelskirchen für Handelsblatt)

Im komfortablen Safarizelt auf Zeitreise, pures „Out-of-Africa-Feeling“ – davon berichten viele Urlauber. Ursprünglich waren es englische Gentlemen, die sich im 19. Jahrhundert ihre Großwildjagd mit Glamour zu versüßen wussten, Bett, Teeservice und sogar die eigene Badewanne mitschleppen ließen.

„Heute fragt vor allem die gut gebildete Zielgruppe zwischen 30 und 50 Glamping-Angebote nach“, sagt Zukunftsforscher Wenzel. Die Kunden seien gesundheitsorientiert und finanzstark, wollten ihren Kindern die Natur nahebringen. In Zeiten des Klimawandels rückt die Vergänglichkeit der Natur ins Bewusstsein. „Draußen zu sein“ bekomme einen neuen Stellenwert.

So liegt Glamping im südlichen Afrika auch bei Familien im Trend. Gefragter als die ganz exklusiven Ziele in Botswana und Sambia sind dann eher Destinationen in Namibia und Südafrika, die sich auf Rundreisen gut mit anderen Übernachtungsmöglichkeiten kombinieren lassen. Auf dem kleinen Parkplatz im namibischen „Dolomite Camp“ steht eine Handvoll Jeeps mit Zelten auf dem Dach. Schon am nächsten Tag wird es daher für einige Gäste heißen: zurück in den Schlafsack.

Bis dahin darf es aber ein wenig Luxus im Busch-Chalet sein, das sich gut getarnt ins Dolomitgestein schmiegt. Von der Veranda oder dem Pool aus gleitet der Blick über Etoshas weite Ebene. Herden von Zebras, Giraffen und Elefanten ziehen vorbei. Auch das seltene Hartmann-Zebra lebt in diesem Teil des Nationalparks.

Zum farbenprächtigen „Sundowner“ mixt der Barkeeper einen passenden Cocktail, im Restaurantzelt steht heute „Eland“, eine Riesenantilope, auf der Speisekarte. In der Dunkelheit gibt es für alle Gäste sicheren Geleitschutz vom Restaurant zurück in ihre Chalets, denn das Camp ist nicht eingezäunt. Es brennt ein knisterndes Feuer in Poolnähe. Funken steigen in den Nachthimmel, bequeme Campingstühle bieten Logenplätze unterm südlichen Firmament. „Jenseits von Afrika“ kommt in den Sinn, ein Gefühl wie in Tania Blixens Roman: „Ich hatte eine Farm in Afrika, am Fuße der Ngong-Berge ...“

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