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Verbraucherzentralen Airlines verweigern systematisch Entschädigungen

Wenn sich bewahrheitet, was eine Umfrage der deutschen Verbraucherzentralen ergeben hat, droht einer Reihe von Fluggesellschaften Ärger mit der EU. Der Erhebung zufolge zieren sich viele Airlines, wenn es darum geht, Ersatz für ausgefallene oder verspätete Verbindungen zu leisten.
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Imagepflege nötig: Viele Airlines zahlen nicht, wozu sie verpflichtet sind. Quelle: Reuters

Imagepflege nötig: Viele Airlines zahlen nicht, wozu sie verpflichtet sind.

(Foto: Reuters)

HB BERLIN. Trotz verbesserter EU-Passagierrechte verweigern zahlreiche Airlines ihren Kunden noch immer Entschädigungen für verspätete oder ausgefallene Flüge. Zu diesem Schluss kommt eine nicht-repräsentative Umfrage der bundesweiten Verbraucherzentralen unter mehr als 1 000 Fluggästen, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde. "Die wesentlichen Ziele der EU-Verordnung wie eine frühzeitige Information der Fluggäste über Flugstörungen, angemessene Betreuungsleistungen und Ausgleichszahlungen werden nicht erreicht", heißt es im Fazit der Verbraucherschützer.

Auch fünf Jahre nach Inkrafttreten der EU-weiten Fluggastrechte würden sich zahlreiche Airlines teils systematisch mit "Taschenspielertricks und Verweigerungshaltung" vor Ersatzansprüchen drücken, sagte der Vorstandsvorsitzende der Verbraucherzentrale Berlin, Jürgen Keßler. Es sei "grundsätzliche Geschäftspraxis, dass berechtigte Ansprüche von den Airlines einfach ausgesessen werden". Auf namentliche Beispiele verzichtete Keßler. Es seien "alle Airlines" betroffen und nicht nur einzelne schwarze Schafe.

Die EU-Verordnung 261/2004 räumt Fluggästen umfangreiche Rechte bei Verspätungen, Annullierungen oder anderweitiger Nichtbeförderung ein. Je nach Strecke und Zeitverzug muss die verantwortliche Airline für Verpflegung und Unterkunft sitzengebliebener Passagiere aufkommen, in besonders drastischen Fällen auch für alternative Reisemöglichkeiten oder finanzielle Entschädigungen. Trotzdem stoßen Kunden mit ihren Beschwerden bei den Fluggesellschaften häufig auf taube Ohren.

Laut Umfrage konnten acht von zehn Betroffenen den Kundenservice ihrer Airline nicht erreichen oder klagten über unzumutbare Bearbeitungszeiten, nur drei Prozent konnten ihre Rechte reibungslos durchsetzen. Nicht einmal jeder Zweite wurde demnach von der Fluggesellschaft über seine Rechte informiert, 80 Prozent erfuhren erst am Flughafen von Flugstörungen.

Oft würden Künden systematisch mit hinhaltenden Briefen um ihr Recht gebracht, sagte Keßler. Zudem seien die vom Luftfahrt-Bundesamt verhängten Strafzahlungen für Airlines derzeit weder abschreckend noch verhältnismäßig. Der Behörde unterstellte Keßler, "dass die Nähe zu der betroffenen Industrie größer ist als die zu den betroffenen Verbrauchern". Reisenden riet Keßler, die Verbraucherzentralen zu informieren und vor Gericht zu klagen, denn oft würden rechtskräftige Urteile mit Vergleichen vermieden, um keine Präzedenzfälle zu schaffen.

Um Fluggästen bei Verspätungen, Annullierungen oder anderen Problemen eine zentrale Anlaufstelle zu bieten, müsse es "eine bundesweite Schlichtungsstelle geben, die auch den juristischen Sachverstand besitzt, um dagegenzuhalten", sagte Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sagte dem "Tagesspiegel laut Vorabbericht, die Gespräche über eine diesbezügliche Teilnahme der Fluggesellschaften verliefen "konstruktiv". Zudem solle die Schlichtung gesetzlich verankert werden, um auch widerspenstige Unternehmen in die Verantwortung zu zwingen.

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  • Mangelnde Durchsetbarkeit kommt einer Rechtlosigkeit gleich. Türkish Airlines leistete sich am 30.10.2010 eine mehr als sechs stündige Verspätung von Düsseldorf nach Tel Aviv. Die Fluggeselschaft hat das pflichtgemässe Unterrichtung des Fluggastes, bezüglich seiner Rechte unterlassen, die Freundlichkeit des Personals besser gesagt die Unfreundlichkeit hat vorgeherrscht, die Reaktion der angeschriebenen Türkish Airlines beschränkte sich auf den Hinweis, die Sprache muss English sein, sonst keine Reaktion. Vertragsmoral sieht anders aus, ein Anwalt wird regelrecht herbeigezwungen!

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