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Ein Schluck Wasser aus dem Glas

Was ist dir dein Durst wert? (Foto: Imago)

Voss Warum Luxuswasser völlig unnötig ist

Wasser von Voss oder Fiji ist 1.800-mal so teuer wie Leitungswasser. Woran die Unterschiede im Preis liegen und ob Menschen den Unterschied schmecken: Wir machen den Test.
  • Justin Wolff
10.01.2018 - 14:05 Uhr Kommentieren

Dieser Artikel ist am 10. Januar 2018 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Im Supermarkt ist die Auswahl an Mineralwassern riesig. Wasser aus regionalen Quellen, aus dem Fernsehen bekannte Premiummarken oder Sprudel für ein paar Cent. Beim Blick auf die vollgestellten Regale kann man schnell den Überblick verlieren.

Kosten für einen Liter Wasser: Leitungswasser kostet nur 30 Cent pro Jahr

Wie gut, sollte man meinen, dass sich manche Wasser besonders hervorheben. Sie haben eine ungewöhnliche Flaschenform und sehen aus wie Designobjekte. Auf den Flaschen werben die Hersteller mit besonders reinem und frischen Inhalt. Und auch der Preis ist besonders.

Bei sogenannten „Luxuswassern“ der Marken „Voss“ oder „Fiji“ kostet der halbe Liter um die zwei Euro. Die Unternehmen machen nach Angaben des Marktforschungs-Institut “Owler” Millionenumsätze, obwohl im Discounter die gleiche Menge Wasser ab sechs Cent zu kriegen ist. Wir machen den Geschmackstest in der Fußgängerzone – und erklären dir, was hinter den teuren Mineralwassern steckt.

Jeder Deutsche hat im vergangenen Jahr 148 Liter Mineralwasser getrunken, schätzt der Verband Deutscher Mineralbrunnen. Ein Spitzenwert, den in der EU nur die Italiener überbieten. 14,7 Milliarden Euro setzt der deutsche Wassermarkt jährlich um. Internationale Konzerne setzen seit einigen Jahren auf ein neues Produkt: das Edel-Mineralwasser, wahlweise auch Gourmetwasser oder Luxuswasser genannt.

Es gibt sogar schon Flaschen für mehr als 100 Euro zu kaufen, doch die wohl bekanntesten Marken sind Voss und Fiji. Beide in den späten 1990er-Jahren gegründet, setzten sie von Anfang an auf ein auffälliges Verpackungsdesign und platzierten ihr Produkt geschickt in Hollywood: Stars wie Dwayne „The Rock“ Johnson, Harry Styles oder Ashley Tisdale lassen sich gerne mit Edelwasser ablichten, in der Kult-Show „Two and a Half Men“ trinken Charlie Sheen und Co. seit jeher das Wasser von den Fidschi-Inseln.

„Mehrwert von Luxuswasser ist zweifelhaft“

Der deutsche Wassermarkt ist eigentlich nach wie vor sehr regional geprägt, berichtet der Verband deutscher Mineralbrunnen. Umweltschützer beklagen auch die langen Transportwege, wenn wir beispielsweise ein Wasser von den 16.000 Kilometer entfernten Fidschi-Inseln trinken. Denn je kürzer der Transportweg, desto klimafreundlicher das Getränk.

Fiji wirbt damit, das Wasser aus einer besonders unberührten und natürlichen Quelle zu entnehmen. Für Wasserexperte Arno Steguweit hat das aber wenig Aussagekraft. Er sagt: „Der Mehrwert des Luxuswassers ist zweifelhaft.“

Steguweit war Chefsommelier im Berliner Luxushotel Adlon und entschied irgendwann: Als Sommelier müsse er sich nicht nur mit Wein, sondern auch mit Wasser auskennen. Seit geraumer Zeit berät Steguweit nun also Hotels und Restaurants und gibt Seminare zur richtigen Wasserauswahl.

Mineralstoffe im Wasser: Gerolsteiner und ja! haben deutlich mehr als Fiji

Voss und Fiji gibt es in Kaufhäusern wie Galeria Kaufhof oder dem KaDeWe in Berlin zu kaufen, aber auch in ausgewählten Edeka- und Rewe-Filialen. Ein Blick auf die Mineralienwerte zeigt, dass sie nicht an den Mineraliengehalt deutscher Brunnen heranreichen.

Ein Liter Fiji-Wasser weist eine Gesamtmineralisierung von 61 Milligramm auf, das Sprudelwasser von Voss kommt auf 343 Milligramm. “Das ist extrem wenig”, sagt Steguweit. Dieselbe Menge Gerolsteiner Medium hat einen Mineraliengehalt von knapp 2500 Milligramm, auch das Sprudelwasser der Rewe-Marke „ja!“ hat mit 502 Milligramm eine höhere Mineralisierung als die Edel-Mineralwasser.

Wasserkosten je nach Quelle

Ein hoher Mineraliengehalt bedeutet zwar nicht gleich gesünderes Wasser. Sportler verlieren beim Sport viel Salz und können mit natriumreichen Wasser nachlegen. Für Menschen mit Bluthochdruck ist es hingegen empfehlenswert, sich natriumarm zu ernähren.

EU-Regelung: Wann wird ein Wasser zum Mineralwasser?

Es ist wichtig, das passende Wasser zu trinken, denn viele Mineralien müssten eben über Flüssigkeit aufgenommen werden, so Steguweit. Wer von bestimmten Stoffen zu viel oder zu wenig aufnimmt, riskiere Gesundheitsschäden.

Dass sich die Nobel-Brunnen überhaupt „Mineralwasser“ nennen dürfen, hat seinen Ursprung in einer Deregulierung. Bis 1996 war in Deutschland vorgeschrieben, dass Wasser mindestens 1,5 Gramm Mineralien erhalten muss, um als Mineralwasser gelten zu können.

Als das Gesetz in der EU vereinheitlicht werden sollte, klagten einige Mitgliedsstaaten, darunter Frankreich und Italien, gegen die Regelung. Mit Erfolg: Seitdem dürfen Hersteller auch mineralienarme Wasser als Mineralwasser bezeichnen. Immerhin muss weiter auf jeder Wasserflasche ein Analyseauszug die wichtigsten Mineralien angeben.

„Voss-Wasser hat einen frischen Geschmack“

Bleibt also nur der Geschmack. Und es stimmt, sagt Steguweit. Deutsche Wasser sind durch den insgesamt höheren Mineralienanteil auch kalkhaltiger. Das Wasser bekommt einen sauren Geschmack. Das Voss- und Fiji-Wasser hat dagegen eine sehr geringe Mineralisierung, man spricht von weichem Wasser. „Das hat einen klaren und frischen Geschmack“, sagt Steguweit. Es könne ein Grund sein, wieso die teuren Marken bei vielen Kunden gut ankommen.

Dennoch: Aus Sicht von Armin Valet, Wasserkenner bei der Verbraucherzentrale Hamburg, zahlen Kunden hauptsächlich für Namen und Markenimage. „Die Produktionskosten machen nur einen Bruchteil der Kosten aus“, sagt er. Kurios: Voss-Wasser kommt in der norwegischen Gemeinde Iveland aus dem Wasserhahn, während es im Rest der Welt als exklusives Trendgetränk verkauft wird.

Warum Menschen dennoch beherzt zugreifen, dafür gebe es keine rationalen Gründe, sagt Steguweit. Wirtschaftswissenschaftler nennen es „Snob-Effekt“: Je weniger Menschen sich ein Produkt leisten können, desto begehrter wird es. „Solche Wasser“, sagt Steguweit, „sind einfach ein Statussymbol”.

Mehr: „Das beste Wasser kommt aus dem Hahn“

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