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Der Wirtschaftsbeschleuniger Das Paradox der Gleichstellung

Es gibt zu wenige Frauen in den Bereichen Wissenschaft und Technik! Aber liegt das wirklich an der Diskriminierung? Vince Ebert macht sich Gedanken über „Gender Equality“.
21.04.2018 - 16:28 Uhr Kommentieren
Der studierte Physiker Vince Ebert ist Kabarettist, Vortragsredner und Bestsellerautor. Mit seinem Bühnenprogramm „Zukunft is the Future“ ist er deutschlandweit auf Tournee.
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Der studierte Physiker Vince Ebert ist Kabarettist, Vortragsredner und Bestsellerautor. Mit seinem Bühnenprogramm „Zukunft is the Future“ ist er deutschlandweit auf Tournee.

Seit einigen Wochen macht in der wissenschaftlichen Welt eine verstörende Studie über das „Gender-Equality Paradox“ Furore. Eine Analyse von 67 untersuchten Nationen ergab, dass der Anteil weiblicher MINT- Studenten (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) umso höher ist, je schlechter es mit der Gleichstellung der Frau im jeweiligen Land bestellt ist. In Algerien zum Beispiel. liegt die Frauenquote in MINT-Fächern bei sagenhaften 40 Prozent, in den Arabischen Emiraten immerhin noch bei 37 Prozent. Bei gleichgestellten Vorzeigeländern wie Finnland oder Norwegen dagegen schrumpft die Quote auf mickrige 20 Prozent. Auch das relativ emanzipierte Deutschland dümpelt bei 25 Prozent herum.
Je männerdominierter und frauenfeindlicher eine Gesellschaft ist, desto stärker nutzen Frauen offenbar die Chance, aus ihrem traditionellen Lebensentwurf auszubrechen und Berufe zu ergreifen, die eine gute Bezahlung und eine erfolgreiche Karriere versprechen. Salopp gesagt: Wenn Sie als Frau in Saudi Arabien die Gelegenheit bekommen, aufzusteigen, dann machen Sie keine Ausbildung zur Feng Shui Beraterin, dann studieren Sie Maschinenbau.
Im Gegenzug bedeutet dies eine unbequeme Wahrheit für die vielen Gender- und Gleichstellungs-Aktivisten in unseren modernen, emanzipierten Gesellschaften: Frauen, die machen können, was sie wollen, die eben nicht mehr um fundamentale Grundrechte kämpfen müssen, ergreifen im Schnitt viel lieber Berufe, die üblicherweise als „typisch weiblich“ bezeichnet werden: Sie arbeiten eher in sozialen und geisteswissenschaftlich geprägten Bereichen. Jobs, die auch oft auch schlechter entlohnt werden, als Tätigkeiten in klassischen MINT-Branchen.

Was bei der emotionalen Diskussion oft untergeht, ist, dass weibliche Lebensentwürfe oftmals anders aussehen als männliche. So zeigen unter anderem viele Untersuchungen, dass Männer in Bewerbungsgesprächen härter um Geld verhandeln, Frauen hingegen verhandeln eher um Zeit, denn ihnen sind oft noch andere Dinge wichtig. Jeder erfahrene Headhunter weiß, dass im Gegensatz zu vielen männlichen Kollegen nur ein Bruchteil der Damen wirklich bereit ist, eine dreijährige Vertriebsleiter-Position mit einer 80 Stundenwoche im neu gegründeten Werk in Litauen anzunehmen.
Tendenziell sind es eben eher Männer, die verbissen an ihrem Status arbeiten, indem sie auch gerne mal mit ihren Qualifikationen bluffen. Oder wie meine Oma mal gesagt hat: „Dein Opa hat nicht deswegen Karriere gemacht, weil er sich besonders gut darin anstellte, sondern weil er zuhause noch weniger hingekriegt hat...“
Frauen wollen aufgrund ihres Könnens, ihrer Wertvorstellungen und ihrer Qualitäten ernst genommen werden. Sie sind weniger flexibel, was einen Wohnortwechsel betrifft und möchten Rücksicht auf ihr soziales Leben und ihre Familie nehmen können.

Wirtschaftsforscher der Universität Erlangen kamen, nach Durchsicht eines großen Datensatzes, zu der Erkenntnis, dass Frauen in gleichen Positionen auch deswegen weniger Gehalt bekommen als Männer, weil ihnen Geld nicht so wichtig ist. Sie machen die Entscheidungen darüber, ob und für wen sie arbeiten, weniger von der Bezahlung abhängig als Männer.
Das alles muss nicht nur schlecht sein. Frauen sind zwar weniger im Top-Management zu finden, dafür sind sie im Gegenzug auch gesünder und leben im Schnitt sechs Jahre länger. Auch wenn es um Obdachlosen-, Suizid-, oder Kriminalitätsraten geht – Männer haben in all diesen frustrierenden Bereichen die Nase vorne. Für das das kraftraubende Geplänkel um Erfolg, Macht, Status und Geld zahlen Männer also einen ziemlich hohen Preis.
Das Thema Chancengleichheit bleibt komplex, doch vielleicht muss man in einigen Bereichen umdenken.

Freiheit bedeutet eben auch, dass man selbstbestimmt entscheiden kann und will, in welchen Bereichen man arbeitet.
Will man also Frauen auf Biegen und Brechen dazu bringen, dass sie sich, genauso wie Männer, freiwillig in berufliche Hochrisiko-Zonen begeben, gibt es zwei grundsätzliche Möglichkeiten, die beide nicht erstrebenswert sind: Entweder, wir schaffen in Anlehnung an das „Gender-Equality Paradox“ frauenfeindliche Verhältnisse, so wie in den Arabischen Emiraten; oder aber, wir machen Führungspositionen für die statusfixierten Männer unattraktiv. Einen gebrauchten Fiat Panda als Firmenwagen und einen unprätentiösen Schreibtisch im Großraumbüro für einen Aufsichtsratsposten eines DAX-Konzerns – und schwuppdiwupp wäre dieses Arbeitsfeld für die Alpha-Männer schlagartig uninteressant.

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    Mehr Infos über Vince Ebert finden Sie auf seiner Homepage www.vince-ebert.de

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