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Der Wirtschaftsbeschleuniger Warum Coaching oft nicht funktioniert

Management-Coaching, Life-Coaches, Wellnesscoach – alles buchbar. Wir müssen uns nur coachen lassen, dann ist alles möglich. Oder doch nicht?
14.08.2018 - 16:39 Uhr 1 Kommentar
Der studierte Physiker Vince Ebert ist Kabarettist, Vortragsredner und Bestsellerautor. Mit seinem Bühnenprogramm „Zukunft is the Future“ ist er deutschlandweit auf Tournee.
Der Autor

Der studierte Physiker Vince Ebert ist Kabarettist, Vortragsredner und Bestsellerautor. Mit seinem Bühnenprogramm „Zukunft is the Future“ ist er deutschlandweit auf Tournee.

Vor einiger Zeit gab Lady Gaga in der Zeitschrift GQ ein großes Interview, in dem sie den bemerkenswerten Satz sagte: „Ich bin nicht zufällig berühmt geworden“. Als Beweis erzählte sie davon, wie hart sie schon seit ihrer Kindheit an ihrer Karriere gearbeitet habe.

Geschichten wie diese lieben wir. Sie hören sich plausibel an und decken sich mit den Aussagen vieler erfolgreicher Menschen. Wenn Sie in eine Buchhandlung gehen, finden Sie unzählige Bücher, die sich dem Thema „Wie werde ich erfolgreich?“ widmen.

Diese Bücher sind eigentlich immer nach demselben Muster gestrickt: Meist wird ein erfolgreicher Mensch vorgestellt, der Eigenschaften wie Mut, Risikobereitschaft, Fleiß besitzt. Dann wird gefolgert: Wenn auch SIE diese Eigenschaft haben, läuft’s mit der Karriere!

Klassischer Statistikfehler. Wir wissen nämlich nicht, wie viele Menschen ebenfalls mutig, risikobereit oder fleißig sind und trotzdem scheiterten. Warum, ist klar: Erfolglose Menschen schreiben keine Erfolgsbücher. Ich habe nachgeguckt. Sie finden im Buchhandel keine Bücher mit Titeln wie „Warum ich’s nicht geschafft habe“, „In zwölf Schritten zum Loser“ oder „Trotz Einser-Abi in der Gosse“.

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    Trotzdem lieben wir Menschen Ratgeber. Nicht, weil wir sie befolgen, sondern weil wir das gute Gefühl lieben, etwas getan zu haben in unserem Leben. Zum Beispiel ein Ratgeberbuch zu lesen.

    Und obwohl uns insgeheim klar ist, dass die Sache mit dem Erfolg nicht so simpel ist, hängen wir dennoch zahllosen „Experten“ an den Lippen und kaufen mit sehnsuchtsvollen Augen ihre Bücher. Auf der Vertriebsleitertagung unseres Unternehmens wird für teures Geld ein Verkaufsguru aus Texas eingeflogen, der der staunenden Belegschaft in einer zweihundertseitigen Powerpoint-Präsentation die neuesten Verkaufsweisheiten mit auf den Weg gibt.

    Noch im Mittelalter warf man die Menschen in dunkle Verließe und quälte sie mit einem glühend heißem Eisen. Heute steckt man sie in einen hell erleuchteten Raum mit grässlichem Mobiliar und malträtiert sie mit einem Beamer.

    Dabei fällt auf, dass die wenigsten dieser Erfolgspropheten tatsächlich selbst Unternehmer waren. Die Legende, Erfolg sei machbar, stammt zum überwiegenden Teil von Menschen, die niemals erfolgreich ein Unternehmen gegründet oder geführt haben.

    Auf dem Coaching-Markt sieht es nicht viel anders aus. Wirft man einen Blick auf die Biographien vieler Coaches, so kommt oft heraus, dass sie coachen, weil sie in ihrem Job davor wenig hinbekommen haben und nun glauben, aus ihrem Scheitern heraus anderen erklären zu können, wie sie Erfolg haben.

    Genauso wie die Tätigkeit „Berater“ ist auch der Begriff „Coach“ nicht geschützt. Theoretisch kann sich jeder so nennen. Weder gibt es eine anerkannte Ausbildung, noch fundierte Qualitätsstandards für diesen Beruf. Und wissenschaftlich belastbare Belege für die Wirksamkeit einzelner Coaching-Konzepte oder des Coachings generell gibt es ebenfalls nicht.

    Was viele nicht daran hindert, sich einen Coach zu nehmen. Es gibt Health-Coaches, Life-Coaches und sogar Art-Coaches, die dir sagen, welche Bilder du in deinem Wohnzimmer aufhängen sollst, damit die Energie richtig durch die Eichenschrankwand fliest. Das Problem: Wenn du „voll auf Coach“ bist, fällt der Ausstieg schwer. Inzwischen nehmen sich sogar Coaches einen Coach, der sie coacht, wie man am besten coacht.

    Im Zusammenhang mit Religionen oder Sekten ist die Figur des Gurus bekanntlich eher negativ behaftet: dubiose Typen, die in halbdurchsichtigen Seidengewändern über Pool-Liegen stolpern, deutlich jüngere Frauen angrapschen und ab und an auch gerne einen Massenselbstmord befehlen. S

    olche Gurus werden von den meisten als halbseidene Scharlatane erkannt. Kommen sie dagegen im schicken Anzug, Rollkoffer und einer charismatischen Ausstrahlung ins Unternehmen, werden sie als Heilsbringer gefeiert. „Tschakkaa! Du schaffst es!“

    Vince Ebert ist Diplom-Physiker und Kabarettist. In seinen Bühnenprogrammen, Vorträgen und Büchern vermittelt er naturwissenschaftliche Themen mit den Gesetzen des Humors in deutscher und nun auch in englischer Sprache. Mehr Infos und alle Termine unter www.vince-ebert.de 

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    1 Kommentar zu "Der Wirtschaftsbeschleuniger: Warum Coaching oft nicht funktioniert"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Danke für Ihre Ausführungen. Genau diese Auffassung vertrete ich auch. leider kann ich mich in meiner Kanzlei nicht damit durchsetzen und ecke an.

      Die Coaches kosten nur Geld; und bringen wenig. Es kommt auf die Menschen an, wie Sie miteinander umgehen. Auch der Chef ist kein Gott im Unternehmen und macht Fehler

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