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Der Wirtschaftsbeschleuniger Warum man ab und zu mal „Danke“ sagen sollte

Das Wetter mies, der Kaffee lauwarm, der Bus zwei Minuten zu spät: Das Leben kann verdammt hart sein. Wir Deutschen haben allen Grund zu meckern – oder nicht?
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Der studierte Physiker Vince Ebert ist Kabarettist, Vortragsredner und Bestsellerautor. Mit seinem Bühnenprogramm „Zukunft is the Future“ ist er deutschlandweit auf Tournee.
Der Autor

Der studierte Physiker Vince Ebert ist Kabarettist, Vortragsredner und Bestsellerautor. Mit seinem Bühnenprogramm „Zukunft is the Future“ ist er deutschlandweit auf Tournee.

Im Englischen gibt es die schöne Redewendung: „Don’t complain, don’t explain“. Sie bedeutet etwa: Nöl‘ nicht rum, und erkläre der Welt nicht, warum nicht du, sondern die Flachpfeife vom Büro gegenüber den Abteilungsleiterposten bekommen hat. Und nerve vor allem nicht deine Frau damit, wie du den Laden „so richtig auf Vordermann“ brächtest, wenn man dich nur ließe. Sie kann nichts dafür, dass man dich nicht lässt. Es sei denn, sie ist deine Chefin.

Es ist zwar ein abgedroschenes Klischee, aber wir Deutschen meckern tatsächlich gerne und ausgiebig. Weil wir uns tendenziell ungerecht behandelt fühlen. Vom System generell, von der Politik und überhaupt. Deswegen neigen wir auch dazu, für alles, was uns nicht passt, einen Schuldigen zu finden: Angela Merkel, unseren Chef oder gerne auch Mutti und Vati, die einen nie so richtig gefördert haben.

Auch viele meiner Kollegen im politischen Kabarett erzählen uns gerne, wie viele in diesem Land zu kurz kommen – eigentlich alle bis auf Banker, Automanager und CSU-Politiker.

Da steht dann ein wütender Mensch auf der Bühne und macht uns klar, dass wir alle der Spielball von „denen da oben“ sind. Mir ist das als Zuschauer jedes Mal ein bisschen peinlich. Ich stelle mir dann immer vor, wie ich einer indischen Turnschuhnäherin erklären müsste, dass wir es hier untragbar finden, mit 65 Jahren noch zu arbeiten.

Zugegebenermaßen hat das Abwälzen von Verantwortung und die Suche nach einem Prügelknaben eine lange Historie. „Die Ernte ist schlecht, das Wetter ist hundsmiserabel – die Götter hassen uns! Irgendeiner muss doch daran schuld sein. Hey, da kommt Karlheinz. Schlagen wir ihm doch einfach mal den Schädel ein. Vielleicht geht’s uns dann besser …“ So lief das schon vor Tausenden von Jahren.

Inzwischen geht es uns nicht nur besser, es geht uns gut. Verdammt gut. Wir leben in einem der freiesten Länder dieser Erde und haben eine Armutsquote, um die uns die gesamte Welt beneidet. Und trotzdem sind viele von uns der Meinung, das Leben schuldet uns irgendetwas.

Aufgrund eines unglaublich glücklichen Zufalls sind wir genau zu dieser Zeit an genau diesem Ort geboren worden. Ganz ehrlich, es hätte schlimmer kommen können. Deswegen finde ich, ein einfaches „Dankeschön, Schicksal!“ wäre an der Stelle angemessen.
Auch ich ertappe mich manchmal beim Meckern. Als ich beispielsweise beim jüngsten Warnstreik der Deutschen Bahn stundenlang in einem ICE festsaß, hätte ich mir durchaus gerne einen „Karlheinz“ gewünscht, an dem ich meine Wut ausgelassen hätte.

Aber dann dachte ich an die 99 Prozent der Weltbevölkerung, denen es vermutlich in diesem Moment schlechter ging als mir. Es gibt Milliarden Menschen auf diesem Planeten, die vermutlich mehr Recht hätten, sich über ihre wirklich existenziellen Lebensumstände zu beschweren.

Was gibt uns, die wir fast alle mehr Glück haben, die Berechtigung dazu? In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Allen ein weitgehend meckerfreies und glückliches 2019 – die Bahn-Gewerkschaft mit eingeschlossen.

Mehr über den Wissenschaftskabarettisten, Keynote-Speaker und Bestsellerautor finden Sie unter www.vince-ebert.de

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