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Der Wirtschaftsbeschleuniger Wie revolutionär ist die Digitalisierung wirklich?

Mit einer App die Welt verändern? Die Macher aus dem Silicon Valley versprechen so einiges. Doch Zweifel sind angebracht.
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Der studierte Physiker Vince Ebert ist Kabarettist, Vortragsredner und Bestsellerautor. Mit seinem Bühnenprogramm „Zukunft is the Future“ ist er deutschlandweit auf Tournee.
Der Autor

Der studierte Physiker Vince Ebert ist Kabarettist, Vortragsredner und Bestsellerautor. Mit seinem Bühnenprogramm „Zukunft is the Future“ ist er deutschlandweit auf Tournee.

Die Digitalisierung ist wohl derzeit das meistdiskutierte Thema in der Wirtschaft. „Da werden Dinge auf uns zukommen, die es bisher noch nie gab ...“, tönt es aus Führungsetagen. Ich für meinen Teil sehe das ein wenig entspannter. Im Jahr 1855 – die Älteren können sich noch daran erinnern – gab es in London eine verheerende Cholera-Epidemie.

Die Mediziner damals waren verzweifelt, denn keiner wusste zu dem Zeitpunkt, was diese Krankheit auslöst. Einige Ärzte glaubten, sie könnten durch das Betasten der Zunge erfühlen, ob jemand Cholera bekommt. Und weil sie sich nie die Hände wuschen, traf ihre Diagnose tatsächlich zu.

Der Mediziner John Snow jedoch interessierte sich nicht für die Krankheitsursache, sondern markierte sämtliche Todesfälle auf dem Londoner Stadtplan. Dabei fiel ihm auf, dass sich die Krankheit um drei Brunnen in der Stadt gruppierte. Sein Vorgehen wurde von den Kollegen misstrauisch kommentiert: „You know nothing, John Snow!“

Doch obwohl er nichts über Infektionen und Bakterien wusste, hatte er eine Vermutung: Wahrscheinlich stimmt dort etwas mit dem Wasser nicht. Die Brunnen wurden geschlossen, und die Epidemie kam zum Stillstand.

Das Spannende an der Geschichte: John Snow betrieb bereits 150 Jahre vor Google eine Big-Data-Analyse. Er sammelte Daten, suchte nach Mustern und kam so der Wahrheit auf die Spur.

Wir Menschen haben schon immer Informationen gesammelt, verarbeitet und weitergegeben. Die Höhlenmalerei war das Youtube der Steinzeit. Das Lagerfeuer war das erste soziale Netzwerk. Die präzise Handlungsanweisung, einen Speer zu konstruieren, ist nichts anderes als ein Algorithmus.

Selbstverständlich haben sich über die Jahrhunderte auch ein paar Dinge verändert. Noch vor zehn Jahren wurde Rudolph Moshammer mit einem Telefonkabel erdrosselt. Das wäre heute rein technisch überhaupt nicht mehr möglich.

Bedeutet die Digitalisierung also wirklich eine so einschneidende Veränderung? Werden die Auswirkungen der Industrie 4.0 tatsächlich so dramatisch sein? Neulich las ich, dass laut einer Umfrage in den nächsten zwei Jahrzehnten 47 Prozent aller Arbeitsplätze durch die Digitalisierung verschwinden würden. Nicht 46 Prozent, nicht 48 Prozent. Nein, exakt 47 Prozent! Wie seriös sind solche Zahlen?

Vor einigen Monaten hat ein großer Radiosender bei seinen Hörern eine Umfrage durchgeführt und sie aufgefordert mit „Ja“ oder „Nein“ abzustimmen. Daraufhin haben über 5.000 Leute angerufen, 73 Prozent haben mit „Ja“ gestimmt. Und das, obwohl überhaupt keine Frage gestellt worden war.

Geht's auch ein bisschen kleiner?

Könnte es nicht vielleicht auch sein, dass die Versprechungen, die Visionen und Befürchtungen, die mit der Digitalisierung in Zusammenhang stehen, etwas übertrieben sind? Mir jedenfalls geht diese digitale Hysterie ziemlich auf die Nerven. Jeder, der im Silicon Valley eine eigene Garage mit Tischkicker besitzt, behauptet ja inzwischen, dass er mit einer neuen App die Welt verändern wird. Geht’s nicht vielleicht auch ein bisschen kleiner?

Oder anders gesagt: Ist die Möglichkeit, über Google Maps eine Pizza zu bestellen oder Katzenvideos in Full HD zu verschicken, tatsächlich so unfassbar revolutionär? Wie innovativ ist eine neue Uber-App im Vergleich zur Erfindung des Wasserklosetts, der Dampfmaschine oder des Penicillins?

Vieles, was unsere Lebensqualität, unser Denken und nicht zuletzt auch unser Business am meisten revolutioniert hat, ist bereits vor langer Zeit entstanden: Webstühle, elektrischer Strom, Evolutionstheorie, Containerschiffe, Kunstdünger, doppelte Buchführung.

Selbst die Globalisierung ist kein neues Phänomen. Die ersten Globalisierer waren die Spanier. Im 16. Jahrhundert sind sie nach Südamerika gefahren und haben den Indios Gold, Kartoffeln und Tomaten geraubt. Die Indios wiederum haben sich dafür revanchiert und spielen zur Strafe bis zum heutigen Tag Panflöte in der Fußgängerzone.

Vielleicht werden ja wirklich 47 Prozent aller Arbeitsplätze durch die Digitalisierung verschwinden. Aber wäre das wirklich so schlimm? In den vergangenen 100 Jahren sind 95 Prozent aller Arbeitsplätze in der Landwirtschaft weggefallen. Hat uns das in eine Krise gestürzt? Im Gegenteil: Seitdem ist unsere gesamte Arbeitswelt spannender, vielfältiger und kreativer geworden.

Adidas stellt seit vergangenem Jahr Turnschuhe mithilfe von 3D-Druckern her, holt damit die Produktion von Fernost wieder zurück ins eigene Land und schafft durch die Digitalisierung Arbeitsplätze.

In seiner Keynote „Big Dadaismus“ zeigt der Wissenschaftskabarettist und Bestsellerautor Vince Ebert, dass uns das Thema Digitalisierung keine Angst machen muss. Mehr Infos dazu finden sie unter www.vince-ebert.de.

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