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Mit ihrer Länge von 26,80 Metern war die SX88 von Sanlorenzo die größte Yacht auf der Messe boot in Düsseldorf.

(Foto: Sanlorenzo)

Yachtbau Warum Sanlorenzo erfolgreicher ist als viele Konkurrenten

Die Finanzkrise überstand der italienische Yachtbauer Sanlorenzo halbwegs unbeschadet – was die Italiener besser machen als die Konkurrenz.
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Düsseldorf Mario Gornati kennt den Rang seines Unternehmens im internationalen Geschäft mit den Luxusyachten. „Auf den anderen Ständen sehen sie die Mercedesse“, sagt Gornati selbstbewusst und weist mit seinen Armen auf all die konkurrierenden Aussteller in der Halle 6. „Hier aber sind sie bei Bentley und Rolls Royce.“

Hier, das ist die Luxusyacht SX88 des italienischen Schiffbauunternehmens Sanlorenzo, die jüngst auf der Messe boot in Düsseldorf zu sehen war. Sie war unter den vielen schnittigen Schiffen ein besonderes: Mit ihren 26,70 Metern war die SX88 die größte Yacht, die in Düsseldorf bestaunt wurde. Größere passen allerdings auch nicht hinein in die Messehallen der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens.

Gornati ist der Marketingdirektor von Sanlorenzo, und so glatt, wie die zurückgegelten Haare am Kopf des Italieners anliegen, sind auch die Worte, die er bei einem Rundgang auf dem Neubau von Sanlorenzo wählt. Die Botschaft, die durchklingt: Wir sind die Größten. Gornatis Selbstbewusstsein aber kommt nicht von ungefähr. Schließlich hat Sanlorenzo die mit dem Jahr 2008 begonnene Finanzkrise von allen Yachtbauern am unbeschadetsten überstanden.

In den folgenden auch für die Yachtbranche schweren Jahren hat Sanlorenzo einige Dinge anders gemacht als die Konkurrenz, nicht nur, was das alltägliche operative Geschäft des Verkaufs eines Luxusartikels betrifft. Auch bei den Schiffen unterscheidet man sich von den vergleichbaren Produkten der Konkurrenz, und beim Rundgang auf der SX88 wird Gornati nicht müde aufzuzählen, was Sanlorenzo besser macht als die anderen.

Der Einstieg ins Schiff erfolgt in Düsseldorf über eine Treppe hinauf zum Heck des aufgebockten Schiffs, das somit auch seine Unterseite mit den drei Schrauben präsentiert. Sie werden von drei je 800 Pferdestärken leistenden Volvo-Penta-Dieselmotoren angetrieben und machen das Boot in der Spitze 23 Knoten schnell.

„Wir sind Bentley und Rolls Royce“, sagt der Marketingdirektor von Sanlorenzo. (Foto: Michael Raschke)
Mario Gornati

„Wir sind Bentley und Rolls Royce“, sagt der Marketingdirektor von Sanlorenzo. (Foto: Michael Raschke)

Zuvor aber hat Gornati seine Schuhe ausgezogen. Wer ihm folgen will, muss es ebenfalls auf Socken tun oder Einweg-Überschuhe überstülpen. Kein Sandkörnchen soll die Yachtböden aus edlen Hölzern schädigen. Und so etwa dem Schiff einen Hauch seines Luxus nehmen, der den Preis in dieser Ausstattungsvariante auf rund sechs Millionen Euro hochgetrieben hat.

Wobei: „Wir sprechen bei unseren Yachten nicht von Luxus, wir sprechen von Exklusivität“, sagt Mario Gornati. Eben jene Exklusivität, die die Sanlorenzo-Schiffe einzigartig machen soll. Im Falle der SX88 verstieg das Unternehmen sich in einer Mitteilung gleich mal zur Bewertung der SX88 als „kopernikanische Revolution“.

Dass bei Entwurf und Bau aber zumindest gegen den Trend gesteuert wurde, war ein Wagnis im Geschäft mit den großen und voluminösen Yachten, das noch immer von Traditionen bestimmt ist. Das Wagnis lohnte sich. Schon vor der offiziellen Vorstellung im September 2017 beim Yachting Festival in Cannes waren nach Gornatis Angaben acht der Boote verkauft. Mittlerweile sind es nach Sanlorenzo-Angaben 20.

Das Hauptdeck der SX88 von Sanlorenzo ist wie ein Loft gestaltet. (Foto: Uwe Ehrensmann)
Zeitlos elegant

Das Hauptdeck der SX88 von Sanlorenzo ist wie ein Loft gestaltet. (Foto: Uwe Ehrensmann)

Im Schiff ist überall, wo es möglich war, Glas das Material der Wahl. Es betont das dezent designte und Loft-artige Innere, das scheinbar nahtlos ins Äußere und das Meer übergeht. Protz geht wahrlich anders. Auf dem Hauptdeck ist hinten der Salon platziert und vorn der Essbereich, dazwischen die Küche. Alles ist offen und einsehbar. Was am Aufbau nicht aus Glas besteht, ist aus Karbon gefertigt.

Die nötige Technik ist gut versteckt, radikal wanderte der Steuerstand vom Hauptdeck nach oben auf die Flybridge. Er hätte die Loft-Ästhetik des Hauptdecks doch allzu sehr gestört. 30 Quadratmeter misst der „Beach Club“ auf dem Achterdeck, der sich bis unter die Wasseroberfläche absenken lässt. Platz ist für acht Passagiere und drei Crewmitglieder.

Die stilvoll-dezenten Möbel könnten auch in einer Villa stehen, was ganz im Sinne von Sanlorenzo ist. Es sei ja eigentlich nicht einzusehen, sagt Gornati, dass das in aller Regel ebenfalls aufwendig gestaltete Heim des Besitzers und sein neues Spielzeug unterschiedlich ausgestattet sind.

Zu diesem Zweck schaut man sich die Behausung des neuen Eigentümers genau an, bevor es in die Planung der dann maßgeschneiderten Yacht geht. „Wir wollen das Haus und die Yacht im Design aufeinander abstimmen“, sagt Gornati. Um die Bedürfnisse und Wünsche des neuen Eigners genau auszuloten, nimmt man sich Zeit. Die jeweils ganz spezielle Yacht zu designen, sei „wie eine ganze Reise mit dem Besitzer“ und eben nicht nur wie ein Besuch.

Design also ist neben allem handwerklichen Können eines traditionsreichen Schiffsbauunternehmens das Maß der Dinge bei Sanlorenzo. Hier kommt der Name Piero Lissoni ins Spiel. Lissoni ist einer der bekanntesten Innenarchitekten und Designer Italiens und seit dem vergangenen Jahr auch Art Director von Sanlorenzo. Sein puristischer Stil kommt ohne Extreme aus, ist zeitlos elegant. Für die Yacht SX88 hat er den Innenraum als großzügigen Open Space angelegt, der sich mit breiten Panoramafenstern nach außen öffnet: ein schwimmendes Loft auf dem Wasser und keine holzvertäfelte Koje.

„Wofür braucht man an Bord einer Yacht Korridore? Man verliert 25 Prozent der Fläche, ganz gleich ob es sich um ein großes oder kleines Boot handelt“, erklärt Piero Lissoni. Zukünftig soll er nicht nur für ein unverwechselbares Innenleben der Yachten sorgen. Auf seinem Aufgabenzettel steht ein Rebranding des gesamten Unternehmens sowie die Neugestaltung der vier Werftanlagen in La Spezia, Ameglia, Viareggio und Massa.

Auch der Messestand trägt die Handschrift von Art Director Piero Lissoni. (Foto: Sanlorenzo)
Auf der boot

Auch der Messestand trägt die Handschrift von Art Director Piero Lissoni. (Foto: Sanlorenzo)

Auch sie sind ein wichtiger Teil der Außendarstellung. Im Mai 2018 lud Sanlorenzo eigens zu den „Elite Days“ am Standort in La Spezia ein. Tagsüber wurden Touren mit neuen Yachten organisiert. Am Abend dann die Taufe eines neuen Boots für einen chinesischen Kunden mit anschließendem „Black Tie“-Dinner in der großen Produktionshalle. Der Rohbau einer eingerüsteten Siebzig-Meter-Yacht diente als eindrucksvoll beleuchtete Kulisse und Bühne für den Auftritt von Opernsänger Andrea Bocelli.

Die Tische für die tausend Gäste – Käufer, potenzielle Käufer und Journalisten aus aller Welt – wurden ebenso von Piero Lissoni in Szene gesetzt: nicht steif, sondern lässig elegant. Die Blumen wurden von Stielen befreit und lagen wie scheinbar zufällig arrangierte Stillleben in der Mitte der runden Tische. Vorab hatte ein Lissoni-Team sämtliche Antikmärkte in Norditalien auf der Suche nach charmant-patinierten Kerzenständern leergefegt, damit das perfekt-imperfekte Setting gelingen konnte.

Radikale Veränderung der Käuferschicht

Dies mögen zwar nur Details sein. Doch die sind wichtig, um sich vom steifen Image der Branche zu verabschieden, die derzeit eine radikale Veränderung ihrer Käuferschicht erlebt. An die Stelle von Oligarchen und Scheichs treten immer mehr junge Milliardäre aus dem Silicon Valley oder den Tech-Industrien Asiens. Bis 2040, so eine vom italienischen Yachtbauer Rossinavi beauftragte Studie der Universität Monaco (IUM), wird sich das Durchschnittsalter der Yachten-Besitzer von derzeit 45 bis 55 Jahren auf 35 bis 45 Jahre verjüngen. Bereits heute sind 20 Prozent der derzeit knapp 1250 Milliardäre unter 50 und damit um zehn bis 15 Jahre jünger als in den Neunzigern.

Sanlorenzo ist daher nicht nur auf dem Yachtfestival in Cannes oder auf der Messe Boot in Düsseldorf präsent. Das Unternehmen ist als einzige Werft Partner der Kunstmesse Art Basel und ihren Ablegern in Miami Beach und Hongkong. In den „Collectors Lounges“ werden die Baureihen mit Modellen in Szene gesetzt. Auch hier führt Piero Lissoni die stilistische Regie, um nichts dem Zufall zu überlassen und die Wiedererkennbarkeit zu erhöhen. Über den Kunst-Kontext sollen Käuferschichten angesprochen werden, die sich bislang für Yachten nicht interessieren.

Mit der Verjüngung der Zielgruppe verändert sich das Nutzungsverhalten. Die neuen Eigner wollen nicht mehr auf schweren, ledernen Clubsesseln logieren und Zigarren rauchen. Sie wollen nah ans Wasser und sportlich aktiv sein, weswegen nicht nur die Innenräume mit großen Fenstern geöffnet werden. Der Beachclub – jene Plattform am Heck, die weniger als einen Meter über den Wellen schwebt und zum Ein- und Ausstieg ins Wasser und zum Sonnenbaden verwendet wird – gewinnt mit jedem neuen Yachtmodell an Platz hinzu. Die 47-Meter-Yacht „500 EXP“, die just während der „Elite Days“ getauft wurde, zeigt eine auffällig langgezogene Freifläche im Heckbereich.

Im Jahr 2005 stieß der Yachtmanager zum 1958 gegründeten Unternehmen Sanlorenzo. (Foto: Sanlorenzo)
Massimo Perotti

Im Jahr 2005 stieß der Yachtmanager zum 1958 gegründeten Unternehmen Sanlorenzo.

(Foto: Sanlorenzo)

Erstmals ist bei einer Yacht unterhalb von 50 Metern Länge ein Helikopterlandeplatz eingerichtet worden, was bislang erst bei Modellen der 70-Meter-Plus-Liga üblich ist. Anstelle der traditionellen zweiwöchigen Sommertour rücken bei jüngeren Eignern mehrere, doch dafür kürze Aufenthalte an Bord in den Vordergrund. Statt vom Heimathafen aus in See zu stechen, lassen die neuen Besitzer die Yacht bereits vorfahren und kommen genau in dem Moment an Bord, wenn der Zielort erreicht ist. Wie bei Expeditionsschiffen kann der Landeplatz auch für den Transport von großformatigen Beibooten und Wasserspielzeugen oder als Location für eine Party verwendet werden.

Hinter dem Kurs von Sanlorenzo steht CEO Massimo Perotti, der die 1958 gegründete Werft im Jahr 2005 gekauft hat. Zuvor war er General Director beim weltweit größten Yachtbauer Azimut-Benetti. Das Wachstum ist rasant. 2018 lagen die Umsätze bei 380 Millionen Euro, ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 27 Prozent. Bis 2020 stehen Bestellungen im Wert von 500 Millionen Euro in den Büchern, weswegen Perotti für 2019 ein Umsatzplus um 20 Prozent auf rund 460 Millionen anpeilt. Zum Vergleich: 2008, vor Anbruch der Finanzkrise, verbuchte die Werft einen Umsatz von 198 Millionen Euro.

Bereits im vergangenen Juli hat Perotti einen 16-prozentigen Anteil zurückgekauft, der 2010 an die Venture-Capital-Gruppe Fondo Italiano d’Investimento veräußert worden war. Im Januar wurde bekannt gegeben, dass jene 23 Prozent, die 2013 von der chinesischen Sundiro Holding erworben wurden, ebenfalls von Perotti zurückgekauft wurden. Zusammen mit seinen beiden Kindern kontrolliert er damit 96 Prozent des Unternehmens. Die übrigen vier Prozent sind im Besitz des Sanlorenzo-Managements.

In den kommenden zwei Jahren sollen 100 Millionen Euro investiert werden. 52 Prozent werden für die Erweiterung der Produktionskapazitäten verwendet, 42 Prozent fließen in neue Modelle. Die übrigen sechs Prozent sind für Forschung und Entwicklung eingeplant. „Wir haben das Unternehmen vorbereitet, um in den nächsten Jahren einen weiteren Sprung zu machen“, gibt sich Perotti zuversichtlich. Und mehr noch: „Der Markt ist zurück. Das ist ein wichtiges Zeichen: Nicht nur für Sanlorenzo, sondern die gesamte Yachtindustrie.“

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