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Zenith-Chef im Interview „Ich will die wichtige Zielgruppe der Millennials ansprechen“

Wie Julien Tornare die traditionsreiche Uhrenmarke Zenith retten will, was er 2019 für die Branche erwartet und welche seine wichtigste Lektion war.
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Zenith-Chef Julien Tornare: „Weniger Modelle – aber dafür bessere
Julien Tornare

„Es gibt so viele tolle Marken. Unsere gehört auf jeden Fall dazu.“

(Foto: Bloomberg)

Als Julien Tornare vor knapp zwei Jahren bei der Uhrenmarke Zenith begann, wechselte er nicht nur die Firma, sondern auch den Konzern dahinter. Lange war er bei Vacheron Constantin für das Luxuskonglomerat Richemont aktiv. Mit Zenith hat er sich zugleich für das Imperium eines einst scharfen Widersachers entschieden: den Pariser Konzern LVMH, zu dem auch Uhrenmarken wie TAG Heuer und Hublot gehören.

Monsieur Tornare, bevor Sie Zenith aus dem Schweizer Le Locle übernommen haben, arbeiteten Sie 17 Jahre bei Vacheron Constantin. Vermissen Sie irgendwas im neuen Job?
Ich hatte dort auf den unterschiedlichsten Posten eine tolle Zeit, in der ich viel gelernt habe. Nach 17 Jahren fand ich es aber auch wirklich wichtig für mich, mal was anderes zu sehen und zu gestalten: neue Marke, neues Produkt, neue Geschichte.

Zenith ist eine Marke mit großer Tradition, die aber seit einiger Zeit auch durchaus Probleme hat. Wie weit ist denn Ihr Umbau gediehen?
Vor einem Jahr hätte ich noch keine guten Nachrichten für Sie gehabt, heute schon. Die vergangenen 18 Monate waren wirklich wahnsinnig intensiv, doch jetzt können wir uns über ein zweistelliges Umsatzwachstum freuen. Zu meiner Strategie gehörte, dass wir die Zahl unserer Verkaufspunkte stark reduziert haben – von 841 auf etwa 600, ebenso wie die Vielfalt unserer Uhrenmodelle. Mein Credo: weniger, aber dafür besser.

Herz der Kollektion ist die Defy-Serie, gefolgt von der Pilot, wobei auch die ikonische Chronomaster- und Elite-Serien im Portfolio bleiben. Dieses Jahr werden wir mit einer Vielzahl von Innovationen und Events aufwarten, nicht nur rund um den 50. Geburtstag unseres Spitzenmodells El Primero. Freuen Sie sich auf die Baselworld im März, wo wir groß vertreten sind und weitere bahnbrechende Neuheiten vorstellen werden. Auch 2020 wird Zenith mit neuen Uhrwerken und Komplikationen an den Start gehen.

Was war beim Umbau des Unternehmens besonders wichtig?
Dass wir uns nicht auf der Vergangenheit und der Tradition von Zenith ausruhen, sondern die Historie lediglich als Ansporn verstehen. Die Marke und ihr Gründer waren immer extrem innovativ. Das müssen wir auch heute sein. Es geht also nicht um Wiederholung, sondern um Fortschritt und darum, den Zeitgeist zu treffen.

Worauf kommt’s Ihnen dabei besonders an?
Ich will die wichtige Zielgruppe der Millennials ansprechen, denen es ganz stark auf Authentizität ankommt. Vor allem die Asiaten sehen so viele Fakenews und Kopien überall in der Welt, dass sie nach echten Werten suchen. Uhrenmarken sind da prädestiniert. Und das hat auch mit meiner zweiten Priorität zu tun.

Nämlich?
Werte zu korrekten Preisen anzubieten. Es gab eine Zeit, da dachten viele Uhrenmanager, den Asiaten könne man alles zu Höchstpreisen anbieten. Auch jetzt noch höre ich gelegentlich, ich solle unsere Zenith-Uhren doch teurer machen. Heute reicht unsere Preisspanne von circa 5.000 Schweizer Franken bis etwa 14.000 für die Chronographen. Das ist unser Terrain. Das Verhältnis muss stimmen.

Hinter TAG Heuer und Hublot ist Zenith bislang die kleinste Marke im Uhren-Reich von LVMH. Sehen Sie sich eher als Rivalen oder als Partner?
Ich habe mich natürlich mit der nötigen Demut bei den anderen Markenchefs vorgestellt. In dem großen LVMH-Reich von insgesamt über 70 Luxusmarken gehören wir tatsächlich zu den kleineren. Und wir haben der Gruppe sicher noch nicht gezeigt, was wir alles können.

Aber in Paris mögen sie die Marke, unterstützen unseren Weg und wollen unseren Erfolg. Dabei hörte ich auch den schönen Satz: „Gute Zahlen sind nur die Konsequenz einer strategischen Vision.“ Die entwickeln wir jetzt. Der Rest wird kommen.

Wir dachten, gerade in einem solchen Konglomerat wird besonders auf die jeweiligen Kurzfrist-Zahlen geschaut.
Das mag es anderswo geben. Ich habe es nicht erlebt.

Sie wurden noch von Jean-Claude Biver angeheuert, eine Art Pate der Schweizer Uhrenindustrie und bis zum vergangenen Jahr Chef der LVMH-Uhrensparte. Dann musste er aus gesundheitlichen Gründen den Job abgeben. Was bedeutet das für den Konzern?
Wir wussten, dass Monsieur Biver irgendwann kürzertreten würde. Nun folgt ihm Stéphane Bianchi, der zwar nicht aus der Uhrenbranche kommt, aber ein starker Manager ist. Trotzdem wollen wir Jean-Claude Biver im Team halten. Auch ich nutze weiterhin sein enormes Fachwissen und tausche mich regelmäßig mit ihm aus. 

Was ist die wichtigste Lektion, die Sie von ihm gelernt haben?
Da gibt es so viele! Aber eine ist sicher, dass es wichtig ist, immer zu zweifeln. Monsieur Biver hat mir mal gesagt, dass er manchmal nachts gar nicht schlafen könne vor lauter Zweifel. Früher hatte ich eher Angst vor allzu viel Grübeleien. Heute weiß ich, dass sie der richtige Treibstoff für den eigenen Motor sind.

Die erste Zenith feiert ihren 50. Geburtstag in der Präsentationsbox. (Foto: Zenith)
El Primero

Die erste Zenith feiert ihren 50. Geburtstag in der Präsentationsbox.
(Foto: Zenith)

Zuviel Selbstsicherheit bringt einen nicht voran. Und Biver schafft es, einen selbst am Telefon innerhalb von nur drei Minuten aus jedem Tief zurück in einen Zustand der Euphorie zu holen.

Wie sieht Ihr Ausblick auf 2019 aus – für Zenith und die Branche?
Viele meiner Kollegen sind sehr vorsichtig angesichts der Bedrohungen unseres Geschäftes durch mögliche Handelskriege – etwa zwischen den USA und China. Ich bin da positiver eingestellt und denke: Wenn wir einen guten Job machen, wird sich auch alles gut entwickeln. Es gibt so viele tolle Marken. Unsere gehört auf jeden Fall dazu.

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