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Zweite Staffel Am Drehset zu „Bad Banks“ – So viel Realität steckt in der ZDF-Serie

2020 läuft die zweite Staffel der Banker-Serie „Bad Banks“ an. Ein Besuch beim Dreh zeigt, wie akribisch sich die Schauspieler auf ihre Rollen vorbereiten.
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Von links nach rechts: Die Schauspieler Desiree Nosbusch, Barry Atsma und Paula Beer. Quelle: dpa
„Bad Banks“

Von links nach rechts: Die Schauspieler Desiree Nosbusch, Barry Atsma und Paula Beer.

(Foto: dpa)

Luxemburg Ihr Aha-Erlebnis hat Paula Beer bei einer Panikattacke. Aufgewühlt sitzt die junge Frau in ihrem Auto in einer Tiefgarage im Frankfurter Bankenviertel. Ihre Augen sind weit aufgerissen. Tränen laufen über ihre Wangen. Sie zückt ihr Handy, keucht, schnappt nach Luft.„Sie haben mich rausgeschmissen“, schluchzt sie ihrem Freund ins Telefon. Während des Gesprächs fängt sie immer wieder an zu hyperventilieren.

Beer ist die Hauptdarstellerin der ZDF-Erfolgsproduktion „Bad Banks“. Die Panikattacke – nur Schauspiel. In der Serie mimt die 24-Jährige die junge ehrgeizige Investmentbankerin Jana Liekam, die für die fiktive „Deutsche Global Invest“ arbeitet – und zunächst entlassen wird.

Für ihre schauspielerische Leistung hat Beer unter anderem den deutschen Fernsehpreis erhalten. Doch bis dahin war es ein langer Weg für die Darstellerin. Am Anfang, sagt sie offen, habe sie oft Probleme gehabt, die Handlungen ihrer Rolle als Bankerin nachzuvollziehen.

Just ist die zweite „Bad Banks“-Staffel abgedreht. Neben der Finanzmetropole Frankfurt sind dieses Mal Berlin, Luxemburg und die Karibik Schauplätze. Ging es in Staffel eins noch darum zu erklären, wie die Finanzkrise 2008 ausbrechen konnte, beginnt die zweite Staffel sechs Monate nach der Krise und taucht ein in die europäische Start-up- und Fintech-Szene. Zu Beginn des Jahres 2020 soll die erste neue Folge anlaufen.

Beer sitzt nach Drehende in ihrem Wohnwagen am Set nahe der Universität Luxemburg. Statt Hosenanzug, wie in der Serie, trägt sie Leggings und Fleece-Pullover. „Ich habe beim ersten Lesen des Drehbuchs wirklich kaum etwas verstanden“, erinnert sie sich. Als sie die Rolle annahm, war sie gerade erst 21 Jahre alt.

Vor der Szene mit der Panikattacke aus Staffel eins fragte sich Beer etwa: Warum löst eine Kündigung eine derart heftige Reaktion bei einem Menschen aus? Warum möchte die junge Bankerin offenbar unbedingt dazugehören?

Antworten gaben ihr junge, aufstrebende Finanzexperten, die sie zur Vorbereitung des Drehs in Vorlesungen an der Uni traf. Sie machten ihr klar: Wer einmal aus der ehrgeizigen Branche fliegt, für den bricht nicht nur die eigene Karriere, sondern gleich eine Welt zusammen.

Serie wird zum Hit

„Bad Banks“ war die Überraschung im deutschen Fernsehen 2018. Und auch wenn die Serie im linearen ZDF-Programm nur ein mäßiger Erfolg war, so erzielte sie in der ZDF-Mediathek ordentliche Abrufzahlen. Allein in der ersten Woche nach Veröffentlichung zählte das ZDF 1,3 Millionen Sichtungen, da war noch keine einzige Folge im regulären TV zu sehen.

Die Serie wurde auch deshalb zum Hit, weil die Macher es schafften, die Banker-Welt der Vorkrisenzeit detailgetreu nachzuzeichnen: Irgendwo zwischen Coolness, Konkurrenzkampf und Kokain-Klischee. Trotz dieser Überzeichnungen attestierten selbst einige Banker der Serie einen erstaunlich hohen Reality-Faktor.

Und das ist alles andere als Zufall. Nicht nur Beer studierte für ihre Rolle akribisch. Auch die beiden anderen Hauptdarsteller, Barry Atsma und Desirée Nosbusch, sprachen mit etlichen Finanzexperten. Sie flogen unter anderem an die Finanzschauplätze London und New York, schauten Dokumentationen, wälzten seitenweise Interviews in Wirtschaftszeitungen und lernten das Banker-Vokabular. Das alles sollte den Schauspielern dabei helfen, die hochkomplexen Entscheidungen zu verstehen, die ihre Rollen vor der Kamera treffen.

Barry Atsma etwa – in „Bad Banks“ Liekams smarter, aber cholerischer Chef Gabriel Fenger – erinnert sich an eine Taxifahrt in London, die er zur Vorbereitung nutzte. Der Schauspieler hatte damals ungefähr eine Stunde Zeit, einen Banker mit Fragen zu löchern. So lange braucht man vom Flughafen Heathrow bis in die Innenstadt, wo der Banker den nächsten Termin hatte. Mehr Zeit räumte ihm der Insider nicht ein. Den Kontakt hatte damals Regisseur Christian Schwochow hergestellt.

Plötzlicher Rollentausch

Unterwegs unterhalten sie sich locker über den Alltag in der Finanzbranche. Plötzlich setzt ihn der Banker unter Druck. Im Sekundentakt feuert sein Gegenüber eine Salve persönlicher Fragen auf den Schauspieler ab, will ihn in die Enge treiben: Was ist das überhaupt für eine Serie, in der du da spielst?, fragt der Banker. Warum machst du da mit? Was ist dein Ziel?

Die Absicht des Bankers: Atsma soll den ständigen Leistungsdruck in der Bankenbranche selbst spüren, um sich daran später vor der Kamera erinnern zu können. „Sie testen, wie schnell ihre Leute denken können und wie viel Druck sie aushalten können.“ Diese Taktik habe er dann auch für seine Rolle als Investmentbanker Fenger genutzt.

Paula Beer, die selbst außer ein paar Sparkassenbesuchen „kaum Berührungspunkte mit dem Bankensektor“ hatte, fiel an der Finanzkaderschmiede, die sie zur Vorbereitung besucht hatte, auf, wie enorm der Druck schon im Hörsaal gewesen war. Die Studenten seien in Ranglisten eingeordnet worden, von Anfang an sei es darum gegangen, zu den Besten zu gehören, erklärt Beer. „Mir war klar, dass ich niemals begreifen werde, was die da fachlich machen. Aber das war auch nicht mein Anspruch“, sagt sie. Ihr ging es damals vielmehr um die emotionale Welt der karrieregetriebenen Jungbanker, die sie verstehen wollte.

Auch während des Drehs zur zweiten Staffel stehen den Schauspielern echte Finanzexperten zur Seite. Producerin Katharina Haase steht am Set über WhatsApp mit den Branchenprofis in Kontakt. Sie scrollt auf ihrem Handy durch die Konversationen der letzten Drehtage.

18:43 Uhr, Haase fragt: „Bei uns in der Geschichte bricht der Lead Engineer weg, woraufhin Jana eine Truppe Coder anheuert, ohne das mit ihrem Co-CEO zu besprechen. Was kann da schief gehen? Was passiert, wenn bei euch jemand sowas anleiern würde?“
19:46 Uhr, Antwort eines Bankers: „Also ohne das mit dem Co-CEO abzusprechen geht gar nicht, der wäre idr [in der Regel, Anm. d. Red.] mega pissed. Und wenn da was schief läuft, hast du einen schlechten Code mit Bugs etc. Oder es sind Betrüger und die bauen eine backdoor ein“.

Mit WhatsApp und Coaching hangelt sich das Team hinter „Bad Banks“ durch das Drehbuch der zweiten Staffel. Eine Methode, die in der vorherigen Staffel scheinbar schon gut funktioniert hat. Die ersten Kontakte kamen viel über den damaligen Regisseur Schwochow zustande, der den Zugang teils über eigene Recherchen in der Szene erlangt hatte. Davon profitiert das „Bad Banks“-Team noch immer – auch wenn inzwischen der Regisseur gewechselt hat.

Frauen in der Männerdomäne

Desiree Nosbusch, die in der Serie Liekams Ex-Chefin Christelle Leblanc spielt, bezeichnet den Dreh und die Vorbereitung „als die Bilderbuchvariante eines Jobs“. Im Gegensatz zu Beer, die sich junge Banker am Anfang ihrer Karriere anschaute, mischte sich Nosbusch unter Topbankerinnen, um die Bankenchefin möglichst authentisch zu spielen. Sie traf sich in New York und London mit erfolgreichen Frauen aus dem Finanzsektor.

Eine davon, sagt sie, sei praktisch die Vorlage für den Charakter in der Serie. Wer die reale Bankerin ist, verrät sie nicht. Nur so viel: „Diese Frau konnte mir wunderbar die Motivation meiner Figur erklären: die Gier nach Macht und die Panik vor dem Fall aus dem Karriererad.“ Die 54-Jährige lernte auch viel darüber, wie sich Frauen in der männerdominierten Finanzwelt zurecht finden. „Wenn ich Leblanc spiele, verändert sich meine Körperhaltung: Ich mache mich groß und meine Stimme geht etwas tiefer.“

„Eine Frau, die in den Etagen ganz oben mitreden will, muss das Frauliche, also das Sensible und Verständnisvolle vorher in sich unterdrücken“, sagt sie. Eine Herausforderung für die Schauspielerin: „Wenn ich abends die Perücke ausziehe, bin ich froh, dass ich so ein Leben nicht wirklich lebe.“

Darsteller Atsma hat aus den Dreharbeiten zusätzlich noch praktische Tipps für die eigene Geldanlage mitgenommen: „Wenn du dein Geld einsetzt, musst du bereit sein, diese Spielchen mitzuspielen und dich damit wirklich auseinandersetzen. Ich bin da zu naiv gewesen“, erklärt er. Deshalb habe er all seine Aktien nach Staffel eins verkauft und das Geld in Häuser investiert. Das sei sicherer.

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