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30 Rezensionen in Kurzform Die besten Wirtschaftsbücher der Buchmesse

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Gabriel, Spahn, Graeber, und warum wir die Welt falsch einschätzen

An dieser Stelle seien auch zwei Politikbücher erwähnt, weil sie für Wirtschaftsinteressierte spannend sind. Sigmar Gabriel ist nicht mehr Außenminister der Bundesrepublik, macht sich aber immer noch dieselben Gedanken – und hat Zeit genug, sie auf Papier zu bringen. Das lohnt sich für den Leser. In seinem Buch „Zeitenwende in der Weltpolitik“ (Herder Verlag) macht der SPD-Politiker deutlich, wie viel sich gerade tut und was alles erledigt werden müsste. Eine der vielen Thesen: „Wir müssen jetzt auf uns selbst aufpassen.“ Die Amerikaner werden uns nicht mehr beschützen. Und besonders aufpassen müsse die EU auf ihre Ostflanke. Damit meint er, mehr Soldaten an der Grenze zu Russland zu stationieren.

Im Rückblick spart Gabriel nicht mit Kritik – außer vielleicht an sich selbst. Ein Beispiel: „Man darf davon ausgehen, dass keine Bundesregierung zuvor, kein Kanzler von Adenauer über Brandt bis Schröder, so wenig Rücksprache mit unseren europäischen Nachbarn gehalten hat.“ Und nicht jedem dürfte bei seinen diversen Ratschlägen und To-do-Aufträgen der besserwisserische Ton gefallen, aber der hat Gabriel schon immer ausgezeichnet. Vieles von dem, was er sagt, ist ja auch nicht falsch. Dem Leser empfiehlt sich eine Lektüre mit spitzem Finger, aber dann bekommt er auch einen effektiven Überblick über das aktuelle Weltgeschehen.

Quelle: imago/Mike Schmidt
Der ehemalige Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) äußert in seinem Buch viele Ideen.
(Foto: imago/Mike Schmidt)

Gabriel war mal Vizekanzler – das wäre Jens Spahn zu wenig. Sein Ziel ist klar, der Ehrgeiz groß. Und nun hat das jüngste Kabinettsmitglied auch eine erste Biografie, die mit reichlich Blitzlicht im September vorgestellt wurde. Geschrieben hat sie mit Michael Bröker ein renommierter Journalist. Der Chefredakteur der „Rheinischen Post“ musste den Spagat meistern, intensiv zu recherchieren, aber nicht zu nah dran zu sein an Jens Spahn. Das gelingt überwiegend.
Der Autor hält Spahn für kanzlertauglich. Als wesentliche Konkurrentin sieht Bröker derzeit Annegret Kamp-Karrenbauer. Und dass Spahn ehrgeizig ist, kommt auf jeder Seite durch. Er hat sich gegen den Willen von Kanzlerin Angela Merkel ins Kabinett geboxt und steht dafür, die CDU wieder weiter nach rechts zu rücken. Die Biografie erzählt in schwungvollem Stil, den man gern liest, wie Spahn zum Gesundheitsminister wurde.
„Bekannt bin ich jetzt, beliebt muss ich noch werden“, hat Spahn kürzlich gesagt. Was da helfen könnte, ist die Doppelrollentaktik, auf die der Autor verweist: In fachfremden Themen gibt Spahn sich kontrovers und konservativ, bei der Gesundheitspolitik macht er das Populäre.

Im Frühjahr habe ich Hans Roslings Buch „Factfullness“ sehr gelobt, weil es anschaulich machte, warum die Menschen (vor allem in Deutschland) die Realität viel negativer wahrnehmen, als sie ist. Steven Pinker hat sich zeitgleich dasselbe Ziel gesetzt, ist aber noch viel tiefer gegangen. Nun ist sein Buch „Aufklärung jetzt!“ (S. Fischer Verlag) auf Deutsch erschienen. Bill Gates hält es für „mein absolutes Lieblingsbuch aller Zeiten“. Die „FT“ sagt: „Es strotzt nur so vor überraschenden Fakten und unterhaltsamen Anekdoten“, und die „Zeit“ urteilt: „Das Buch dürfte zur Bibel des faktengesättigten Optimismus werden.“
Das Lob ist nachvollziehbar, aber auch die Bibel hätte aus Sicht mancher Leser kürzer sein können, und sie enthält Aussagen, denen man nicht unumwunden zustimmen muss. Wenn Pinker bei Themen wie Gerechtigkeit oder Ökologie sagen will, dass die Debatten oft von den Menschen nicht so wahrgenommen werden, wie es die Fakten hergeben – dann stimmt das. Aber seine Darstellung ist dann andererseits bisweilen auch zu einseitig. Das muss der Leser einschätzen können für den maximalen Erkenntnisgewinn. Übrigens liefert sich Pinker mit Nassim Taleb illustre Wortgefechte – vornehmlich über Twitter. Taleb wirft ihm kurz gefasst vor, den Faktor Zufall bei statistischen Entwicklungen zu sehr zu ignorieren. Für Journalisten Pflichtlektüre, für Politiker allemal – und allen anderen sei gesagt: Es lohnt sich, einen Monat lang auf TV-Nachrichten und Social Media zu verzichten, um dieses Buch zu lesen.

Quelle: Andreas Fechner/laif
Thilo Bode blickt sehr skeptisch auf die Macht der Konzerne.
(Foto: Andreas Fechner/laif)

Wer zu einem Buch von Thilo Bode greift, bereut es in der Regel nicht, weiß aber, was ihn erwartet. Und so drischt der frühere Greenpeace-Geschäftsführer auch in seinem neuen Werk kräftig auf die Wirtschaft ein. In „Die Diktatur der Konzerne“ (S. Fischer Verlag) versucht der Foodwatch-Gründer zu belegen, wie global tätige Unternehmen die Demokratie zerstören wollen und den Menschen schaden. Die großen Firmen seien mächtiger als Staaten, diktierten Gesetze, zahlten keine Steuern und schädigten die Umwelt. Nichts von all dem ist falsch, und man darf den Autor dafür loben, diese Diskussion mit Nachdruck zu entfachen.
Aber die Frage bleibt: Was verallgemeinert Thilo Bode zu Recht, und wo macht er schlicht eine Ausnahme zur Regel? Und der Leser sollte sich stets fragen, was Thilo Bode weglässt: Argumente für die andere Seite. Beispiele, die seine These nicht stützen. Ein objektiver Journalist als Co-Autor hätte dieses Buch zu einem richtig guten machen können. Jemand, der das Altera-pars-Prinzip bedacht hätte: also auch mal die Beschuldigten zu Wort kommen lassen, um sich verteidigen zu können.

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