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30 Rezensionen in Kurzform Die besten Wirtschaftsbücher der Buchmesse

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Taleb, Lanier, McAfee und der Niedergang der Deutschen Bank

Adam Tooze schreibt in seinem Buch, dass die Deutsche Bank zuletzt von US-Gerichten abhängig war. Je nachdem, wie hoch die Strafe ausfiel, hätte sie Deutschlands größtes privates Geldhaus in Bedrängnis bringen können. Und dabei habe die Deutsche Bank doch über ein Jahrhundert lang die Wirtschaft hierzulande so stark nach vorn gebracht. Wie es dazu kommen konnte, dem hat sich Dirk Laabs umfangreich angenommen: Sein Werk „Bad Bank“ (DVA Verlag) erzählt präzise, wie die Deutsche Bank das große Rad drehen wollte, sich in unsauberen Geschäften verlor und krachend auf dem Boden der Tatsachen landete.

Der Journalist zeigt ausführlicher denn je, wie der frühere CEO Josef Ackermann den Händlern die Macht überließ und die Deutsche Bank dorthin geriet, wo sie heute ist. Dem geübten Handelsblatt-Leser ist vieles bekannt, aber Laabs hat seine Recherchen so weit ausgedehnt, dass Neues dazukommt. Das gilt vor allem für die Geschichte des Risikomanagers Bill Broekshmit, der zu einem der Protagonisten des Buchs avanciert. Nicht nur für Banker lesenswert, allein weil die Art und Weise, wie gegen Grundprinzipien der guten Unternehmensführung verstoßen wurde, in vielen Unternehmen auftritt.

Quelle: dpa
Reichlich dunkle Wolken über der Zentrale der Deutschen Bank

Der „Schwarze Schwan“ machte ihn weltberühmt, mit „Antifragilität“ könnte der Vorausahner der Finanzkrise nachlegen – jetzt hat Nassim Nicholas Taleb sein neues Buch herausgebracht. Und es wird zur Freude des Lesers reichlich gekeult in „Das Risiko und sein Preis“ (Penguin Verlag): Der Risikoforscher zeigt sich mal wieder als Enfant terrible der Wissenschaftlerzunft. Sein Schlachtbegriff „Skin in the Game“ handelt stark vereinfacht gesagt von der Frage, wie Menschen für ihr Handeln wirklich zur Rechenschaft gezogen werden können.

„Leben ist gleichbedeutend mit Opfer- und Risikobereitschaft, und nichts, das nicht einen gewissen Anteil von Ersterem enthält unter dem Zwang, Letzterem gerecht zu werden, kommt auch nur in die Nähe dessen, was wir als Leben bezeichnen könnten.“
Der unverwechselbare Schreibstil lässt den Leser bisweilen fragen, ob man so manches 30-Seiten-Kapitel nicht auch in wenigen Sätzen hätte zusammenfassen können. Aber Taleb schreibt nicht, um komplexe Sachverhalte zu vereinfachen, sondern um verborgene Symmetrien sichtbar zu machen. Er will unter anderem drei Schwächen behandeln: dass wir oft nicht die zweiten, dritten und vierten Schritte einer Handlung vorausdenken können. Dass wir zwischen multidimensionalen Problem und ihrer eindimensionalen Darstellung oft nicht unterscheiden können. Und dass wir zu sehr in Aktionen denken anstatt in Interaktionen.

Der „Economist“ wählte es zum Buch des Jahres 2017 – und auch das „Wall Street Journal“ sah in „Anbruch einer neuen Zeit“ (Hoffmann und Campe Verlag) das beste Buch des vergangenen Jahres. Nun ist es auf Deutsch erschienen. Ironischerweise ist der Autor Jaron Lanier hierzulande mit einem anderen Buch für den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis nominiert, nämlich mit „Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst“, über das wir im Frühjahr viel geschrieben haben. Dem Tech-Guru ist mit beiden Büchern ein großer Wurf gelungen, und lesen sollte man beide; „Anbruch einer neuen Zeit“ ist aber das wichtigere.
Wenn sich jemand als Virtual-Reality-Pionier bezeichnen darf, dann Lanier. Seit den 80er-Jahren forscht er an der Technologie. In dem Buch geht es sehr biografisch zu. Der Leser muss sich gedulden, bis er alles Wesentliche über VR erfährt. Aber auch diese Exkurse sind extrem lesenswert. Laniers Biografie ist atemberaubend spannend, und über das Silicon Valley erfährt man reichlich Neues. Pflichtlektüre für alle, die sich für die Zukunft interessieren.

Apropos Zukunft: Mit „The Second Machine Age“ haben sie einen weltweiten Bestseller abgeliefert und sind berühmt geworden – jetzt ist auch das nächste Buch von Andrew McAfee und Erik Brynjolfsson auf Deutsch erscheinen: „Machine, Plattform, Crowd“ (Plassen Verlag) ist jede Minute Zeitinvestition wert, auch wenn das Buch wohl nicht die Wirkung erzeugen wird wie sein Vorgänger. Die beiden MIT-Professoren beschreiben den Status quo der Digitalisierung anhand der drei Trends, die sich im Titel wiederfinden – zu Deutsch:

  1. Geist und Maschine
  2. Produkt und Plattform
  3. Core und Crowd

Im Kern geht es den beiden Autoren um die häufig gestellte Frage, welche Auswirkungen Technologie auf unser Leben hat. Doch sie sagen selbst, dass die Formulierungen in die Irre führen. Technologie sei auch in Zukunft nicht mehr als ein Werkzeug. Und „Werkzeuge entscheiden nicht, was mit Menschen passiert. Wir entscheiden.“ Sie schaffe den Menschen mehr Optionen, und es hängt an uns, diese möglichst gut zu nutzen. Bücher wie dieses helfen uns dabei.

Quelle: dpa
Der Investor Frank Thelen, bekannt aus "Die Höhle der Löwen", hat nun auch eine Autobiografie.

Für Investitionen in die Zukunft steht in Deutschland neben den Samwer-Brüdern und Frank Maschmeyer vor allem Frank Thelen. Nach der Lektüre von dessen Autobiografie „Frank Thelen“ (Murmann Verlag) fragt man sich allerdings, wer genau die Zielgruppe ist. Die Lebensgeschichte des Investors ist spannend, aber sie bietet kaum konkrete Lehren für junge Gründer. Deutschlandweit bekannt wurde Frank Thelen durch die TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“, wo junge Gründer pitchen und die „Löwen“ ihr eigenes Geld investieren, falls sie von den Geschäftsmodellen überzeugt sind.
Das Besondere an Frank Thelens Biografie ist, dass er mit Mitte 20 ganz unten angekommen war. Er hatte seine Firma an die Wand gefahren und war hochverschuldet. Doch er kämpfte sich da heraus, hatte neue Ideen und verdiente viel Geld, dass er nun in junge Firmen investiert. Thelen wirkt grundehrlich in dem Buch, weil er sich selbst immer beschimpft, also Fehler überaus offen eingesteht. Dennoch: Im Verkaufsranking ist das Buch höher, als es sein sollte im Vergleich zu den anderen in diesem Herbst veröffentlichten Werken.

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Keese, Harari, Foer und die Gefahren aus dem Silicon Valley
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