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30 Rezensionen in Kurzform Die besten Wirtschaftsbücher der Buchmesse

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Wie es um die Umwelt wirklich steht, und welche Gefahr uns von China droht

Wer das Thema Umwelt vertiefen möchte, sollte „Die große Transformation“ (S. Fischer Verlag) lesen. Geschrieben hat es Uwe Schneidewind. Und dem Präsidenten des Wuppertaler Instituts für Klima, Umwelt und Energie ist da wirklich ein 500 Seiten starker Überblick gelungen, der auch für normalsterbliche Leser einen idealen Mittelweg bietet zwischen Tiefe und Breite.
Der Autor ist ein realistischer Optimist und schreibt viel über Chancen. Wie viele in den vergangenen 30 Jahren vergeben wurden – sprich was rund um die Energiewende in Deutschland gerade alles schiefläuft –, spart er aus. Schneidewind erklärt, was jetzt nötig ist. Und das sind sieben Wenden: Konsumwende, Energiewende, Ressourcenwende, Mobilitätswende, Ernährungswende, urbane Wende und industrielle Wende. Was das Buch nicht leisten will, ist eine Detailanleitung zur Umsetzung jedes To-dos.

Im ersten Halbjahr haben Wolfgang Hirn und Stefan Baron exzellente Bücher über China und seine Unternehmen geschrieben – Letzterer ist mit „Die Chinesen“ auch für den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis nominiert. Nun hat Karl Pilny den Rahmen etwas breiter gesetzt und sich nicht nur China angeschaut, sondern auch die Nachbarn: Korea, Japan, Indien und die „Tiger“ Südostasiens. Der Wirtschaftsanwalt und Investmentexperte beschreibt, wie der Titel „Asia 2030“ (Campus Verlag) schon sagt, aber nicht nur den Status quo, sondern was der globalen Wirtschaft in Zukunft blüht.

Pilny sieht die Asiaten auf der Überholspur, und er begründet, warum wir im Westen das Nachsehen haben dürften. Das klingt objektiv und kritisch, und der Leser lernt auf vergleichsweise wenigen Seiten viel über die Länder. Kritikpunkt ist, dass Themen wie Menschenrechte, Werte und Moral nur gestreift werden – immerhin macht der Autor klar, wie die totale Überwachung der chinesischen Bürger vonstatten geht.

Handelsblatt-Redakteur Stephan Scheuer zur Vorstellung seines Buches "Der Masterplan".

Bei Pilny finden sich kaum warnende Worte über Chinas Wirtschaft – ganz anders bei Dirk Müller, der das Wirtschaftswachstum für gefaked hält und glaubt, dass in China eine Blase platzen könnte. Den vielleicht objektivsten Eindruck über das Land vermittelt Stephan Scheuer. Der Handelsblatt-Redakteur berichtete fünf Jahre aus Peking. Sein Buch heißt „Der Masterplan“ (Herder Verlag), und treffender könnte der Titel kaum sein. Denn in China ist alles geplant.

Google traute China nicht zu, dass Internet zensieren zu können – die Chinesen haben es geschafft. Ihre Firmen sind in einigen Bereichen zu Innovationstreibern geworden. Dies alles beschreibt Scheuer zugegeben nicht als Erster, aber stets mit einem direkten Bezug zum deutschen Leser: Was heißt das für uns? Was kommt auf uns zu? Was muss Europa tun? Bei all dem betont Scheuer kritisch distanziert, dass „noch längst nicht ausgemacht ist, ob das Großexperiment des Staatskapitalismus am Ende gelingt“.

Michael Hartmann gilt als ein streitbarer, aber profunder Elitenforscher. Diverse Bücher hat er darüber schon geschrieben, jetzt erschien „Die Abgehobenen“ (Campus Verlag). Der Professor für Soziologie neigt zu einer gewissen Polemik und bietet in seiner Argumentation durchaus Schwachstellen. Aber es spricht auch einiges für dieses Buch, das eine Fleißarbeit darstellt: Hartmann kennt sich sehr gut aus und vermittelt viele neue, zum Teil auch überraschende Informationen.
Der Autor beschreibt die Rückkehr des nach dem Zweiten Weltkrieg verpönten Begriffs Elite, als der Ostblock zusammenbrach. Seine These ist, dass es getrennte Lebenswelten gibt: Die Menschen hätten sich spätestens nach der Finanzkrise 2008 von der herrschenden Klasse und ihren Handlungen abgewendet. Die Mitglieder der Eliten würden ihre neoliberale Politik aber weiterhin für alternativlos halten. Diese Spannung führe auch zum Erstarken des Rechtspopulismus.

Ähnlich wie Michael Hartmann erheben auch Michael Hardt und Antonio Negri schwere Kritik am Neoliberalismus. Ersterer ist Literaturprofessor, Letzterer Politikwissenschaftler. Sie haben mit „Assembly“ (Campus Verlag) ein dickes Buch verfasst, das weltweit Furore gemacht hat und nun auch auf Deutsch erschienen ist. Es sei die Warnung erlaubt, dass die Lektüre nicht einfach ist: Bandwurmsätze, viele Fachbegriffe und ein Detailreichtum, der manchen Leser vom Wesentlichen ablenken könnte.
Aber die beiden Autoren sind genial darin, Themen wie Führung neu zu denken. Sie wollen Antworten auf die Frage finden, warum in zahlreichen Ländern weltweit politische Kräfte erstarken, die rechtsstaatliche Normen außer Kraft setzen und die Überwachung ihrer Bürger immer weiter ausbauen. Hardt und Negri zerlegen die komplexe Problematik rund um die Frage, ob Menschen selbst bestimmen können, wie sie miteinander kooperieren.

Kein Wirtschaftsbuch im strengen Sinn, aber die Integration von Migranten ist auch für jedes Unternehmen ein bedeutendes Thema. Ein sehr gutes Buch zu diesem Komplex hat der aus Funk und Fernsehen bekannte Psychologe Ahmad Mansour geschrieben. Sein Buch „Klartext zur Integration“ (S. Fischer Verlag) steht in der Bestsellerliste nur leider nicht – wie es sich gehören würde – weit vor dem neuen Buch von Thilo Sarazin.
Die Lektüre lohnt sich, weil Mansour sehr viel weiß und eine in diesen Zeiten selten gesehene Objektivität hereinbringt. Der arabische Israeli beurteilt den Islam genauso kritisch wie das Verhalten der deutschen Behörden. Er räumt mit Vorurteilen auf und verändert Blickwinkel. Vor allem aber munitioniert er den Leser mit Argumenten.

Sprenger, Multerer, Wehrle, und warum uns die Jugend nicht mehr versteht
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