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Buch Stalking, Wahlmanipulation, Trump-Sympathien: Dieses Buch enthüllt Facebooks dunkle Seiten

Zwei Reporterinnen der „New York Times" legen neue Interna aus dem mächtigen Techkonzern offen. Einblicke in ein zynisches Unternehmen.
13.07.2021 - 11:03 Uhr 1 Kommentar
Facebook is watching you: Jahrelang konnten Mitarbeiter private Nachrichten und Standortdaten von Nutzern einsehen Quelle: picture alliance / Fabian Strate
Facebook-Zeichnung an einer Hauswand

Facebook is watching you: Jahrelang konnten Mitarbeiter private Nachrichten und Standortdaten von Nutzern einsehen

(Foto: picture alliance / Fabian Strate)

Düsseldorf Stalkende Entwickler, frühe Hinweise auf Wahlmanipulation und Zuckerbergs Anbiederungsversuche bei Donald Trump: Zwei Reporterinnen der „New York Times“ legen in ihrem neuen Buch brisante Details aus dem Inneren von Facebook offen.

Für „Inside Facebook. Die hässliche Wahrheit“ haben Sheera Frenkel und Cecilia Kang nach eigenen Aussagen Interviews mit mehr als vierhundert Managern, Angestellten, Ex-Mitarbeitern und weiteren Menschen im Umfeld des Unternehmens geführt. Das Ergebnis ist eine Aneinanderreihung bekannter und bisher unbekannter Details, die Facebook am liebsten für immer geheim gehalten hätte.

Von Lesegenuss können nach der 384-Seiten-Lektüre eigentlich nur Zyniker sprechen. Fast nüchtern geht es um alle Maßnahmen, die Facebook zur Vergrößerung seiner Macht ergriff – und die Strategien, mit denen sie verschleiert werden sollten. Das stärkste Argument gegen den Kauf des Buches ist, dass die meisten potenziellen Leser die Facebookdienste selbst nutzen – und all das womöglich gar nicht wissen wollen.

Ingenieure konnten jahrelang die Nutzer stalken

Mit internen Dokumenten belegen die Autorinnen, dass Facebook intern lange ein hausgemachtes Stalking-Problem hatte: Mitarbeiter konnten private Nachrichten und Standortdaten von Nutzern einsehen. „Alles, was die Mitarbeiter davon abhielt, ihren Zugriff auf private Daten zu missbrauchen, war ihr Gewissen“, schreiben die Autorinnen.

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    Als Facebook-Chef Mark Zuckerberg im September 2015 von seinem neuen Sicherheitschef Alex Stamos auf das damit verbundene Sicherheitsrisiko hingewiesen wurde, hatten demnach 16.744 Facebook-Mitarbeiter Zugang zu solchen Daten.


    Ein neues Buch verrät Details über das Geschäftsgebaren des Facebook-Chefs. Quelle: AP
    Mark Zuckerberg

    Ein neues Buch verrät Details über das Geschäftsgebaren des Facebook-Chefs.

    (Foto: AP)

    Das Schlimmste sei, „dass innerhalb der vergangenen achtzehn Monate zwar Dutzende Angestellte wegen missbräuchlichen Datenzugriffs entlassen worden seien, Facebook jedoch nichts unternehme, um dieses eindeutig systemische Problem zu lösen oder zu vermeiden“, soll Stamos gesagt haben. Anhand eines Schaubilds habe er gezeigt, wie Softwareentwickler beinahe monatlich ihre Zugriffsrechte missbraucht hätten – etwa, um Datingpartnern hinterherzuspionieren.

    Gedacht war der Zugang jedoch, um die Entwicklung neuer Produkte zu begünstigen. Als Stamos vorschlug, nur noch 5000 Mitarbeitern Zugriff auf private Nutzerdaten und weniger als einhundert Menschen Zugriff auf Standort und Passwort zu geben, sei er auf Widerstand anderer Manager gestoßen. Schließlich setzte er sich bei Zuckerberg aber mit seiner Forderung nach systematischen Änderungen durch.

    Bloß kein Ärger mit Trump: Warum Facebook russische Hacker verschwieg

    Donald Trump war sein Amt als US-Präsident noch nicht einmal angetreten, als Facebooks Führungsriege von Russlands Manipulationsversuchen bei seiner Wahl erfuhr. Doch es sollte noch ein Dreivierteljahr dauern, bis Facebooks Kommunikatoren diese Erkenntnisse nicht mehr leugneten.

    „Verdammte Scheiße, wie konnte uns das durchrutschen?“, soll Zuckerberg gefragt haben, als Sicherheitschef Stamos ihm und weiteren Führungskräften am 9. Dezember 2016 eröffnete: Mit „mittlerer bis hoher Wahrscheinlichkeit“ hätten russische, staatlich finanzierte Akteure Facebook genutzt, um mit fragwürdigen Nachrichtenartikeln und gestohlenen Informationen den politischen Diskurs zu beeinflussen. Aus dem Handout von Stamos wird auch zitiert: „Wir gehen davon aus, dass sich unsere Belastung mit organisierten Desinformationskampagnen im Jahr 2017 noch verstärken wird.“

    Doch Facebook wollte es sich mit Donald Trump nicht verscherzen, enthüllen Frenkel und Kang. Die Angst vor dem neuen, unberechenbaren Präsidenten und Maßnahmen wider Facebooks wirtschaftliche Interessen waren demnach größer als das Pflichtgefühl gegenüber dem amerikanischen Volk.

    Tonangebend gewesen sein sollen dabei Elliot Schrage, Chef für Unternehmenspolitik und Kommunikation, und Joel Kaplan, der Facebooks Geschäftsmodell vor politischer Einmischung schützen sollte. „In Diskussionen mit Kollegen warfen sie den Punkt auf, dass durch eine verstärkte Aufmerksamkeit auf die Befunde des Sicherheitsteams auch die ungewollte Aufmerksamkeit der Abgeordneten im Kongress erregt werden könnte“, schreiben Frenkel und Kang.

    Als Alex Stamos im April darauf öffentlich über die Sicherheitsprobleme habe berichten wollen, sei er aufgefordert worden, einen Abschnitt über die russischen Hacker-Aktivitäten zu löschen. „Das Management hielt es für politisch unklug, das erste Tech-Unternehmen zu sein, das bestätigte, was US-Geheimdienste herausgefunden hatten“, schreiben die Reporterinnen und zitieren eine an den Debatten beteiligte Person mit den Worten, man habe sich „nicht in die Schusslinie bringen“ wollen.

    Mehr zum Thema: 

    Sheryl Sandberg: Im Fall Nancy Pelosi blieb sie still

    Die auch als „Deep Fake“ bezeichnete Aufnahme von Nancy Pelosi ist vielen in Erinnerung geblieben: In dem Video vom Mai 2019 lallt die Demokratin und Sprecherin des Repräsentantenhauses bei einem öffentlichen Auftritt plötzlich. Nutzer teilten den Clip tausendfach und kommentierten, sie sei verwirrt oder besoffen. In Wirklichkeit war jedoch die Redegeschwindigkeit technisch verlangsamt worden, um diesen Eindruck zu erwecken.


    Sheera Frenkel, Cecilia Kank: Inside Facebook: Die hässliche Wahrheit.
    S. Fischer
    Frankfurt 2021
    384 Seiten
    24,00 Euro

    Was danach im Büro von Pelosi und bei Facebook geschah, legen Sheera Frenkel und Cecilia Kang in ihrem Buch dar. Als Pelosis Mitarbeiter Facebook zum Löschen des Videos auffordern wollten, nahm demnach einfach niemand die Anrufe entgegen.

    Vielleicht auch, weil noch keine Entscheidung getroffen war. Es spreche viel dafür, „das Video auf der Grundlage der Regeln gegen Falschinformationen zu entfernen“, soll Sheryl Sandberg, Chefin für das operative Geschäft bei Facebook, bei internen Debatten gesagt haben. Aber Zuckerberg blieb auf dem Standpunkt, „gegenüber der Politik neutral zu bleiben“. Oder besser: sich bloß nicht erneut dem Vorwurf der Republikaner auszusetzen, auf der falschen Seite zu stehen.

    Sandberg soll dagegen zwar nichts weiter unternommen haben. Die Entscheidung fiel trotzdem erst zwei Tage nach Auftauchen des Videos: Es blieb online, und weder Zuckerberg noch Sandberg hätten den Rat ihrer Lobbyisten befolgt, sich Pelosi zu erklären.

    „Hier zählt nur eine Meinung“, soll die nominelle Nummer zwei des Konzerns mehrfach zu Mitarbeitern in dem Fall gesagt haben. Formal gilt das bei Facebook ohnehin. Nur wenige Menschen dürften bisher aber gewusst haben, wie machtlos sich Sandberg intern in vielen Fragen wirklich sieht, wenn es um andere Dinge als Werbeprofite geht.

    Nach der umstrittenen Zuckerberg-Rede an der Georgetown University in Washington soll Sandberg einem wütenden Berater vorgeschlagen haben, sich an Kommunikationschef Nick Clegg und andere zu wenden, „die vielleicht mehr Einfluss auf Zuckerbergs Denken hätten“.

    Geschenke für Trump: „Herr Präsident, Sie sind der größte Facebook-Star"

    Um die Beziehungen zum US-Präsidenten zu verbessern, arrangierten Joel Kaplan und Investor Peter Thiel im September 2019 ein Treffen zwischen Trump und Zuckerberg im Weißen Haus. „Ziel der Unterredung war, Trumps Feindseligkeit gegenüber Facebook zu neutralisieren, weshalb Zuckerberg eine Art Geschenk mitbrachte“, schreiben die Autorinnen.

    Der Facebook-Chef schmeichelte dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump, um dessen Feindseligkeit gegenüber Facebook zu neutralisieren. Quelle: Reuters
    Mark Zuckerberg vor einer Amerikaflagge

    Der Facebook-Chef schmeichelte dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump, um dessen Feindseligkeit gegenüber Facebook zu neutralisieren.

    (Foto: Reuters)


    Er schmeichelte dem Präsidenten demnach mit internen Statistiken, denen zufolge der Präsident „die meisten Interaktionen aller politischen Führer“ auf Facebook vorweisen konnte. Das soll die Stimmung des Präsidenten, der damals 28 Millionen Follower hatte, sichtbar aufgehellt haben.

    Auch inhaltlich sei Zuckerberg bestens vorbereitet worden, um beim Präsidenten zu punkten. Stichwort Handelskrieg mit China: Trump hatte zuvor die chinesischen Telekommunikationsanbieter Huawei und ZTE vom US-Markt ausgeschlossen. „Als sich eine Chance ergab, meldete sich Zuckerberg zu Wort und stimmte eifrig zu“, heißt es in Frenkels und Kangs Buch: „Die Verbreitung von Chinas staatlich gefördertem Tech-Sektor bedrohte Amerikas Vormachtstellung bei Innovation und Technologie, waren sich die beiden Herren einig. Die einstündige Unterredung endete in freundlicher Stimmung.“

    Der „nettere News Feed“: Im Notfall kann Facebook auch anders

    Wer sich schon näher mit Facebooks Algorithmen befasst hat, dürfte sich vor allem für Frenkels und Kangs Erkenntnisse zum News Feed interessieren. Das ist der Bereich auf Facebook, in dem Nutzer fortlaufend neue Beiträge von ihren Freunden, Freundesfreunden und Nachrichtenseiten angezeigt werden.

    Nach außen proklamiert Facebook stets, für Inhalte auf seinen Plattformen keine Verantwortung zu haben. Doch als am Wahlabend 2020 klar wurde, dass noch tagelang ungewiss sein würde, ob Trump oder Herausforderer Joe Biden gewonnen hatte, wurde durchaus an der Zusammenstellung geschraubt.

    „Am Tag nach der Wahl gab es ein virtuelles Meeting mit Zuckerberg, in dem ihn das Team aufforderte, neue Notfallmaßnahmen zu genehmigen“, schreiben Frenkel und Kang. Beim News Feed sollte Facebook demnach die hauseigenen Algorithmen so anpassen, dass die Leute mehr Inhalte aus Qualitätsmedien sehen würden als Falschnachrichten oder Verschwörungstheorien.

    Quasi über Nacht wurde Facebook so ein „weniger spalterischer Ort“. Ein Mitglied des Wahlteams erzählte den Autorinnen: „Wir fingen an, es ,der nettere News Feed' zu titulieren.“ Mehrere Leute hätten gefragt, ob man es dabei nicht belassen könne. Doch ein wichtiges Argument sprach dagegen: Die Nutzer verbrachten weniger Zeit auf der Plattform. Nach nur fünf Tagen regierte bei Facebook wieder der Geschäftssinn.


    Mehr: Mehr Transparenz, mehr Kooperation: So wehrt sich Facebook gegen Manipulation vor Wahlen.

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    1 Kommentar zu "Buch : Stalking, Wahlmanipulation, Trump-Sympathien: Dieses Buch enthüllt Facebooks dunkle Seiten "

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    • Diesen Konzern sollte man meiden, wo immer es geht. Jeder der jetzt sagt, dass er kein Facebook oder Instagram nutze: auch Whatsapp gehört zu diesem Imperium. Deshalb zu sicheren, seriösen Alternativen wechseln, z.B. zu Signal, das sogar von Edward Snowden oder der EU-Kommission zur sicheren Kommunikation empfohlen wird. Wenn sogar Facebook-Chef Zuckerberg Signal nutzt, sollte das alles sagen.

      Alle großen US-Tech Giganten sind Monopolisten und Datenkraken immensen Ausmaßes. Statt zu googlen kann man auch weitere Suchmaschinen wie DuckDuckGo.com nutzen (meine persönliche Empfehlung), und statt Gmail einen deutschen Email-Dienst nutzen. Aber wenn der Großteil der Nutzer nicht wechselt, die Einen aus Unwissen, die Anderen aus Ignoranz und Gleichgültigkeit, dann braucht sich niemand wundern, wie brandgefährlich, groß und mächtig diese paar Konzerne geworden ist. Von den Konzernen Google, Amazon, Microsoft und Apple ist nun mal Facebook derjenige, der sein wahres Gesicht dauerhaft entblößt, weshalb ich es für fahrlässig halte, diese Giganten weiterhin mit unseren Daten und Geldern zu füttern.

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