Buchrezension „Der Milliarden-Joker“ Ein Masterplan zur Rettung der Welt – leider mit einem Haken

Ökonom Franz Josef Radermacher erklärt in seinem Buch, wie die Weltgemeinschaft der Klimakatastrophe entgehen könnte. Leider liegt die Betonung auf „könnte“.
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Die Superreichen dieser Welt könnten bis 2050 500 Milliarden Tonnen CO2 einsparen. Quelle: dpa
Klimagasemissionen

Die Superreichen dieser Welt könnten bis 2050 500 Milliarden Tonnen CO2 einsparen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer Klimawandel ist DIE Herausforderung der heutigen Zeit – und wir sind im Begriff, den Kampf zu verlieren. Mit seinem Buch „Der Milliarden-Joker“ will der studierte Mathematiker, Ökonom und Informatikprofessor Franz Josef Radermacher einen Ausweg aus der globalen Erwärmung aufzeigen – und lässt den Leser am Ende doch voller Wut und Verzweiflung zurück.

Auf fast 300 Seiten rechnet Radermacher vor, was getan werden muss, damit der Anstieg der globalen Temperatur doch noch unter zwei Grad verbleibt. In den Fokus nimmt er die sogenannten „Top Emitters“. Das sind die ein bis zwei Prozent der Bevölkerung, die fast die Hälfte des gesamten Weltvermögens besitzen, und gleichzeitig verantwortlich für die meisten CO2-Emissionen sind.

Sie könnten im Alleingang einen wesentlichen Teil des Klimaproblems lösen, indem sie bis 2050 500 Milliarden Tonnen CO2 einsparen, rechnet der Autor vor. Die Lösung sieht so aus: „Nichtstaatliche Akteure kompensieren zusätzlich zu allen gesetzlichen Vorgaben freiwillig und auf eigene Kosten ihre Klimagasemissionen über hochwertige CO2-Kompensationsprojekte in Nicht-Industrieländern.“ Kosten: 500 Milliarden Euro pro Jahr.

Die „Top Emitters“ sind also der sprichwörtliche Milliarden-Joker, den wir jetzt brauchen. Damit der Joker sticht, fordert Radermacher eine global vernetzte Gesamtlösung. Die Staatengemeinschaft habe viel zu lange zu wenig unternommen – jetzt sind die Reichen dran.

Die wohlhabenden Einwohner und Unternehmen in Industrieländern wie Deutschland sollen nicht nur selbst Emissionen einsparen, sondern freiwillig Maßnahmen zu Reduktion und Vermeidung von Treibhausgasen in ärmeren Ländern finanzieren. Radermacher bezeichnet das als „bilanzielle Klimaneutralität“.

Das könnte über CO2-Zertifikate, massive Aufforstung oder die Verhinderung von Emissionen funktionieren. Ein Beispiel: 2007 bot der ecuadorianische Präsident Rafael Correa den Industrienationen an, er würde 850 Millionen Fass Öl im Boden lassen, wenn die westlichen Staaten die Hälfte der entgangenen Einnahmen zahlten. Es wären 400 Millionen Tonnen CO2-Einsparung für 3,6 Milliarden Dollar gewesen.

Franz Josef Radermacher: Der Milliarden-Joker
Murmann Verlag
Hamburg 2018
283 Seiten
26 Euro
ISBN: 978-3867746120

Nach langen Diskussionen scheiterte das Vorhaben, auch der damalige deutsche Entwicklungsministers Dirk Niebel hatte daran Anteil. Seine Begründung: „Ich bezahle nicht dafür, dass etwas nicht passiert.“ Genau das aber wäre die einzige Lösung, argumentiert der Autor. Sein radikaler Ansatz beschreibt die Grundzüge einer ökosozialen Marktwirtschaft, in der es Klimaschutz nicht auf Kosten des Wirtschaftswachstums ärmerer Länder geben darf.

Das entscheidende Wort ist „freiwillig“

Die Krux an Radermachers Plan hängt dabei an nur einem Wort: „freiwillig“. „Es müssen diejenigen handeln, die dies aus Gründen der Gerechtigkeit tun sollten. Die Hauptverursacher“, fordert er. Schon um ihre Vermögenswerte und damit ihren eigenen Lebensstil zu retten, dem Prinzip des aufgeklärten Egoismus folgend.

Wenn es nur so einfach wäre. Schließlich weiß die Weltgemeinschaft schon lange von der Gefahr des Klimawandels. Immerhin finden sich im Buch aber auch Personen und Unternehmen, die mit gutem Beispiel vorangehen. Es tut sich was – nur leider viel zu wenig.

„Der Milliarden-Joker“ ist ein akribisch ausgerechneter Masterplan mit bestechender Logik und einem fast schon verzweifelten Appell an die Fähigkeit des Menschen, das Richtige zu tun. Doch weil Appelle selten zu Verhaltensänderungen führen, fragt sich der frustrierte Leser am Ende, ob der kluge Professor nicht auch einen Joker für die Umsetzung im Ärmel hat

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