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Buchrezension Eine faszinierende Reise durch die Schneelandschaften

Der Bildband „Schnee“ des österreichischen Alpinfotografen Peter Mathis beschreibt die weiße Pracht in ihrer Schönheit und auch Gefährlichkeit.
30.01.2021 - 08:59 Uhr Kommentieren
In solchen Bildern wird der Bildband zum Märchenbuch des weißen Goldes. Quelle: Peter Mathis Photography
Tiefschneefahrt

In solchen Bildern wird der Bildband zum Märchenbuch des weißen Goldes.

(Foto: Peter Mathis Photography)

Brüssel Wie eine Pyramide erscheint aus der Ferne die Höferspitze. Dutzende von pechschwarzen Lawinensperren bedecken den steilen Gipfel der Allgäuer Alpen an diesem nebeligen Tag. Der von den Marketingexperten gepriesene Aussichtsberg mit grandiosem Blick ins Kleinwalsertal wird zum Monument der alpinen Industrialisierung in einer schwarzen-weißen Welt: abweisend, kalt und verlassen.

Der österreichische Alpinfotograf Peter Mathis klagt in seinem eindrucksvollen Fotoband mit dem schlichten Titel „Schnee“ nicht plakativ die Folgen des winterlichen Fremdenverkehrs an. Der zurückhaltende Vorarlberger ist keiner, der auf solch plakative Effekte und vordergründige Kritik in seiner Schwarz-Weiß-Fotografie setzt. Mit der Ästhetisierung der touristischen Vergewaltigung des Berges legt er vielmehr die Wunden des alpinen Freizeitparks auf eine bedrückend schöne Weise offen.

Der Bildband ist daher keine Anklage gegen den Massentourismus zwischen Alaska und Allgäu. Mathis nähert sich seinem Sujet in erster Linie mit einem ungewöhnlichen Blick für das Schöne und Wahre im eigentlichen Sinn des Wortes.

Die sanften Wölbungen in den Appenzeller Alpen lässt der Fotograf wie außergewöhnliche Aktfotografien erscheinen. Schneebedeckte Wasserflächen im Bregenzerwald werden mit ihren Formen zu Pop-Art-Grafiken in Schwarz-Weiß. Gefrorene Blumen mit schneebedeckten Köpfen erscheinen wie Nagel-Kunstwerke von Günther Uecker.

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    Peter Mathis nimmt in seinem „Schnee“-Buch den Betrachter auf eine faszinierende Reise durch die Schneelandschaften in Europa und Nordamerika. Auf seinen Bildern gibt es keine Sonne oder gar einen Bilderbuchhimmel. Die Menschen, die in den Fotografien eher selten auftauchen, sind ohnehin nur Statisten. Sie vergrößern lediglich die Grandiosität der schneebedeckten Natur.

    Nur an wenigen Stellen blitzt der frühere Brotberuf von Peter Mathis – die Werbefotografie – noch durch. Da stürzt ein Skifahrer im Tiefschnee die Hänge des Lechquellgebirges hinab, ein anderer schwebt bei einem Sprung scheinbar schwerelos über dem Schnee. An diesen Stellen wird der Band zum Märchenbuch des weißen Goldes.

    Ins Gelände bringt Peter Mathis vor allem große Ruhe und unendliche Geduld mit. Quelle: Peter Mathis Photography
    Auf dem Berg

    Ins Gelände bringt Peter Mathis vor allem große Ruhe und unendliche Geduld mit.

    (Foto: Peter Mathis Photography)

    Früher lebte der im österreichischen Hohenems lebende Kunstfotograf von der Werbung. Noch heute fotografiert er hier und da für das legendäre Wintermodelabel Bogner oder den deutschen Skihersteller Völkl. Das sind nur Nebengeschäfte. Die Bilder von Peter Mathis hängen in wichtigen staatlichen Sammlungen. Seine Galerie in seiner Heimatstadt Hohenems ist längst zum Wallfahrtsort für Freunde der alpinen Fotografie avanciert.

    Zu seiner Kunst kam der gelernte Schreiner über Umwege. Mathis, Jahrgang 1961, war ein begeisterter Kletterer und später Sportfotograf. Sein Durchbruch in der Landschafts- und Naturfotografie gelang ihm mit dem renommierten Hasselblad Master Award im Jahr 2007. Seine legendären Bilder aus den Dolomiten, seinem Lieblingsgebirge in den Alpen, sind heute längst zu Ikonen der Südtiroler Landschaft geworden.

    Seine frühere extreme Sportlichkeit kommt Mathis bis heute zugute. Die fast 20 Kilogramm schwere Ausrüstung aus Mittelformatkamera und Stativ schleppt der Fotograf mit dem Rucksack in mühevollen Märschen auf den Berg – besonders gern bei widrigen Wetterumständen. Ins Gelände bringt er vor allem große Ruhe und unendliche Geduld mit. Mathis ist ein Fotograf, der für das richtige Licht bis zur Schmerzgrenze – im wahrsten Sinn des Wortes – warten kann.

    Mathis nähert sich seinem Sujet in erster Linie mit einem ungewöhnlichen Blick für das Schöne und Wahre im eigentlichen Sinn des Wortes. Quelle: Peter Mathis Photography
    Spiel von Licht und Schatten

    Mathis nähert sich seinem Sujet in erster Linie mit einem ungewöhnlichen Blick für das Schöne und Wahre im eigentlichen Sinn des Wortes.

    (Foto: Peter Mathis Photography)

    Notfalls übernachtet er im Gelände trotz extremer Kälte und schlechter Windverhältnisse. Sein Antrieb ist die Hoffnung auf bessere Lichtverhältnisse. Diese Motivation zahlt sich aus, wie sein neuestes Buch eindrucksvoll zeigt.

    Bescheiden sagt er, dass er mit seinem Buch Lust auf Schnee machen wolle. Das ist natürlich eine Untertreibung. Tatsächlich eröffnet Peter Mathis dem Betrachter einen unerwarteten und neuartigen Blick darauf, was eine unendliche Zahl mikroskopisch kleiner Kristalle aus einer Berglandschaft – teilweise mit Menschen und Technik – schaffen kann. Genau das macht das Buch „Schnee“ zu einer faszinierenden und schönen Erfahrung.
    Buch: Peter Mathis: Schnee, Prestel-Verlag, 190 Seiten, 50 Euro.

    Mehr: Exzesse vor der Kamera: Ein Tiroler Fotograf hält Ischgl den Spiegel vor

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