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Buchrezension Provokant, laut und schrill: Marc Friedrich inszeniert sich erneut als Crash-Prophet

Auf den „größten Crash“ folgt die „größte Chance“: Sein Hang zum Dramatischen machte Marc Friedrich zum Bestsellerautor. Aber steckt auch Substanz dahinter?
23.05.2021 - 08:10 Uhr 5 Kommentare
Der Autor schafft es mit Krisen, Crash und Untergangsszenarien in die Bestsellerlisten. Quelle: Marc Friedrich
Marc Friedrich

Der Autor schafft es mit Krisen, Crash und Untergangsszenarien in die Bestsellerlisten.

(Foto: Marc Friedrich)

Düsseldorf Der Titel klingt optimistisch, führt aber in die Irre: „Die größte Chance aller Zeiten“. Der Autor, Marc Friedrich, der es schon mit „Der größte Crash aller Zeiten“ in die Bestsellerlisten gebracht hat, geriert sich erneut als Crash-Prophet.

Wieder sieht er für unser Wirtschafts- und Finanzsystem keine Hoffnung, prophezeit den Kollaps des Euros und einen allumfassenden Crash samt Bargeldverbot, Inflation und Hyperinflation, der ein Staatsbankrott folgt, und das Ende der Globalisierung. Es geht um nicht weniger als den Beginn einer neuen Zeitrechnung.

Friedrich verfolgt damit ein simples Prinzip: Untergangsszenarien verkaufen sich umso besser, je dramatischer sie präsentiert sind und je mehr schlechte Nachrichten die entsprechenden Emotionen freisetzen. Aufmerksamkeit um jeden Preis: Das ist das Erfolgsmodell, um es in die Bestsellerlisten unter anderem von „Bild“, „Stern“ und „Spiegel“ zu schaffen. Friedrich ist da nicht der Einzige.

Doch wie viel Substanz steckt wirklich in einem solch reißerischen Werk? Um es direkt zu sagen: Es gibt auch Gutes.

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    Schon der erste Satz „Krisen sind wichtig, Krisen sind Chancen“ macht Lust auf mehr. Prägnant fasst Friedrich die Corona-Pandemie zusammen, in der uns schmerzhaft bewusst wurde, wie fragil unser hochkomplexes und fortschrittliches Wirtschafts- und Finanzsystem gespannt ist. Produktions- und Lieferketten brachen zusammen. Die Klumpenrisiken sind groß, und die hochentwickelte Menschheit in den Industrieländern hat sich in gefährliche Abhängigkeiten manövriert.

    Marc Friedrich: Die größte Chance aller Zeiten.
    Finanzbuch Verlag
    München 2021
    284 Seiten
    22 Euro

    Sogleich spannt Friedrich den großen Krisenbogen aus Konjunkturpaketen und billionenschweren Stützungsprogrammen der Notenbanken samt kopflos-aktivistischen und überforderten Politikern.

    Seine schon in vergangenen Büchern typische Schlussfolgerung lautet: So bitter es auch sein mag, aber alles Gewohnte wird es nicht mehr geben, sondern sich für immer verändern – wie wir arbeiten, uns fortbewegen, wie und was wir einkaufen, wie wir reisen, denken, leben, bezahlen, investieren und produzieren.

    Und wer weiß auf so viele Verunsicherungen und Ungewissheiten die passende Antwort? Marc Friedrich. „Ich will Ihnen in diesem Buch eine Anleitung an die Hand geben, wie die Zyklen funktionieren, wo wir stehen, wie Sie sich positionieren können und wie Sie sich finanziell, aber auch mental auf das Kommende vorbereiten können.“

    Kurzum: Friedrich erklärt die immer kompliziertere Welt – und er führt uns in Teil zwei auch noch gleich zu Wohlstand: mithilfe lukrativer Finanztipps.

    Sein Ausweg lautet: kein Bargeld, keine Anleihen, keine Aktien, denn auch Wertpapiere sind bei einer Bank nicht sicher. Stattdessen: Edelmetalle, Rohstoffe, Bitcoin – „die größte Investmentchance“. Wie volatil aber gerade die Kryptowährung Bitcoin sein kann, haben die Anleger in den vergangenen Tagen erst erlebt.

    In dieser Einfachheit liegt der Verkaufserfolg. Alles ist schwarz-weiß, Grautöne und Abwägungen gibt es nicht. Alles kommt übertrieben und aufgebauscht daher. Doch wer glaubt, hier schreibe jemand, der von Wirtschaft und Finanzen keine Ahnung habe, täuscht sich gewaltig.

    Der Rohstoff-Superzyklus und das Shiller-KGV sind Friedrich ebenso wenig fremd wie Optionen, Futures und das Gold-Ratio. Geschickt spannt er den Bogen, wie eine Krise in die nächste greift: Finanz-, Euro-, Flüchtlings-, Klima-, Demografie- und Schuldenkrise – und als Brandbeschleuniger nun die Coronakrise.

    Übersteigertes Selbstbewusstsein

    Keineswegs liegt Friedrich mit all seinen Analysen daneben, wenn es um Staatsschulden, dauerhaft niedrige Zinsen, ETFs und Bitcoin geht. Auch seiner Prognose eines zunehmenden Vertrauensverlusts in Papiergeld und dass die Notenbanken bald ihre Munition verschossen haben, lässt sich durchaus folgen.

    Aber immer dominiert der Hang zum Dramatischen. Der sich im Klappentext selbst als „Deutschlands erfolgreichster Sachbuchautor“ bezeichnende Autor erliegt einem penetranten, sich über das ganze Buch ausweitenden übersteigerten Selbstbewusstsein. Der Ausbruch der Pandemie kam für ihn nicht überraschend, sondern als erwartbare und programmierte Krise – er will es vorher gewusst haben.

    Noch mehr stören reißerische, durch nichts bewiesene Verschwörungstheorien. Etwa, dass der Bundestag die Steueridentifikationsnummer zur einheitlichen Bürgernummer deshalb umgesetzt haben könnte, damit künftig 51 verschiedene Behörden auf die verknüpften Daten zugreifen können. „Jetzt ist jeder Bürger komplett gläsern und der feuchte Traum der Stasi somit Wirklichkeit geworden“, schlussfolgert Friedrich.

    Am Ende bleibt die Erkenntnis: ein lautes, schrilles, aber wenig hilfreiches Buch.

    Mehr: Geldanlage in Corona-Zeiten - Worauf es für Börsianer jetzt ankommt

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    5 Kommentare zu "Buchrezension: Provokant, laut und schrill: Marc Friedrich inszeniert sich erneut als Crash-Prophet"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Korrektur, ein Schreibfehler hat sich eingeschlichen, es muss Seigniorage heißen. Als Seigniorage (ausgesprochen [zɛnjoˈraːʒ(ə)]) oder Geldschöpfungsgewinn nennt man den von der Zentralbank erzielten Gewinn, der durch die Emission von Zentralbankgeld entsteht.

    • Die Erfahrungen in Argentinien, die Herr Friedrich machen musste, als von einem Tag auf den anderen das dortige Geld seinen Wert verlor, sitzen anscheinend tief. Argentinien hat sich damals von den Neo-Liberalen, den damaligen Heilsbringern, leichtfertig einreden lassen, man müsse die argentinische Währung an den Dollar koppeln. Purer Unfug, wie sich herausgestellt hat. Herr Markus Krall ist ähnlich prophetisch unterwegs, Herr Florian Homm eher gemäßigt. Manche Volkswirtschaftler sind der Meinung, ihr Fach sei harte Wissenschaft, wobei es jedoch eher eine Sozialwissenschaft ist. Erfreulich bei den vorgenannte ist, dass sie einem Publikum die Geld-Theorien bekannt gemacht haben. Millionen Menschen wissen nun mehr über das Schöpfgeldsystem der privaten Banken und das der Zentralbanken, ja das Volk kennt bald das sog. theoretische Senioragekaptial der EZB, der Fed, der BoJ, der BoE usw. Dies hat Auswirkungen auf die Politik. Kommentare heutiger Politiker lassen erkennen, dass sie davon ausgehen, das Volk verstehe immer noch nicht das Schöpfgeld-System. Menschen, die das Schöpfgeldsystem nun verstanden haben, werden diese Verheimlichungs-Politiker in die Wüste schicken. Hinsichtlich der Finanzierung künftiger Staatsaufgaben werden so aus dem Volk Millionen von Stimmen laut werden, die das Schöpfgeld-System verstanden haben. Dies ist das Verdienst der Crash-Propheten, sie bringen neue Spannung in die Diskussion, echt finanz-sexy.

    • BLEIBT DIE FRAGE. WER DAS BUCH GESCHRIEBEN HAT.... ZU 90% SIND BÜCHER MITTLERWEILE VORGESCHRIEBEN....

      ALLES INHALTSLOSER BLÖDSINN....

      SO TOLL SIEHT ER JA NUN AUCH NICHT AUS... UND, DIESE TYPEN SCHREIBEN GERNE BÜCHER, UM ZU IMPONIEREN... DIE FRAUEN, WELCHE IMPONIERT WERDEN SOLLEN... INTERESSIEREN SICH JEODCH EHER FÜR ANDERE SACHEN.....

      VIEL GLÜCK MIT DEM BUCH:)))

    • ich verfolge schon seit ca 5 Jahren die und den Herrn. Der Partner ist ausgestiegen. Es wurde noch vor 3 Jahren von ihnen empfohlen Wald zu kaufen. Wie es heute Waldbesitzern ergeht ist allgem. bekannt.! Es wurde empfohlen Whisky, Cognac usw. zu kaufen. Das brachte keine wesentliche Wertsteigerungen. Ich habe meine Wertpapiere weiter laufen lassen und schlafe heute auf einem gutem Polster ohne Borkenkäfer und Alkoholleber. Also von diesem Buch profitiert vor allem der Schreiber aber es ist vorwiegend heiße Luft. Also wer es wissen will blad gibt es gebr. Exemplare beim Secondhand. Es sind keine Bücher fürs Regal.

    • Der Typ sollte sich mal eine anständige Arbeit suchen, bei der er was volkswirtschaftlich sinnvolles macht. Seine pseudowissenschaftlichen Bücher sind für mich reine Sensationshascherei.

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