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Buchrezension: „Regieren“ Thomas de Maizière und sein Nummer-sicher-Buch

Der Ex-Minister führt in seinem Buch in den Maschinenraum der Macht. Wirklich spannend ist aber nur die Auseinandersetzung mit Horst Seehofer.
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Im vierten Kabinett Merkel musste de Maizière seinen Posten als Bundesinnenminister räumen. Diesen übernahm dann Horst Seehofer. Quelle: Reuters
Ex-Minister Thomas de Maizière

Im vierten Kabinett Merkel musste de Maizière seinen Posten als Bundesinnenminister räumen. Diesen übernahm dann Horst Seehofer.

(Foto: Reuters)

BerlinThomas de Maizière war zwölf Jahre lang der Fleißarbeiter der Bundespolitik. Er fungierte als Krisenmanager und Allzweckwaffe, leitete das Kanzleramt, das Innen-, das Verteidigungs- und schließlich wieder das Innenministerium, stets verlässlich, stets loyal. De Maizière war Merkels Steinmeier. Der sozialdemokratische Parteisoldat Frank-Walter Steinmeier vollendete seine Politikerlaufbahn mit dem Einzug ins Schloss Bellevue.

Die Ministerkarriere des Christdemokraten de Maizière dagegen nahm ein bitteres Ende. Im vierten Kabinett Merkel war kein Platz mehr für ihn. Um die Statik der mühsam ausgehandelten Koalition von CDU, CSU und SPD nicht zu gefährden, opferte die Kanzlerin 2018 ihren engen Vertrauten. Ausgerechnet Horst Seehofer nahm de Maizières Platz ein. Ausgerechnet Seehofer, der auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise meinte, eine „Herrschaft des Unrechts“ anprangern zu müssen, und damit auf de Maizière zielte.

Für de Maizière war Politik immer die Kunst der Fehlervermeidung, meistens gelang es ihm. Auch sein Buch ist ein Nummer-sicher-Buch. Der Autor öffnet sich nicht, enthüllt kaum etwas, will erklären. Schon der Titel lässt trockenen Stoff erahnen: „Regieren. Innenansichten der Politik“. Hier führt ein Technokrat in den Maschinenraum der Macht.

Das ist nicht immer aufregend, aber es hat einen gewissen Wert. De Maizière entmystifiziert die Politik, indem er die Banalität des Ministeralltags beschreibt. Etwa, wenn er sich über Newsletter beklagt, „die inzwischen die Posteingänge der E-Mail-Adressen so verstopfen, dass sie kaum noch zur Kenntnis genommen werden“.

Thomas de Maizière: Regieren – Innenansichten der Politik
Verlag Herder
2019
256 Seiten
24 Euro
ISBN: 978-3-451-38329-8

Der Name Seehofer fällt auf 252 Seiten kein einziges Mal. Doch in den spannendsten Passagen arbeitet sich de Maizière an seinem Nachfolger ab. Das gilt nicht nur für die seit Tagen diskutierten Kapitel, in denen de Maizière auf den Flüchtlingsherbst 2015 zurückblickt und sich gegen „ehrabschneidende“ Äußerungen aus Bayern wehrt. Auch de Maizières Schlusskapitel, in dem er Tipps für „gutes Regieren“ gibt, muss als Kritik an Seehofer gelesen werden.

Ein Minister, schreibt de Maizière, müsse sein Ministerium als „Basisstation des politischen Handelns“ begreifen. Und: „Als Minister gilt es, die Kultur, die Traditionslinien eines Ministeriums zu erspüren.“ De Maizière ist natürlich nicht entgangen, dass Seehofer mit seinem Ministerium fremdelt. Absprachen mit anderen Häusern klappen häufig nicht, immer wieder taucht der Minister ab, ist auch für enge Mitarbeiter nicht zu erreichen. Viele Beamte vermissen die Verlässlichkeit seines Vorgängers.

Den ganz großen Wirbel aber will der Ex-Minister vermeiden, den Koalitionsbetrieb nicht stören. Dafür ist er zu loyal. Als Minister war dies seine große Stärke, als Autor ist es womöglich seine größte Schwäche.

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