Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Buchrezension Warum sich Aktionäre, Aufseher und Politiker von Wirecard blenden ließen

Zwei Autoren der „Wirtschaftswoche“ haben den größten Finanzskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte akribisch recherchiert. Ihr Buch liest sich wie ein Krimi.
14.11.2020 - 09:57 Uhr Kommentieren
In 17 Kapiteln beschreiben Melanie Bergermann und Volker ter Haseborg Aufstieg und Fall des Finanzdienstleisters. Quelle: dpa
Mann mit Regenschirm vor Wirecard-Schriftzug

In 17 Kapiteln beschreiben Melanie Bergermann und Volker ter Haseborg Aufstieg und Fall des Finanzdienstleisters.

(Foto: dpa)

München Das Ende eines der wohl größten Fälle von Wirtschaftskriminalität in Deutschland ist erst fünf Monate her. Und daher noch gut in Erinnerung. Am 18. Juni, einem Donnerstag, um kurz vor 11 Uhr zeichnet sich ab, dass beim Zahlungsdienstleister Wirecard womöglich knapp zwei Milliarden Euro nicht vorhanden sind, die auf Treuhandkonten auf den Philippinen liegen sollten.

Einen Tag später ist der langjährige Vorstandschef Markus Braun weg, kurz darauf meldet der Dax-Konzern Insolvenz an. Es sind die letzten Tage eines Unternehmens, das einst als „Tesla der deutschen Finanzindustrie“ beschrieben wurde.

„Die Wirecard-Story, die Geschichte eine Milliardenlüge“ nennen Melanie Bergermann und Volker ter Haseborg, beide Redakteure der „Wirtschaftswoche“, das 272 Seiten starke Buch über den Aufstieg und Fall der einst größten Technologiehoffnung in Deutschland seit SAP.

„Wirecard, das war auch das Versprechen, dass die Bundesrepublik nicht nur Achtzylinder und Maschinenbau kann, sondern auch digitale Technologie“, schreiben die beiden Autoren in ihrem Prolog. Und stellen dabei gleich den Mann in den Mittelpunkt,der dafür maßgeblich verantwortlich war. „Markus Braun – ein Nerd, Guru, Heiland.“

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Szene, wie der Compliance-Chef von Wirecard Braun an seinem letzten Arbeitstag in die Tiefgarage zu seinem Dienst-Maybach begleitet, ihm den Hausausweis abnimmt und die Zugangsdaten sperrt, ist eine von vielen, die das Buch von Bergermann und ter Haseborg zu einer spannenden Lektüre auch für Leser machen, die ansonsten von Begriffen wie Zahlungsdienstleister oder Finanzindustrie eher abgeschreckt sind.

    Volker ter Haseborg, Melanie Bergermann: Die Wirecard-Story.
    FBV
    München 2020
    272 Seiten
    19,99 Euro

    In 17 Kapiteln beschreiben die Autoren die Geschichte von Wirecard in den zwei Jahrzehnten der Existenz. Das Buch liest sich wie ein Krimi, bei dem man das Ende kennt, bei dem aber die vielen Details, wie es so weit kommen konnte, für Spannung sorgen. Damit schaffen die Autoren auch eine Erklärung, warum es Wirecard bis unter die Top 30 der deutschen Unternehmen schaffen konnte.

    Wer die Geschehnisse verstehen will, der muss auch die Entwicklung des Bezahlens seit der Jahrtausendwende verstehen. Zu dieser Zeit wollten plötzlich viele Händler ihre Waren im Internet verkaufen. Damit dafür auch Geld floss, brauchte es eine Software, die Kreditkartenfirmen, Onlinehändler und Kunden zusammenbrachte. Die englischen Begriffe „Wire“ und „Card“ ergaben den Firmennamen.

    Vorwürfe um Schattenwirtschaft und Geldwäsche, Schmiergelder und Betrug ziehen sich wie ein roter Faden durch die Firmengeschichte. Hinzu kommen zweifelhafte Geldflüsse, dubiose Geschäftspartner und eine Buchhaltung, die selbst das Topmanagement über Jahre nicht immer erklären konnte. Unweigerlich stellt sich die Frage, warum das spätere Desaster so unentdeckt blieb.

    Auch dafür liefern Bergermann und ter Haseborg hinreichend Erklärungen. Wobei bei den meisten Außenstehenden lange Zeit ohnehin der Blick auf den Aktienkurs genügt hat. Wer es schafft, ihn innerhalb von 13 Jahren von zwei Euro auf 200 Euro zu bringen, der kann auf kritische Fragen zur Bilanz gelassen reagieren. „Aber weil alle anderen gejubelt haben, hatte keiner den Mut zuzugeben, dass er die Zahlen nicht versteht“, zitieren die Autoren einen lange Jahre kritischen Aktionär.

    „Die Wirecard-Story“ ist keine Abrechnung mit einem angeblichen Vorzeigeunternehmen, das über zwei Jahrzehnte Aktionäre, Aufseher, Politiker und vor allem Wirtschaftsprüfer geblendet hat. Es ist stattdessen eine tief recherchierte und dabei trotzdem unterhaltsame Erklärung, wie es zur Milliardenlüge in einem Münchener Vorort kommen konnte.

    Mehr: Nach Wirecard-Skandal: Wirtschaftsprüfer laufen Sturm gegen neue Haftungsregeln des Bundes

    Startseite
    Mehr zu: Buchrezension - Warum sich Aktionäre, Aufseher und Politiker von Wirecard blenden ließen
    0 Kommentare zu "Buchrezension: Warum sich Aktionäre, Aufseher und Politiker von Wirecard blenden ließen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%