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Buchrezension Was Deutschlands Top-Manager zum Thema Führung zu sagen haben

Ein neuer Band versammelt Beiträge großer Namen der Wirtschaft. Er soll Veränderungen im Management anregen, weist jedoch selbst ein entscheidendes Manko auf.
09.07.2020 - 12:21 Uhr Kommentieren
„Das Wichtigste ist das Gespür dafür, wann die Zeit für Neues reif ist“, schreibt Roche-Verwaltungsratspräsident Franz in dem Sammelband. Quelle: Jo Szczepanska/Unsplash
Manager an Pinnwand

„Das Wichtigste ist das Gespür dafür, wann die Zeit für Neues reif ist“, schreibt Roche-Verwaltungsratspräsident Franz in dem Sammelband.

(Foto: Jo Szczepanska/Unsplash)

Düsseldorf Oliver Bäte, Tim Höttges, Johannes Teyssen, Joe Kaeser, Stefan Oschmann, Werner Baumann, Oliver Zipse, Ola Källenius – was haben diese acht Namen gemeinsam? Alle stehen aktuell an der Spitze eines Dax-Konzerns. Und alle haben gleichsam für ein neues Buch ein Kapitel verfasst – wie auch die amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden Franz Fehrenbach, Norbert Reithofer, Siegfried Russwurm und Christoph Franz.

Entstanden ist eine Art Management-Kompendium, das wirklich Spaß macht querzulesen, weil sich die Autoren zu durchaus überraschenden und bereichernden Gedanken einlassen. Telekom-Chef Höttges etwa schreibt von „Fröschen, falschen Horizonten und Karl Marx“ und dem Zusammenhang zwischen Transformation und moderner Unternehmensführung und beginnt seinen Aufsatz mit einem Zitat des rheinischen Malers August Macke: „Wie der Mensch, so wandeln sich auch seine Formen.“

Mercks Vorstandsvorsitzender Oschmann nimmt sich die Neugier als unternehmerischen Erfolgsfaktor vor und erinnert an den großen Denker und Aufklärer Gotthold Ephraim Lessing: „Nicht die Wahrheit (...), sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen. Denn nicht durch den Besitz, sondern durch die Nachforschung der Wahrheit erweitern sich seine Kräfte, worin alle seine immer wachsende Vollkommenheit bestehet. Der Besitz macht ruhig, träge, stolz.“

Deutlich konkreter wird gleich zu Beginn der BMW-Aufsichtsratsvorsitzende Reithofer in seinem Beitrag über die Entscheidungskraft und darüber, „warum man nicht nicht entscheiden kann“. Der Autor erinnert an Paul Watzlawicks Axiom „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Den Bogen spannt er dann mithilfe von Nelson Mandela, Friedrich Dürrenmatt und des Management-Vordenkers Fredmund Malik.

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    Derart zitaten- und gedankenreich ist aus der Festschrift für Karl-Ludwig Kley anlässlich des 65. Jubiläums der „Baden-Badener Unternehmergespräche“ (BBUG) und seines zehnjährigen Wirkens als BBUG-Vorstandsvorsitzender ein mehr als 370 Seiten umfassendes Buch geworden, das den seltsam kryptischen Titel „besser anders weiter so?“ trägt. Kley, amtierender Aufsichtsratsvorsitzender bei der Lufthansa und bei Eon, hat zwischen 2010 und 2020 die Leitung der BBUG innegehabt.

    Kurt Bock/Frank Trümper (Hg.): besser anders weiter so?
    Herder Verlag
    376 Seiten
    28 Euro

    Seit jeher verstehen sich die Baden-Badener Unternehmergespräche, schreiben die beiden Herausgeber im Vorwort des Buchs, der frühere BASF-Vorstandschef Kurt Bock (auch Kleys Nachfolger im Amte in Baden-Baden) und Frank Trümper (BBUG-Geschäftsführer), als „eine Art Plattform des Dialogs und des Lernens“. Der Buchtitel soll dabei offenbar den Anspruch ausdrücken, „Dinge voranzutreiben, dabei das Ganze im Auge zu behalten, an Bewährtes anzuknüpfen sowie entschlossen und beispielgebend zu handeln“.

    Das passt auch zu den Gedanken, die der Verwaltungsratsvorsitzende von Roche und ehemalige Lufthansa-Chef Franz in seinem Kapitel „Spüren, wann die Zeit reif ist“ niedergeschrieben hat. Der Oberaufseher des Baseler Pharmakonzerns erinnert an die griechische Mythologie und Kairos, den Gott des rechten Augenblicks und des passenden Moments, und daran, wann es (wieder einmal) für ein Unternehmen an der Zeit ist, sich neu zu erfinden.

    „Es braucht Kairos, die Institution für den richtigen Zeitpunkt. Die Kunst ist es, dem Markt jeweils gerade so weit voraus zu sein, dass dieser nachziehen kann. Denn wenn gute Ideen zu früh lanciert werden, ist die Gefahr eines Fehlschlags groß.“ Franz schließt mit den Worten: „Das Wichtigste ist das Gespür dafür, wann die Zeit für Neues reif ist.“

    Übrigens: Auch bei den Baden-Badener Unternehmergesprächen scheint die Zeit überreif für Diversity. Von den 39 Kapiteln kommen nur zwei von Frauen: BASF-Vorständin Saori Dubourg formuliert über die Komplexität als Inspiration. Und Christine Bortenlänger, Aufsichtsrätin bei Covestro, MTU und Osram, schreibt über Vielfalt (!) in der Führung.

    Mehr: Zeit für mehr Vielfalt: Warum die Corona-Pandemie eine Chance für Frauen ist

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