Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Buchrezension Was Luxusmode über ihren Träger verrät

Die Filmwissenschaftlerin Katja Eichinger schreibt über die Doppeldeutigkeit von Mode. Ihre Beobachtungen sind klug, aber mitunter etwas zu psychoanalytisch.
30.07.2020 - 15:23 Uhr Kommentieren
Mode lasse sich auch als Rüstung begreifen, schreibt Autorin Eichinger. Quelle: Reuters
Laufstegmodel auf der Mailänder Modewoche

Mode lasse sich auch als Rüstung begreifen, schreibt Autorin Eichinger.

(Foto: Reuters)

Darum geht es: Um Mode – und was sie über ihren Träger und den Zeitgeist verrät. Anzüge, Outfits und Klamotten haben immer auch eine symbolische Komponente, und die könne missverstanden werden, schreibt Katja Eichinger in ihrem Sachbuch „Mode und andere Neurosen“, das im April erschienen ist. „Kleidung ist ein ewiges Wechselspiel aus Missverständnissen, Täuschungsmanövern, Projektionen und Begehren.“ Der gute Geschmack, so die Autorin, solle die Menschen von dieser Ambivalenz befreien.

Mode, so Eichinger weiter, lasse sich auch als Rüstung begreifen, die beschützen könne. So mancher greife nur deshalb zu edlen Marken, weil diese durch exklusive Materialien einen schnellen Aufstieg zu versprechen scheinen: „Wir werden erhoben aus den sozialen Niederungen in die Welt der Material-Aristokratie.“

Das gelte auch für Designer-Handtaschen. „Aber Birkin Bags und all die anderen Designer-Vaginas einer gewissen Preisklasse sind nichts anderes als stumme Symbolsprache“, schreibt Eichinger mit klaren Worten. Solche Taschen „kommunizieren soziale und ökonomische Macht“. Betrachtet man die handgenähten Trophäentaschen aus Leder mit Eichingers Blick, werden sie zum „tragbaren Panzer im ewigen Krieg gegen Bedeutungslosigkeit“.

Das ist die Autorin: Katja Eichinger ist Filmwissenschaftlerin, sie kennt sich mit Filmkostümen profunde aus. Sie hat lange für die Modemagazine „Vogue“ und „Dazed and Confused“, aber auch für die „Financial Times“ geschrieben. Außerhalb der Fachwelt wurde sie bekannt, als sie 2006 den mittlerweile verstorbenen Filmproduzenten Bernd Eichinger heiratete.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Das überrascht: In dem Kapitel zum Thema Bärte führt Eichinger den Trend zum Bart zurück auf das „Heritage Movement“ in den USA. Nach den Erschütterung der Gesellschaft durch die Anschläge auf das World Trade Center wurden dem voluminösen Bart und Holzfällerhemden, Hosenträgern und Schnürstiefeln neue Werte zugemessen. Im Spannungsfeld mit bärtigen Terroristen, mit bärtigen Schwulen und dem Spiel mit Ambivalenzen erschaffe sich der Mann durch seinen Bart ein Geheimnis: „Er versteckt, was er durch seine Handlungen oder Worte nicht offenlegt.“

    Katja Eichinger: Mode und andere Neurosen.
    Blumenbar
    208 Seiten
    20 Euro

    In dem Abschnitt „Von Wölfen und Anzügen. Patagucci“ untersucht die Autorin die Insignien der Macht bei denen, die den festungsähnlichen Herrenanzug bisher ablehnten: bei der Elite im Silicon Valley. Vorbilder wie Amazon-Chef Bezos, Apple-Boss Cook und Facebook-Gründer Zuckerberg machten die Fleeceweste der auf Nachhaltigkeit bedachten Marke Patagonia salonfähig. Im Finanzsektor hat der daraus entwickelte Look – oben Patagonia-Weste, unten Gucci Loafer – bereits einen eigenen Hashtag: #patagucci. So verlor die Fleeceweste ihr Querdenkerimage und wurde Norm.

    Das nervt: Der Soziologensprech von der „Selbst-Objektifizierung“ und psychoanalytische Deutungen überdecken gelegentlich den sonst so flüssigen Text. Dieser lebt von klugen Beobachtungen und sympathischen persönlichen Erinnerungen. Die Autorin zeigt immer wieder Bilder des Modefotografen Christian Werner. Sie mag die Relevanz erkennen, dem Rezipienten aber erschließen sich die Abbildungen aus Umkleidekabinen, von Sneakern oder verschränkten Männerarmen nicht in jedem Fall.

    Mehr: Warum Schmuck Luxus und Freude bringt – aber selten Rendite

    Startseite
    Mehr zu: Buchrezension - Was Luxusmode über ihren Träger verrät
    0 Kommentare zu "Buchrezension: Was Luxusmode über ihren Träger verrät"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%