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Buchrezension Wie die Seidenstraße einstige Sowjetrepubliken wieder in den Fokus rückt

Für das unterrepräsentierte Zentralasien ist Chinas Seidenstraßenprojekt eine Chance, sagt Ökonom Richard Pomfret. Andere Staaten bleiben weiter auf der Strecke.
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Die Länder Zentralasiens sind abhängig von ihren Bodenschätzen. Quelle: mauritius images
Bahnstation in Kasachstan

Die Länder Zentralasiens sind abhängig von ihren Bodenschätzen.

(Foto: mauritius images)

DüsseldorfNormalerweise wird Ländern wie Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan oder Usbekistan im Bohei der Weltpolitik nicht allzu viel Beachtung geschenkt. Chinas gigantisches Seidenstraßenprojekt könnte das ändern. Schon heute restaurieren chinesische Arbeiter Straßen in Tadschikistan oder Kulturstätten in Usbekistan – ausgestattet mit Baustoffen und Lkws aus der Heimat.

Und das Engagement dürfte in den Folgejahren zunehmen, schließlich führt an den zentralasiatischen „Stan“-Staaten kaum ein Landweg zwischen China und Europa vorbei. Der Ökonom Richard Pomfret, ehemals Johns-Hopkins-Professor und heute im australischen Adelaide lehrend, hat in seinem neuen Buch die einstigen Sowjetrepubliken unter die Lupe genommen. Um es gleich vorwegzunehmen: Wer politisch in der Region dank Seidenstraße gewinnen könnte, lässt der Autor offen.

Wirtschaftlich zeigt sich Pomfret aber optimistisch. Nie zuvor sei in der Region die Gelegenheit für eine ökonomische Öffnung besser gewesen. Einerseits erfahre die teils noch aus Sowjetzeiten stammende Infrastruktur durch Chinas Investitionen ein zeitgemäßes Upgrade. Andererseits gab es zuletzt auch in den einzelnen Ländern hoffnungsvolle Strategieschwenks.

So etwa in Usbekistan, wo nach dem Tod von Ewigherrscher Islam Karimow vor drei Jahren inzwischen so etwas wie Reformwille spürbar ist und Nachfolger Schawkat Mirsijojew zum ersten Mal überhaupt Staatsanleihen an den internationalen Finanzmärkten platziert hat.

Dennoch dürften, und dieses Gegenargument sieht Pomfret zu wenig, die Handlungsmöglichkeiten begrenzt sein. Denn die zentralasiatischen Volkswirtschaften sind abhängig von ihren Bodenschätzen: Kasachstan und Turkmenistan haben Erdgas und Öl, Usbekistan und Kirgistan mineralische Rohstoffe. Daran können auch einzelne Lichtblicke wie Kasachstans Liberalisierung nach dem Ölpreisverfall 2014 oder Kirgistans Landwirtschaftsreformen wenig ändern.

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Rowohlt
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Ein Extremfall ist Tadschikistan: Die ärmste der Ex-Sowjetrepubliken exportiert neben günstiger Arbeitskraft nur Wasser. Selbst Optimist Pomfret muss hier einräumen: „Mit so einer schmalen wirtschaftlichen Grundlage ist die Basis für ein Wachstum nicht gerade solide.“

Es stimmt dennoch: Wirtschaftlich stehen die Chancen für Zentralasien gut. Nun liegt es an jedem einzelnen Staat zu handeln. Ob man sich auch politisch Hoffnung machen darf, bleibt indes ungewiss. Turkmenistans Herrschers Gurbanguly Berdimuhamedow etwa, der zuletzt durch ungelenke Rap-Einlagen auffiel, darf qua Verfassung unbegrenzt wiedergewählt werden.

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