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Buchrezension: Zeitenwende 1979 Von Thatcher bis Khomeini – Welche Weichen das Jahr 1979 für das 21 Jahrhundert stellte

1979, war da was? Allerdings: Der Historiker Frank Bösch zeichnet nach, warum 1979 ein Schicksalsjahr war – und was das für die Gegenwart bedeutet.
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Autor Frank Bösch sieht das Jahr 1979 als ein Schlüsseljahr, mitunter wegen der Revolution im Iran. Quelle: AP
Ayatollah Ruhollah Khomeini

Autor Frank Bösch sieht das Jahr 1979 als ein Schlüsseljahr, mitunter wegen der Revolution im Iran.

(Foto: AP)

MünchenMit der Revolution im Iran eroberte der fundamentalistische politische Islam die Weltbühne. Auch der sowjetische Einmarsch in Afghanistan ließ bereits die Krisenherde des 21. Jahrhunderts erkennen. Und die heutige Globalisierung ist kaum vorstellbar ohne den wirtschaftlichen Öffnungskurs, den Deng Xiaoping China verordnete.

Kein Zweifel: Das Jahr 1979 hatte es in sich, es war ungemein wirkungsmächtig. Zu Recht trägt Frank Böschs neues Buch deshalb den Titel „Zeitenwende 1979“.

In diesem Schüsseljahr verdeutlichte die Kernschmelze im US-Meiler Three Mile Island, dass die zivile Nutzung der Atomkraft hohe Risiken birgt. Margaret Thatchers Wahl zur britischen Premierministerin leitete den Siegeszug des „Neoliberalismus“ ein. Und die Stationierung neuer Atomraketen in Westeuropa rief den Widerstand der Friedensbewegung hervor.

Der Direktor des Potsdamer Instituts für Zeithistorische Forschung warnt zwar, das Schicksalsjahr „als alles erklärende Superzäsur misszuverstehen“ – aber selbst der Untertitel „Als die Welt von heute begann“ erscheint kaum übertrieben. Tatsächlich ist das in der historischen Gesamtschau bislang eher unterbelichtete Jahr 1979 fast so entscheidend gewesen wie der breit erforschte Epochenwechsel von 1989.

Böschs Pionierleistung hat nur einen Nachteil: Weil die Weichenstellungen von 1979 zumindest kundigen Lesern schon bekannt gewesen sein dürften, fehlt streckenweise das Überraschungsmoment. Den Makel gleicht Bösch durch die Verknüpfung bislang oft isoliert wahrgenommener Krisen, Aufbrüche und Revolutionen aus.

Frank Bösch: Zeitenwende 1979 – Als die Welt von heute begann
C.H. Beck
München 2019
512 Seiten
28 Euro
ISBN: 978-3406733086

Er zeigt, wie Irans Revolution und die darauf folgende Ölpreisexplosion – in der Bundesrepublik überschritt der Benzinpreis 1979 erstmals die Grenze von einer Mark – weltweit die Inflation förderte und das Wachstum dämpfte.

Die schlechte wirtschaftliche Lage erleichterte, wie im Fall Thatcher, politische Kurswechsel. Das Moskauer Politbüro wiederum fürchtete, Washington würde den Machtverlust im Iran nach dem Sturz des Schahs durch ein stärkeres Engagement in Afghanistan ausgleichen. Diese Furcht gab den Ausschlag für den Einmarsch.

Und in energiepolitischer Hinsicht schien die Atomkraft nach dem Fast-GAU von Three Mile Island als immer unsicherere Alternative zum Öl. Daraus entstanden Konzepte zum Einsparen von Energie – und Parteien wie die bundesdeutschen Grünen.

Bösch zeichnet ein neues Gesamtpanorama des Schlüsseljahres 1979, er setzt scheinbar unabhängige Ereignisse miteinander in Beziehung und zeigt, wie lokales Handeln durch weit entfernte Ereignisse beeinflusst wird. Das gilt auch für Erkenntnisse jenseits der großen Weichenstellungen. So dürfte der breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt sein, dass Westdeutschland bei der Beendigung der Geiselnahme in der Teheraner US-Botschaft eine entscheidende diplomatische Rolle spielte. Erstaunlich ist auch, dass die Bundesrepublik Kambodschas Gewaltherrscher Pol Pot selbst nach dessen Entmachtung 1979 weiter anerkannte.

Autoren suchen derzeit gerne nach alternativen Zäsuren im Geschichtsverlauf. Das dokumentieren Buchtitel wie „1913“ oder „1938“. Frank Bösch ist mit „1979“ ein wichtiger Fund gelungen.

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