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Buchrezensionen Diskreter Charme des Währungshüters

Zwei Bücher ehemaliger Amtsträger erinnern zwar an turbulente Jahre der Geldpolitik – doch machen trotz der Krise Hoffnung. Die Autoren plädieren für eine klare Positionierung der EU.
11.01.2021 - 13:57 Uhr Kommentieren
Nowonty ist der Autor des Buches „Geld und Leben“. Quelle: dpa
Ewald Nowonty

Nowonty ist der Autor des Buches „Geld und Leben“.

(Foto: dpa)

Brüssel Gespräche mit Ewald Nowotny sind für einen Korrespondenten stets ein gewinnbringendes Vergnügen. Denn der Ökonom, früheres Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) und Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, ist nicht nur von ausgesuchter Wiener Höflichkeit, sondern besitzt trotz seines diskreten Charmes als ehemaliger Währungshüter die Lust an der Vermittlung von Informationen.

Das macht ein Interview mit ihm zu einer Abenteuerreise durch die Untiefen der Währungspolitik. Nowotny setzte während seiner Amtszeit Interviews stets ein, wenn er den Eindruck hatte, dass bei geplanten geldpolitischen Maßnahmen keine interne Diskussion zugelassen wurde.

„Gerade für Notenbanker aus kleineren Mitgliedstaaten ist das dann oft eine Notwehrmaßnahme“, schreibt Nowotny nun offenherzig in seinen jüngst erschienen Memoiren „Geld und Leben“. EZB-Chef Mario Draghi habe dieses Signal in späteren Jahren auch verstanden.

Im Gegensatz zu manchen anderen Kollegen im EZB-Rat war Nowotny zuvor langjähriger Politiker der österreichischen SPÖ, der sich zudem für Kunst und Kultur begeistern konnte. Das machte das seinerzeit dienstälteste Mitglied des EZB-Rats zu einem spannenden Gesprächspartner.

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    Nach elf Jahren als oberster Währungshüter Österreichs schied Nowotny im Spätsommer 2019 aus. Als Pensionär setzte er sich danach an den Schreibtisch, um seine Memoiren zu schreiben – zum Glück.

    Denn der heute 76-Jährige hat sehr viel zu erzählen. Schließlich trat er in der schwersten Finanzkrise seit Einführung der europäischen Währungsunion sein Amt an. Die dramatische, aber erfolgreiche Ära unter EZB-Chef Draghi erlebte er nicht nur an entscheidender Stelle, sondern gestaltete sie auch mit.

    Reise durch turbulente Jahre der Geldpolitik

    Wer jedoch auf Indiskretionen aus der Herzkammer des Euros hofft, wird die 336 Seiten der Erinnerungen vergeblich lesen. Und dennoch: die Lektüre der Memoiren lohnt sich. Denn Nowotny nimmt seine Leser mit auf die Reise durch turbulente Jahre der Geldpolitik.

    Schließlich gab es Ende 2008 und zu Beginn 2009 gefährliche Situationen zwischen dem Ruin von Finanzinstituten mit zu vielen faulen Krediten und panikartigen Reaktionen in den Märkten, mit einer Weltwirtschaft am Rand eines Zusammenbruchs war.

    Nowotny, der Optimist, macht mit seinen Erinnerungen auch Mut in der schwierigen Zeit der Pandemie. Die Finanzkrise sei für ihn „ein eindrucksvolles Beispiel, dass es – entgegen der Meinung pessimistischer Philosophen – manchmal doch möglich ist, aus der Geschichte zu lernen“, resümiert der Österreicher.

    Seine Erinnerung sind dabei keine trockene Lektüre vieler Jahre in der Währungspolitik, sondern auch ein augenzwinkernder Blick in das Innenleben eines Währungshüters. Selbstironisch bietet Nowotny Einblicke in die „Wunderwaffe österreichischer Diplomatie“ – der Einladung zum Wiener Opernball und vorheriger Ordensverleihung – oder die unterschiedlichen „Flug-Kulturen“ von Süd-, Ost- und Mitteleuropäern. Ein spannender Rück- und Einblick in Nowotnys Schaffenszeit.

    Abrechnung mit einem „Umsetzungszwerg“

    Einen stärkeren Blick nach vorne richtet Hannes Androsch, promovierter Ökonom. Der frühere österreichische Vizekanzler, Finanzminister und Industrielle nutzt sein neues Buch „Was jetzt zu tun ist“ für eine Abrechnung mit der österreichischen Regierung und ein Plädoyer für eine Neuorientierung in der europäischen Wirtschaftspolitik.

    Ohne Bundeskanzler Sebastian Kurz explizit beim Namen zu nennen, rügt er der mittlerweile 82-jährige Androsch dessen Politik scharf. Österreich sei in vielen Feldern „Ankündigungsweltmeister“ geworden, aber oft „Umsetzungszwerg“ geblieben.

    Und Europa? Der EU empfiehlt er, endlich eine klare Position zwischen USA und China zu finden – gerade im Technologiebereich. Er fordert von Brüssel, eindeutige rote Linien in der China-Politik zu ziehen. Androsch weiß, wovon er spricht, schließlich ist er Großaktionär beim börsennotierten Leiterplattenhersteller AT&S, der auch in China mit Tausenden von Mitarbeitern für die globale Halbleiterindustrie produziert.

    Die Streitschrift von Hannes Androsch ist eine klare und kluge Analyse der neuen Welt(un)ordnung, die von einem leidenschaftlichen Politiker und Unternehmer geschrieben ist, der keine politischen Kompromisse mehr zu machen braucht.

    Leider haben sich im Buch kleine Nachlässigkeiten eingeschlichen. So ist etwa der Vorname der EU-Kommissionvizepräsidentin Margrethe Vestager falsch geschrieben. Doch das schmälert die inhaltliche Leistung nicht. Ein insgesamt spannend zu lesendes Buch.
    Bücher:

    • Ewald Nowotny, Geld und Leben, Braumüller-Verlag, 22,00 Euro
    • Hannes Androsch, Was jetzt zu tun ist, Brandstätter-Verlag, 22,00 Euro

    Mehr: EZB-Ratsmitglied Nowotny: „Am meisten Sorgen macht mir die deutsche Wirtschaft“

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