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Florian Illies

Der Journalist und Bestsellerautor wird zum 1. Januar 2019 neuer verlegerischer Geschäftsführer bei Rowohlt.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Buchtipp „1913“ Florian Illies erklärt, warum das Jahr 1913 noch heute von Bedeutung ist

Eine besondere Zeit: 1913 häuften sich Ereignisse, die die Menschheit prägten. Mehr als ein Jahrhundert später ist der historische Rückblick lohnend.
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Am 12. Januar 1913 wirft der Kampfname des „Manns aus Stahl“ seinen düsteren Schatten voraus – mit „Stalin“ unterzeichnet Josef Dschugaschwili erstmals einen Brief.

Der dänische Physiker Niels Bohr schickt am 5. April desselben Jahres seine naturwissenschaftlich-philosophischen Überlegungen zu seinem epochemachenden Atommodell per Brief an ein Magazin zur Veröffentlichung.

In ganz Europa sind die Menschen erschüttert, als am 13. August August Bebel, der Hoffnungsträger der SPD, in einem Schweizer Sanatorium stirbt.

Zu dieser Zeit weilt Rosa Luxemburg bei Clara Zetkin nahe Stuttgart und sucht Kräuter für ihr Herbarium. „Am Tag nach seinem Tod findet sie das, was sie am dringendsten braucht: Baldrian“, schreibt Florian Illies in seinem aktuellen Buch „1913. Was ich unbedingt noch erzählen wollte“. Sie kocht Tee daraus und klebt die Pflanze in ein Buch ein. Soll sie doch lieber Botanikerin als Revolutionärin werden?

Das allzu Menschliche in dieser so kurzweiligen wie überraschenden Faktenschilderung ist eine der typischen Illies-Pointen. Keiner hat Dynamik und Bedeutung des Jahres 1913 so klar erkannt wie Florian Illies.

Was bislang vom 1914 entflammten Ersten Weltkrieg in der Geschichtsschreibung zur Seite gedrängt wurde, hob der Autor, Journalist und Noch-Kunsthändler bereits 2012 mit dem Beststeller „1913. Der Sommer des Jahrhunderts“ wie einen zu lang verborgenen Schatz an die Oberfläche. Sein Buch erschien in einer Auflage von 800.000 Exemplaren in 27 Sprachen.

In einem zweiten Band zum Ausnahmejahr 1913 schiebt der Bestsellerautor („Generation Golf“, „Generation Golf zwei“) nun Episoden wie den Baldrian-Fund im Schmerz um Bebels Tod hinterher. Im chronologischen Nebeneinander finden das Widersprüchliche in einer Person und die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen Raum. Entstanden ist das aktuelle Buch auch im Dialog mit Lesern, die ihre Fundstücke beisteuerten, gepaart mit immer neuen Facetten, die der Autor zutage förderte.

Florian Illies: 1913 – Was ich unbedingt noch erzählen wollte
S. Fischer Verlag
2018
304 Seiten
20 Euro

Stets unterhält der Erzähler mit Miniaturen – zumeist von einer halben oder ganzen Druckseite. Zu den geschilderten Episoden zählt auch der 50. Geburtstag des Lyrikers Richard Dehmel, der damals zu den tonangebenden Dichtern Deutschlands gehörte.

Im November begeht er seinen Ehrentag mit einem großen Fest und wird von seinen Freunden großzügig bedacht – sie schenken ihm das Haus in Hamburg-Blankenese, in dem er zuvor zur Miete gewohnt hatte. Zu seinen Gönnern gehörten unter anderem der Verleger Samuel Fischer, der Industrielle Walther Rathenau sowie die Schriftsteller Thomas Mann und Stefan Zweig.

Scheinbar Nebensächliches deutet Illies als machtpolitisches Zeichen. Dazu zählt auch der lächerlich anmutende Versuch von Kaiser Wilhelm II., den Tango zu verbieten, womit er kläglich scheitert – ein erstes Zeichen seiner erlöschenden Macht. Sogar des Kaisers Sohn tanzt Tango, und Papst Pius X. will den erotischen Modetanz nicht verdammen, obwohl er da noch nicht ahnen konnte, dass neun Päpste später mit Franziskus ein Tangotänzer Gottes Stellvertreter auf Erden werden sollte.

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