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Buchtipp: „Alles könnte anders sein“ Wer das Leben lebenswerter machen will, muss selbst anpacken

Soziologe Harald Welzer entwirft in seinem neuen Buch „eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen“. Und er erinnert daran: Sozialprodukt ist nicht gleich Lebensqualität.
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Radikaler Kapitalismus fördere asoziales Verhalten, sagt Harald Welzer. Quelle: dpa
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Radikaler Kapitalismus fördere asoziales Verhalten, sagt Harald Welzer.

(Foto: dpa)

DüsseldorfWir träumen vom unbeschränkten Wachstum in einer endlichen Welt. Dass das nicht lange gut gehen kann, ist trivial. Schluss, möchte man nach diesen Sätzen sagen, jetzt kommt wieder so eine Weltuntergangstirade: alles bekannt, alles x-mal gehört. Aber weiterzulesen lohnt im neuen Buch von Harald Welzer.

Der bekannte Soziologe, Sozialpsychologe und Intellektuelle hat wieder einmal einen Aufreger produziert. In „Alles könnte anders sein“ knöpft sich der 53-Jährige den Wachstumskapitalismus vor. Und für alle, die glauben, aus dem „Überverbrauchsdilemma“ führe uns die digitale Revolution heraus, hat er eine sarkastische Antwort parat: „Wie lange würden Menschen überleben, die nur Daten zu essen und zu trinken hätten? Eben.“

Was in unserer Gesellschaft alles schiefläuft, illustriert er beispielhaft am Hohen Lied der Gesellschaft auf die Raumüberwindung, die „gar depperte fossile Mobilität“. Vielflieger und Vielfahrer genössen hohes Sozialprestige – die Ärmsten, die, ohne Ressourcen zu verschwenden, zu Fuß gingen, dagegen kaum.

Die Folgen des exzessiven Lebens und Konsums: Ressourcenverschwendung, Klimawandel, Flüchtlingsströme. Radikaler Kapitalismus verfrühstücke nicht nur die Lebensgrundlagen, er fördere asoziales Verhalten, gefährde Freiheit und Demokratie. In unserer zeitüberfüllten und überdurchgetakteten Welt hätten wir sinnhaftes Leben verlernt. Dabei sei das Soziale das lebensgeschichtlich Primäre. „Dazwischen wird viel Zeit mit Bullshit vertan“, urteilt er.

Ein Anti-Bullshit-Programm wäre also soziales Engagement, ehrenamtliche Tätigkeit. Welzers Vorschlag: Jeder Mensch solle ein Fünftel seiner Ausbildungs- und Arbeitszeit für Soziales reservieren. Der Staat bezahle den Arbeitgeber für den Ausfall über Steuergelder.

Harald Welzer: Alles könnte anders sein – Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen
S. Fischer
320 Seiten
22 Euro
ISBN: 9783103974010

Darüber hinaus sei das Gemeinwohl aber auch ein gesamtwirtschaftliches Prinzip. Ökologische und soziale Prinzipien gehörten in die Bilanzen der Unternehmen. Wer nachhaltig und sozial produziere, werde steuerlich bevorteilt, bei öffentlichen Aufträgen bevorzugt. Zudem solle Arbeiten wieder Freude machen, Sinn stiften. Das umstrittene, bedingungslose Grundeinkommen steht daher auf Welzers Thesenliste.

Sozialprodukt ist eben ungleich Lebensqualität und sagt wenig über die Zukunftsfähigkeit aus. Schon Robert Kennedy wusste, diese Größe messe alles, außer dem, was das Leben lebenswert mache. Daher müsse jeder selbst anpacken, die Dinge zum Besseren verändern. Damit steht die Unterzeile des Buches: Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen.

Welzer sieht sich ausdrücklich nicht als ideologische, autoritäre Hardcore-Kassandra. „Wir nehmen den Untergangspropheten mal die Uhr weg, die seit 40 Jahren auf ‚Fünf vor Zwölf‘ stehen geblieben ist.“ Und die ewigen Nörgler? „Für die Lamentierökos kann man Nölreservate einrichten.“

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