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Buchtipp: „Als die Angst die Seite wechselte“ Wie ein mutiger Journalist die Montagsdemonstrationen filmte

Der Journalist Siegbert Schefke filmte illegal die Proteste in Leipzig und setzte ein Zeichen in die untergehende DDR. 30 Jahre nach dem Mauerfall erscheint nun ein Buch darüber.
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Der Journalist liefert ein schmales, aber historisch gewichtiges Buch. Quelle: ZB
Siegbert Schefke

Der Journalist liefert ein schmales, aber historisch gewichtiges Buch.

(Foto: ZB)

Düsseldorf Vor 30 Jahren demonstrierten in der DDR die Menschen gegen die Mauer. Der Journalist Siegbert Schefke, aufgewachsen in der DDR, filmte heimlich die Proteste in Leipzig – und die Mauer war bald Geschichte. Jetzt hat Schefke ein schmales Büchlein über seinen mutigen Reportereinsatz geschrieben. Trotz seiner gerade einmal 160 Seiten hat es historisch enormes Gewicht.

Schefke wächst in einem Staat auf, der sich nicht groß um seine Bürger und ihre Nöte schert und etwa marode Altbauten einfach per Mauer vor der Öffentlichkeit versteckt, statt sie zu sanieren. Durch die vielen Verbote wird Schefke langsam zum Widerstandskämpfer. Das beginnt schon bei seiner Ausbildung: Weil die Familie Westverwandte hatte, bekommt er zunächst kein Abitur. Also beginnt er eine Baufacharbeiterlehre – und machte so doch noch Fachabi.

Als Fotograf, Kameramann und Reporter arbeitet Schefke bereits ab 1987 auf Honorarbasis für verschiedene Fernsehmagazine und Zeitungen im Westen. Im Buch lässt es der Journalist fast leicht aussehen, wie er Filme über Giftmüll-Deponien oder verseuchte Böden in Bitterfeld dreht und die Videokassetten anschließend über die Grenze schmuggeln lässt. Aber er riskierte seine Freiheit und sein Leben. Die Schwierigkeiten und Bedrängnisse als Journalist zu arbeiten und die Montagsdemos in Leipzig zu filmen, waren enorm. Es hätte auch ganz anders ausgehen können.

Eine der stärksten Passagen im Buch ist Schefkes Treffen mit seinem ehemaligen Stasi-Offizier, der neun Akten über ihn vollschrieb. Schefke schildert, wie der einstige DDR-Beamte über die realsozialistische Bürokratie motzt: Um Schefke etwa mit dem Auto zu verfolgen, braucht es vier Unterschriften.

Gerne würde man an solchen Stellen Schefke mehr Zeit und Platz für weitere Reflexionen geben. Wie geht es ihm, wenn er so etwas hört? Was fühlt er, wenn er erfährt, dass viele seiner Freunde jahrelang der Stasi Informationen über ihn steckten? Auch, wie und was der Stasi-Offizier heute über seine Taten denkt, erfährt der Leser nicht. Dass Schefke kein Profischreiber ist, merkt man. Dafür wirken seine Schilderungen umso authentischer. Dazu tragen die vielen Fotos und Texte aus seiner Stasi-Akte bei.

Siegbert Schefke: Als die Angst die Seite wechselte.
Transit
Berlin 2019
160 Seiten
16 Euro

Faszinierend ist es auch, von seiner heutigen Arbeit als MDR-Reporter zu erfahren. Wie er sich mit Pegida-Anhängern und Rechtsradikalen im Osten auseinandersetzt und einmal auf der Autobahn gejagt wird. Es ist eine traurige Bilanz, dreißig Jahre nach den Montagsdemonstrationen, für Freiheit und Demokratie.

Mehr: Nur vier Prozent der Führungskräfte in Deutschland sind in der ehemaligen DDR aufgewachsen. Woran liegt es, dass nur wenige Ostdeutsche die Republik mitgestalten?

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