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Buchtipp: „Becoming“ Michelle Obamas langer Weg vom armen Vorort ins Weiße Haus

„Becoming“, die Autobiografie der früheren First Lady, zeigt den ungewöhnlichen Aufstieg einer Arbeitertochter in die Welt der Privilegierten.
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Die Memoiren der ehemaligen First Lady sind ein Plädoyer dafür, gesellschaftliche Grenzen aufzuweichen. Quelle: dpa
Michelle Obama

Die Memoiren der ehemaligen First Lady sind ein Plädoyer dafür, gesellschaftliche Grenzen aufzuweichen.

(Foto: dpa)

Washington Als Vierjährige lernte Michelle Obama im Dachgeschoss ihrer Großtante Klavier, auf vergilbten Tasten mit splitterndem Lack. Als Erwachsene fühlte sie sich daran erinnert. Ihren ersten Tag an der Eliteuni Princeton beschreibt Obama in ihren Memoiren so: „Auf der Bühne steht ein glänzender Flügel, aber du kennst nur ein altes, kaputtes Klavier. Es wird von dir verlangt, dass du dich anpasst und alles überwindest. Dass du deine Musik spielst wie jeder andere auch.“

Die Passage in der Autobiografie der früheren First Lady, „Becoming”, beschreibt eine starke Szene von vielen. Linksliberale feiern die 54-Jährige als Anti-Trump-Hoffnung, die die Nation in turbulenten Zeiten an soziale Werte erinnert. Rechtskonservative spotten eher über das hohe Honorar: Bis zu 65 Millionen Dollar soll die Bertelsmann-Tochter Penguin Random House in einen Doppel-Deal investiert haben, die Memoiren des ehemaligen US-Präsidenten werden im kommenden Jahr erwartet.

Doch der Wirbel, den das Buch ausgelöst hat, überdeckt den eigentlichen Kern. Die Biografie schildert den ungewöhnlichen Weg einer Arbeitertochter in die höchsten Ebenen der Macht. Ein Aufstieg, für den die USA mit ihrem „American Dream“-Versprechen eigentlich stehen wollen.

Doch dieses Versprechen gerät angesichts wachsender nationalistischer Strömungen in Gefahr, was das Buch hochaktuell macht. Obama beschreibt ihre Kindheit in einem rauen Vorort Chicagos, in einer Familie, die viel Liebe, aber kaum materielle Freiheiten bot.

Durch Fleiß und Förderer schaffte sie es an eine gute Schule, später in eine renommierte Anwaltskanzlei, als eine von wenigen schwarzen Frauen. Doch immer wieder flammte der chronische Komplex in ihr auf, den viele Minderheiten mit sich herumtragen müssen: „Bin ich gut genug?“, fragte sich Obama als Kind, Teenager, Studentin, Juristin, Mutter, Politiker-Gattin.

Michelle Obama: Becoming Goldmann
2018
542 Seiten
26 Euro
ISBN: 978-3442314874

„Ich bin nicht sicher, ob du Princeton-tauglich bist“, hörte sie von einer Lehrerin. Eine Kommilitonin verließ wegen Obamas Hautfarbe die Studenten-WG.

Die Zeit im Weißen Haus spielt in Obamas Memoiren nicht die Hauptrolle, aber die Karriere von Barack Obama war ein Wendepunkt: Plötzlich standen dem Paar Türen zu neuen Welten offen, einem „Apparat aus Privilegien und Beziehungen”. Beide fremdelten lange mit Einladungen in Villen mit aus Edelstein gehämmerten Badewannen.

Michelle Obamas Buch ist ein Plädoyer dafür, gesellschaftliche Grenzen aufzuweichen. „Hoffnungsträger sind überall, in den vermeintlich heruntergekommenen Vorstädten. Man muss sie nur sehen wollen”, schreibt sie.

Michelle Obama macht erneut klar, dass sie niemals aktiv in die Politik gehen wird. Den Diskurs mitprägen kann sie trotzdem. Während Trump Vorurteile von faulen und brutalen Einwanderern schürt, fordert Obama mehr soziale Mobilität. Im neuen US-Kongress sitzen so viele Frauen wie nie, darunter zahlreiche Afroamerikanerinnen und Hispanics. Es sind Minderheiten, die sich zunehmend ihren Platz am Tisch der Entscheider erkämpfen.

Die kommenden Jahre könnten einen Zeiten- und Generationenwechsel einläuten. Michelle Obama ist Teil davon.

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