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Buchtipp Die heimliche Macht: Wie Blackrock und Vanguard die Wirtschaft beherrschen

Es gibt nur wenige wichtige Firmen, an denen die weltweit größten Vermögensverwalter nicht beteiligt sind. Das ist hochproblematisch, findet Autor Jens Berger.
13.01.2020 - 09:45 Uhr Kommentieren
Gefährden Kapitalanlagegesellschaften wie Blackrock den fairen Wettbewerb? Quelle: AFP
Protestierende in San Francisco

Gefährden Kapitalanlagegesellschaften wie Blackrock den fairen Wettbewerb?

(Foto: AFP)

Darum geht es: Im Fokus des Buchs „Wer schützt die Welt vor den Finanzkonzernen“ stehen die drei größten Kapitalanlagegesellschaften Blackrock, Vanguard und State Street. Allein Blackrock, ein Konzern mit weltweit nur knapp 15.000 Mitarbeitern, aber fast sieben Billionen Dollar Kapital unter Verwaltung, ist bei jedem zweiten deutschen Dax-Konzern der größte Anteilseigner sowie auch größter Aktionär bei Apple, Exxon Mobil, Microsoft, General Electric, Royal Dutch Shell und Nestlé.

Laut Jens Berger, dem Autor des Buchs, gibt es weltweit nur wenige große Aktiengesellschaften, an denen Blackrock nicht maßgeblich beteiligt ist. Gemeinsam mit seinen beiden großen Konkurrenten Vanguard und State Street kann Blackrock entscheidenden Einfluss auf die Führung und Geschäftspolitik fast aller großen Kapitalgesellschaften ausüben. Das kann zu erheblichen Beschränkungen des Wettbewerbs zulasten der Konsumenten und der übrigen Unternehmen führen.

Berger macht das am Vergleich mit einer Fußballliga deutlich, in der die meisten teilnehmenden Mannschaften den gleichen dominierenden Anteilseigner haben. Kaum jemand würde dann noch an fairen Wettkampf auf dem Platz glauben.

Hochproblematisch sind für Berger auch die vielen Funktionen, die Blackrock unter einem Konzerndach vereint: Eine Blackrock-Firma berät Regierungen und Zentralbanken, wie sie Aktien und andere Wertpapiere von Krisenunternehmen bewerten sollen, andere gehören zu den größten Käufern solcher Wertpapiere und wieder andere zu den größten Verkäufern.

Aufgrund seiner halboffiziellen Beratungstätigkeit hat der Konzern zudem Einblick in die Geschäftszahlen der Banken, mit denen er konkurriert und Geschäfte macht. Das Buch präsentiert Beispiele von krassen Interessenkonflikten dieser Art während der Finanzkrise 2008.

Jens Berger: Wer schützt die Welt vor den Finanzkonzernen?
Westend Verlag
304 Seiten
22 Euro

Das ist der Autor: Jens Berger ist politischer Blogger, Sachbuchautor und Redakteur des Webportals „Nachdenkseiten“, das sich „die kritische Website“ nennt. Bekannt wurde er nicht zuletzt mit dem Bestseller „Wem gehört Deutschland“. Auch wenn seine linke politische Ausrichtung an vielen Stellen seines aktuellen Buchs durchscheint, ist Bergers Stil wohltuend sachlich, dabei aber trotz des vermeintlich sperrigen Themas gar nicht trocken. Er lässt die spektakulären Beträge und die Besitzverhältnisse, um die es im Buch immer wieder geht, einfach für sich wirken, ohne unnötig an der Empörungsschraube zu drehen.

Das überrascht: Schon im Einstiegskapitel „Frühstück mit Blackrock“ schafft Berger Aha-Effekte. Er zeigt auf, dass man Frühstück, morgendliche Hygiene und das Ankleiden ausnahmslos mit gängigen Markenartikeln erledigen kann, deren Hersteller allesamt Blackrock als größten oder zweitgrößten Anteilseigner haben – und den wichtigsten Blackrock-Konkurrenten Vanguard meist direkt davor oder dahinter.

Über Blackrock gab es bereits viele Veröffentlichungen, die stille Macht des Unternehmens ist den meisten Wirtschaftsinteressierten bekannt. Doch weit weniger Menschen zumindest in Deutschland dürfte Vanguard ein Begriff sein. Dabei ist es die zweitgrößte und bald vielleicht größte Kapitalanlagegesellschaft der Welt. Ausgerechnet dieses Unternehmen ist als Genossenschaft organisiert, die ihren Kunden gehört und nicht gewinnorientiert arbeitet.

Das enttäuscht: Wer über dieses Buch von der Kapital- und Machtfülle von Blackrock, State Street und Vanguard erfährt, wird sich unwillkürlich fragen: Wie lässt sich diese Macht einhegen? Das Kapitel mit Reformvorschlägen am Ende des Buchs fällt jedoch sehr kurz aus. Es beschränkt sich im Wesentlichen auf den – immerhin sehr grundlegenden – Vorschlag, Blackrock und Co. den Saft abzudrehen, den sie für ihr Wachstum brauchen.

Dieser Treibstoff sind die zusätzlichen Anleger-Billionen, die nur deshalb zu den großen Kapitalanlagegesellschaften fließen, weil weltweit die Sozialversicherungen zunehmend privatisiert und vom Umlageverfahren auf das Kapitaldeckungsverfahren umgestellt werden. Ziel des Buchs ist es offenbar, die Macht der Kapitalverwalter erst einmal ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und nicht gleich mit detaillierten Reformoptionen aufzuwarten.

Mehr: Drei Indexfondsanbieter halten einen Großteil der Stimmrechte bei Aktiengesellschaften. Wissenschaftler sind sich uneins über die Konsequenzen.

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