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SpaceX-Raumanzug in rotem Tesla-Sportwagen

Der Journalist und ehemalige Tesla-Mitarbeiter Hamish McKenzie bewundert Elon Musks Unternehmertum.

(Foto: AP)

Buchtipp: „Die Tesla-Story“ Warum ein Ex-Tesla-Mitarbeiter eine Liebeserklärung an Elon Musk verfasst hat

Ein Tesla-Insider gibt Einblicke in die Welt des Elektroauto-Pioniers. Doch wer die Abrechnung mit Gründer Musk erwartet, wird enttäuscht.
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San Francisco„Insane Mode“, der Wahnsinns-Modus: Das ist zum einen eine Fahrstufe des Tesla Model S, eingeführt 2014, die einfach nur plakativ die Brachialgewalt des leistungsstarken Auto-Elektromotors beschreiben soll.

Das ist zum anderen der Modus Operandi eines Unternehmers, der sich traut, Ende des 20. Jahrhunderts einen neuen Automobilkonzern ins Leben zu rufen und eine Branche aufzumischen, die weltweit von kaum einem Dutzend Konzernen dominiert wird. Wahnsinn eben. Und genau davon erzählt die Tesla-Story.

Hamish McKenzie ist ein Journalist, der auch in der Öffentlichkeitsarbeit tätig war – unter anderem und nicht zuletzt für ein Jahr bei Tesla –, bevor er das rund 300 Seiten lange Buch „zur vielleicht größten Technologiestory dieses Jahrhunderts schrieb“. So bezeichnet McKenzie den Wandel von der fossil betriebenen zu einer nachhaltigen Mobilität.

Aus seinem Werdegang und seiner Tesla-Vergangenheit macht der Autor kein Geheimnis. Im Gegenteil. „Lesen Sie dieses Buch also unter dem Vorbehalt: Ja, ich bin ein ehemaliger Mitarbeiter von Tesla. Ich glaube an die Mission des Unternehmens. Ich habe sogar Tesla-Aktien. Aber ich fühle mich auch dem Leser verpflichtet. Auf diesen Seiten will ich eine möglichst faire und klare Sicht auf das präsentieren, was so großartig an Tesla ist, und auf die sehr realen Herausforderungen, denen sich Tesla stellen muss.“

Das Visier ist oben, die Fronten sind klar. Nur so viel vorab: wer eine kritische Abrechnung mit der, freundlich formuliert, schwierigen Person Elon Musk erwartet, sollte woanders suchen.

Hamish McKenzie: Insane Mode – Die Tesla-Story
Plassen Verlag
2019
328 Seiten
24,99 Euro

Das Buch beginnt mit der Vergangenheit des Autors in Neuseeland und einer Ausfahrt von McKenzie, der es mittlerweile nach San Francisco geschafft hat, mit seinem 64-jährigen Vater in einem gemieteten Tesla Model S – ständig in der Angst, dass der Akku gleich schlappmacht.

Keine unverblümten Lobeshymnen

Manchmal, etwa wenn der Autor beschreibt, wie sein Vater erstmals selbst das Steuer des Model S ergreift und die Straßenrakete beschleunigt, erkennt man deutlich, dass McKenzie sich nur mühsam zurückhalten konnte, seine fast kindliche Begeisterung für Tesla in unverblümten Lobeshymnen zu Papier zu bringen.

Aber letztlich gewinnt der Profi McKenzie dann doch immer rechtzeitig die Oberhand und nimmt den Leser routiniert und professionell mit auf seine Reise durch eine neue Branche, die seiner Meinung nach die wohl größte Technologiegeschichte dieses Jahrhunderts werden wird: die Elektromobilität.

Der Leser begleitet den Autor auf seinen Recherchen auf drei Kontinenten, Amerika, Europa und Asien, und reist mit ihm zurück in die Zeit zu Anfang des 20. Jahrhunderts. 1914 kündigte Henry Ford groß an, er wolle ein Elektroauto bauen – zusammen mit Thomas Edison.

In einem durchaus amüsant zu lesenden Teil beschreibt McKenzie detailliert und kenntnisreich die unglaubliche Historie der Elektroauto-Branche. Zum Beispiel wie GM 1996 ein Elektroauto auf den Markt brachte, nur um es nach wenigen Jahren wieder aus dem Verkehr zu ziehen.

Und zwar in dem Moment, als Auto-Lobbyisten die strengen kalifornischen Umweltgesetze wieder zu Fall gebracht hatten, die E-Autos praktisch unabdingbar gemacht hatten. GM ließ in der Folge die ungeliebten Stromer zurückrufen und großteils vernichten.

Einige davon wurden gegen den erklärten Willen der Besitzer in Nacht- und Nebelaktionen auf Tiefladern von Hauseinfahrten weggezerrt. Das war möglich, weil GM die Autos nicht verkauft, sondern nur verleast hatte und die Verträge dann einfach hatte auslaufen lassen.

Nach zahlreichen Einblicken in die gar nicht so kurze, dafür aber um so erfolglosere Vergangenheit der Elektromobilität folgt die Analyse der Gegenwart und der möglichen Zukunft der Branche. Dabei schweift der Blick weit in den Osten, genauer gesagt nach China, dem Epizentrum der Elektromobilität.

In der Einleitung verspricht McKenzie einen fairen Blick auf die noch junge chinesische E-Autobranche, und dieses Versprechen hält er ein. So vernarrt er in Tesla und seinen charismatischen Chef ist, so wird die Bedeutung Chinas für die Branche im Buch weder unterschätzt, noch die asiatische Tesla-Konkurrenz heruntergeredet.

S-Modell mit Edelsesseln

China ist auch eines der wenigen Themen, bei denen fast so etwas wie echte Kritik an Tesla und Unternehmenschef Elon Musk durchscheint. Nach einem Verkaufsflopp des Model S in der Volksrepublik tauschte Musk die lokale Führungsebene aus, nahm allerdings auch stillschweigend Änderungen am Produkt vor. In China sitzen die wichtigen Leute im Fonds und nicht auf dem Beifahrersitz neben dem Fahrer.

Ja, ich bin ein ehemaliger Mitarbeiter von Tesla. Ich glaube an die Mission des Unternehmens. Ich habe sogar Tesla-Aktien. Hamish McKenzie (Autor)

Doch Tesla hatte nur die typisch westliche Variante im Angebot: Viel Komfort auf den Vordersitzen und spartanische Enge für die Hinterbänkler. Da nimmt kein reicher chinesischer Unternehmer, Banker oder Politiker Platz. Also gibt es das S-Modell jetzt mit der Option, die Rücksitzbank gegen zwei luxuriöse Edelsessel auszutauschen.

Verhältnismäßig kurz greift der Autor die Auseinandersetzungen zwischen Musk und Martin Eberhard auf, dem Tesla-Mitgründer und CEO der ersten Stunde. Er wurde letztlich als CEO entlassen und später ganz aus dem Unternehmen gedrängt. Es war ein massiver Machtkampf im Hintergrund, in dessen öffentlich ausgetragenem Teil erstmals die Aggressivität Musks zutage trat, etwa in Sätzen wie diesem über Erhard: „Ich hatte zu viel damit zu tun, das beschissene Chaos zu beseitigen, das er hinterlassen hatte.“

Eine Neigung zum publikumswirksamen Krawall, die man später immer wieder beobachten konnte. Etwa wenn es gegen Konkurrenten ging („Apple beschäftigt die Leute, die wir rausgeschmissen haben.“), unliebsame Mitarbeiter, die Börsenaufsicht oder „unfaire“ Investoren, Journalisten und Analysten.

Besonders bizarr wird es, wenn sich Musk ohne Not bei völlig Tesla-fremden Themen um Kopf und Kragen redet. So hatte er einen britischen Taucher, der sich an der Rettung von Kindern beteiligte, die in einer Höhle in Thailand von Hochwasser abgeschnittenen waren, als „Pädo Boy“, also als Pädophilen bezeichnet.

Offenbar weil der Taucher es gewagt hatte, Musks Idee, die Kinder mit einer Art Mini-U-Boot aus der engen Höhle zu holen, zu kritisieren. Musk legte immer wieder mit Behauptungen nach ohne Beweise zu liefern. Nun sieht er einem Verleumdungsprozess entgegen. Im Buch wird dieser Vorfall aus dem Jahr 2018 noch nicht aufgegriffen.

Daimler rettet Tesla

Dafür erfährt der Leser, wie 2006 ausgerechnet Daimler zum Retter von Tesla wurde. Um angereiste Manager des deutschen Konzerns zu begeistern hatte Musk einen Smart, der damals noch gar nicht in den USA verkauft wurde, besorgt und zum Elektroflitzer umgebaut. Nach angeblicher Skepsis herrschte helle Begeisterung, es gab eine Beteiligung an Tesla und vor allem Geld. Geld, das dringend nötig war, um das drohende Ende von Tesla abzuwehren, wie Musk später einräumte.

Grafik

Nur eine von vielen Episoden die zeigen soll, wie man nur im „Insane Modus“ dieses Abenteuer einer Firmengründung überleben kann – und nebenbei auch noch ein Raumfahrtunternehmen aufbaut. Es war die NASA, die in einem extrem kritischen Moment einen riesigen Auftrag an Musks SpaceX erteilte. Der verschaffte auch Musk persönlich und damit Tesla wieder finanzielle Luft, als mal wieder Endzeitstimmung im Tesla-Werk im kalifornischen Fremont herrschte.

Hamish McKenzies Buch ist eine Liebeserklärung an Wagemut und Unternehmertum und spannend zu lesen für jeden, der auch ein Buch über die Rockefellers, die Carnegies, die Woolworths, die Krupps, die Thyssens oder Werhahns dieser Welt verschlingen würde. Wer eine kritische Auseinandersetzung mit Musks Managementstil oder auch nur mit den Fertigungsproblemen beim Model 3 lesen will, der muss weitersuchen.

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