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Buchtipp „Im Untergrund“ Spurensuche nach den letzten Mitgliedern der RAF

Patrizia Schlosser recherchiert zu den letzten RAF-Mitgliedern im Untergrund. Ihr Buch zeigt, dass der „Deutsche Herbst“ bis heute nicht aufgearbeitet ist.
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Die undatierten Handouts des Bundeskriminalamtes zeigen Alterssimulationen von Burkhard Garweg (l.), Ernst-Volker Staub und Daniela Klette. Quelle: dpa
Fahndungsfoto

Die undatierten Handouts des Bundeskriminalamtes zeigen Alterssimulationen von Burkhard Garweg (l.), Ernst-Volker Staub und Daniela Klette.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Darum geht es: Die „Rote Armee Fraktion“ ist ein Stück der deutschen Geschichte. Und gleichzeitig ist sie ein Kapitel, das bis heute nicht abgeschlossen ist. Die letzten Mitglieder der Gruppe sollen sich bis heute im Untergrund befinden. Das mutmaßliche Terror-Trio aus Ernst-Volker Staub, Burkhard Garweg und Daniela Klette sorgte in den vergangenen Jahren wieder für Schlagzeilen, weil die Polizei sie für Anschläge auf Supermärkte und Geldtransporter verantwortlich machte.

Gemeinsam mit ihrem Vater Guido Schlosser, einem bayerischen Polizisten im Ruhestand, begibt sich Patrizia Schlosser auf die Suche nach dem Trio. Die beiden Reisen zu den Tatorten und sprechen mit Menschen aus dem Umfeld der RAF, Ermittlern und Wissenschaftlern. Die Tour führt das Duo quer durch Deutschland und bis in Jordaniens Hauptstadt Amman.

Und sie bewegen sich in der Geschichte des Vaters. Als Polizist war er selbst während des Olympia-Attentats im Jahr 1972 im Einsatz, um die palästinensischen Attentäter zu stellen, die Sportler aus Israel als Geiseln genommen hatten.

Das ist die Autorin: Patrizia Schlosser (32) ist Reporterin, Filmemacherin und hat mit „Im Untergrund“ ihr erstes Buch veröffentlicht. Die Recherche für das Erstlingswerk entstand ursprünglich für eine investigative Podcastreihe unter dem gleichen Titel, der mit dem Deutschen Radiopreis 2018 in der Kategorie Beste Sendung geehrt wurde.

Schlosser studierte Neuere Deutsche Literatur, Iranistik und Theaterwissenschaften. Parallel absolvierte sie eine Journalistenausbildung an der Journalistenschule ifp in München. Anschließend volontierte sie beim Bayerischen Rundfunk. Heute arbeitet sie für den Norddeutschen Rundfunk vor allem für das Reportage-Format „Panorama – die Reporter“ und den YouTube-Kanal „Strg_F“.

Patrizia Schlosser: Im Untergrund
Hoffmann und Campe
2019
256 Seiten
ca. 18 Euro
ISBN 978-3455006490

Das überrascht: Nachrichtensperre, verschärftes Strafrecht und Großer Krisenstab: Schlosser führt bei ihren Recherchen aus, wie die Bundesrepublik in der Reaktion auf den Terror der RAF an den Rand eines Ausnahmezustands gerät. Wieder und wieder zeigt sie, wie wenig diese Phase der deutschen Geschichte bis heute wirklich aufgearbeitet wurde.

Ihr gelingt es, als ehrlich suchende Journalisten den Themen offen gegenüberzutreten. Ihr Vater verteidigt wieder und wieder das harte Durchgreifen des Staates. In den Gesprächen geraten Tochter und Vater mehrmals in Streit. Der Konflikt zwischen ihnen ist der Austausch zwischen zwei Generationen. Gleichzeitig ist es aber auch der Dialog um die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte.

Das fehlt: Am Ende ist das Buch ein interessantes Protokoll einer Recherchereise. Vater und Tochter können sich zwar der RAF nähern. Letztlich kommen sie aber an keinen der drei mutmaßlichen Terroristen ran. Auch der Zugang zu Weggefährten der drei bleibt letztlich weitgehend verwehrt. Schlosser kann damit aufzeigen, wie wenig sich die Anhänger und Unterstützer der RAF bis heute einem offenen Dialog stellen.

Treffenderweise brechen Vater und Tochter ihre Recherche ab, als ein Streit über den richtigen Blick auf die Zeit des RAF die beiden entzweit. Das Buch ist damit ein Denkanstoß, diese Phase der deutschen Geschichte besser aufzuarbeiten. Und es wirft die Frage auf, wieso aus jungen Menschen Terroristen wurden – ein Thema, das durch deutsche Kämpfer auf Seiten islamistischer Gruppen bis heute aktuell ist.

Mehr: Selten hat das Thema innere Sicherheit eine so hohe Reizbarkeit ausgelöst wie heute. Doch statt die Angst zu moderieren, wird sie politisch instrumentalisiert. Gastbeitrag von Gerhart Baum.

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