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Buchtipp: „Jitzchak Rabin“ Als Frieden in Nahost noch möglich schien

Er war General und starb als Märtyrer für den Frieden: Eine neue Biografie beleuchtet das Leben von Israels früherem Premier Jitzchak Rabin.
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Im September 1993 reicht Israels Premier Jitzchak Rabin (l.) im Beisein des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton (M.) dem Palästinenserführer Jassir Arafat zur Versöhnung die Hand. Quelle: Reuters
Zeichen der Versöhnung

Im September 1993 reicht Israels Premier Jitzchak Rabin (l.) im Beisein des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton (M.) dem Palästinenserführer Jassir Arafat zur Versöhnung die Hand.

(Foto: Reuters)

Tel AvivEs war ein Handschlag mit Hoffnungen. September 1993, Israels Premier Jitzchak Rabin reicht dem Palästinenserführer Jassir Arafat zur Versöhnung die Hand. Zwischen ihnen der damalige US-Präsident Bill Clinton. Das Bild zum damaligen Oslo-Abkommen ging um die Welt. Mehr als ein Vierteljahrhundert später scheint sich der Geist von Oslo, ein Friede in Nahost, verflüchtigt zu haben – auch wenn US-Präsident Donald Trump kürzlich einen „Deal des Jahrhunderts“ ankündigte, mit dem der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern angeblich gelöst werden soll.

Jetzt geht ein enger Vertrauter Rabins in einer Biografie der Frage nach, weshalb der Optimismus verfrüht war, warum Rabins Friedensprojekt gescheitert ist und was das heute für die Region bedeutet. Itamar Rabinovich macht kein Geheimnis aus seiner Verehrung für den Mann, der ihn als Botschafter nach Washington entsandt und mit dem er bei den komplexen Verhandlungen über die Rückgabe der Golanhöhen an Syrien als Chefunterhändler eng kooperiert hatte.

Der Einsatz für den Frieden sei für Rabin „eine natürliche Erweiterung seiner früheren Soldatenlaufbahn“ gewesen, schreibt Rabinovich. Vom erfahrenen General zum Verteidigungsminister zum Diplomaten – das war Rabins Werdegang „Soldier, Leader, Statesman“ heißt das Werk deshalb auch im Original, das jetzt auf Deutsch („Jitzchak Rabin: Als Frieden noch möglich schien“) vorliegt.

Rabin sei kein naiver Pazifist gewesen, so Biograf Rabinovich. Oft werde er als „viel friedliebender“ dargestellt, als er es wirklich war. Dennoch wollte er die Konflikte mit den arabischen Nachbarn eines Tages beilegen. „Frieden und Sicherheit waren für ihn untrennbar“ – allerdings nur, soweit sie die strategischen Interessen Israels nicht gefährden würden. Israel first, quasi.

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Besonders Israels Rechte warf ihm vor, Teile des Heiligen Landes preisgeben zu wollen, und beschimpfte den Premier gar als „Verräter“. Rabin hielt dagegen: „Man schließt nicht mit Freunden Frieden, sondern mit Feinden.“ Überzeugt hatte er seine Gegner damit nicht. Am Abend des 4. November 1995 schoss ein fanatisch-orthodoxer Jurastudent auf einer Friedensdemonstration in Tel Aviv auf den Premier und tötete ihn. Der Mord war im Detail vorbereitet worden. Mehrere Versuche waren zuvor gescheitert, ohne dass die Mordpläne aber aufgeflogen wären.

Rabinovich sieht das tragische Ende Rabins als Meilenstein auf dem Weg Israels nach rechts. Es habe eine rasche Abkehr von der Friedenspolitik eingeleitet, die Rabin maßgeblich gestaltet hatte. Der Mord offenbarte einen tiefen gesellschaftlichen Graben, der das Land bis heute spaltet.

Rabin fehle für das Projekt Frieden, bedauert sein Wegbegleiter Rabinovich. Eine erfolgreiche Friedenspolitik setze voraus, dass an der Spitze der Regierung ein glaubwürdiger und gleichzeitig mutiger Politiker stehe. Ohne es auszusprechen, kritisiert er damit die Regierung des aktuellen Premiers Benjamin Netanjahu. Rabinovich schreibt: Die „Sehnsucht nach einer Führungspersönlichkeit von Rabins Format und mit seinen Qualitäten“ sei „immer wieder schmerzlich spürbar“. Manchmal können eben auch Diplomaten direkt sein.

Mehr: Die USA wollen Ende Juni den ersten Teil ihres Nahost-Friedensplan vorstellen. Laut US-Präsident Donald Trump ist es der „Deal des Jahrhunderts“.

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