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Buchtipp: „Quantenwirtschaft“ Glückseligkeit statt Konsumstreben – Ein neues Betriebssystem für die Wirtschaft

Basierend auf den Prinzipien der Quantenphysik entwirft Anders Indset ein utopisches, neues Wirtschaftsmodell. Das alte führe in den Klimakollaps.
1 Kommentar
Der Unternehmer und Wirtschaftsphilosoph ist derzeit gefragt wie ein Rockstar.
Anders Indset

Der Unternehmer und Wirtschaftsphilosoph ist derzeit gefragt wie ein Rockstar.

München Vermutlich würde es niemand bemerken, wenn sich der Norweger Anders Indset in einen „Herr der Ringe“-Film schleichen würde. Die braunen Haare fallen ihm auf die Schultern, das Haupthaar hält ein Knoten zusammen. Um das rechte Handgelenk trägt der 41-jährige Wirtschaftsphilosoph, der eben eine Keynote auf einem Kongress im schweizerischen Arosa gehalten hat, schwarze Kettchen, an den Fingern dicke Silberringe. Nach Erscheinen seines aktuellen Buchs „Quantenwirtschaft“ ist der „Digital-Jesus“ oder „Rock-’n’-Roll-Plato“, wie ihn Medien schon bezeichnet haben, gefragt wie ein Rockstar.

„In den vergangenen fünf Wochen hatte ich 26 Gigs in elf Ländern“, sagt Indset, der Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik in Strategie und Unternehmensführung berät. Auf Bühnen spricht er so eindringlich über Sinn und Ethik, dass sich die Zuhörer danach, wie neulich im bayerischen Garmisch, schon mal kollektiv zur Kontemplation in die Berge verabschiedeten.

Er selbst sei ein „Hardcore-Kapitalist“ gewesen, sagt Indset über sich. Er hat Firmen gegründet, für Konzerne gearbeitet, viel Geld verdient, viel Geld verloren – bis er es leid war, Erwartungen anderer zu erfüllen. Mit „Quantenwirtschaft“ ist Indset, der in Norwegen ein Marketingstudium abgebrochen und sich praktische Philosophie im Selbststudium angeeignet hat, nun in die Top Ten der meistgelesenen Wirtschaftsbücher in Deutschland eingestiegen.

Man befinde sich „kurz vor einem Ökokollaps“ warnt Indset. Schuld an der drohenden Klimaapokalypse sind für den Norweger, der vor 19 Jahren nach Deutschland gezogen ist und akzentfreies Deutsch spricht, „Turbokapitalismus“ und „Hyperkonsum“ als Surrogat für fehlende Sinnhaftigkeit und Erfüllung. Die Menschen hätten sich auf die unteren Stufen der Maslow‘schen Bedürfnispyramide fokussiert, auf Sicherheit und Materielles, und darüber die Verwirklichung eigener Träume und Talente verdrängt.

Das gelte für einfache Arbeiter ebenso wie für CEOs. Wer 30 bis 40 Jahre in diesem materialistischen System gearbeitet habe, verlerne zu fühlen, die innere Stimme wahrzunehmen. Aber „wir werden ganz sicher nicht alle Ferraris oder Jachten besitzen“, sagt Indset.

In seinem Buch entwickelt der Handelsblatt-Kolumnist ein „neues Betriebssystem für die Wirtschaft“, stark beeinflusst von der Quantenphysik. Klassische physikalische Gesetze wie das Newton’sche Prinzip des „Entweder-oder“ entfallen. In der Quantenwelt gelte das „Sowohl-als-auch“.

Anders Indset: Quantenwirtschaft – Was kommt nach der Digitalisierung?
Econ 2019
336 Seiten
22 Euro
ISBN-13: 978-3430202725

Ein Verschmelzen und Überlappen von Raum, Zeit und Wahrscheinlichkeiten. „Die Quantenwirtschaft beruht auf der Einsicht“, schreibt Indset, „dass die Welt nicht linear ist und nicht aus unverbundenen Teilchen besteht, sondern alles mit allem verbunden ist, sei es durch ein kosmisches Energiefeld oder ein kollektives Bewusstsein (...)“. In diesem interdependenten System sind auch Menschen untereinander verbunden wie Energiepartikel.

In der Quantenwirtschaft sind sich die Akteure dieser Wechselwirkung bewusst und handeln entsprechend. So gibt es keine Sieger und Verlierer, sondern eine solidarische Gemeinschaft, die nachhaltig produziere. Die „Q-Economy“ sei „eine perfekte Kreislaufwirtschaft“ gestützt durch neue Formen eines Grundeinkommens.

Nur so werde sich die Gesellschaft stabilisieren, wenn viele Jobs durch Digitalisierung und Automatisierung wegfielen. Die Kernfragen lauten, so Indset: Wie kann man Glückseligkeit in die Wirtschaft integrieren? Wie lassen sich immaterielle Güter wie Glück, Liebe, Empathie und Nachhaltigkeit kapitalisieren?

Erste Beispiele für die neue Zeit gibt es schon heute: Etwa die Achtsamkeitsapp „Headspace“ oder die nahezu CO2-neutralen Bodenbeläge der Firma Interface. In Indsets „Quantopia“ dominieren Gebrauch statt Verbrauch, Kreisläufe statt Schrott, Social statt Big Business. „Ko-operenz“ zwischen Firmen statt ruinösem Wettbewerb.

Indset weiß, dass seine Q-Economy als Katalysator für gesellschaftlichen Wandel nur über eine „Bewusstseinsrevolution“ entstehen kann. Hoffnung macht ihm die junge Generation „der Erwachten“ – Menschen wie Greta Thunberg. Eine Generation, die gestaltet und Politiker mit Fragen konfrontiert, die sich die Gesellschaft viel intensiver stellen sollte. Etwa, wie wir mit neuen Technologien zusammenleben wollen.

Der digitale Tsunami stehe erst bevor, prognostiziert Indset. Neue Quantentechnologie gepaart mit Künstlicher Intelligenz könnten den Menschen zum „Homo Obsoletus“, zum überflüssigen Untertan, herabwürdigen. Indset ist weder Fatalist noch Sozialromantiker. Was sich bisweilen kurios bis fantastisch liest, entwickelt er auf 330 lehrreichen Seiten präzise und mit vielen Beispielen aus der Philosophie, Mathematik und Physik.

Auch wenn manches bisweilen arg überspitzt und vereinfacht daherkommt. Am Ende ist die Quantenwirtschaft eine Utopie – was nicht bedeutet, dass sie nicht Realität werden könnte. Ganz im Sinne der Quantenphysik: Alles ist möglich, und was sich manifestieren soll, muss zunächst einmal gedacht werden.

Mehr: Deutschland braucht ein neues Betriebssystem, um im technologischen Wettrennen mithalten zu können. Dafür muss mehr praktische Philosophie ins Business, meint Anders Indset.

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Mehr zu: Buchtipp: „Quantenwirtschaft“ - Glückseligkeit statt Konsumstreben – Ein neues Betriebssystem für die Wirtschaft

1 Kommentar zu "Buchtipp: „Quantenwirtschaft“: Glückseligkeit statt Konsumstreben – Ein neues Betriebssystem für die Wirtschaft"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wirtschaftspolitisch kann man das wohl so sehen, muss man aber nicht, und über die verunglückte Metapher mit dem Betriebssystem kann man zur Not auch noch hinwegsehen.
    Aber was soll in diesem Zusammenhang das abstruse Quantengeschwurbel? Aus den Zusammenhängen, in denen hier die Quantenphysik missbräuchlich zitiert wird, lässt sich eigentlich nur folgern, dass der Autor von Physik absolut nichts verstanden hat. Wissenschaft ist kein Steinbruch für Begriffe, die man beliebig aus dem Zusammenhang reißen kann, um willkürlichen Ideen einen Anstrich wissenschaflticher Seriosität zu geben.

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