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Buchtipp: „Rockonomics“ Wie sich Musikindustrie und Wirtschaft gegenseitig beeinflussen

Barack Obamas einstiger Top-Wirtschaftsberater erklärt das Musikgeschäft. Es ging schon immer ums Geldverdienen – aller Hippie-Mythen zum Trotz.
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Für Alan B. Krueger ist Rockmusik Ökonomie und umgekehrt. Quelle: amana images/Getty Images
Schallplattenspieler

Für Alan B. Krueger ist Rockmusik Ökonomie und umgekehrt.

(Foto: amana images/Getty Images)

MünchenZu jeder Zeit gehören Mythen. Das Klischee der Rockmusik der 1960er-Jahre war: gegen das Establishment, gegen Kommerz, gegen Materialismus. Woodstock war weit weg von der faktischen Kraft des Bankkontos.

Alles Mumpitz, stellt Alan Krueger gleich mal zu Beginn fest und zitiert Paul McCartney: „John und ich haben uns buchstäblich hingesetzt und gesagt: ‚Nun lass uns einen Swimmingpool schreiben.‘“ Ein materialistisches Ziel, das gar nicht so unverständlich war: Die Beatles schafften es dank des Komponistenpaars Lennon/McCartney raus aus dem armen Liverpool und konnten sich jedes Ferienhaus leisten. Baby, You’re A Rich Man.

Für Buchautor Krueger (1960–2019) ist Rockmusik Ökonomie und Ökonomie Rockmusik. Das eine versucht er mit dem anderen zu erklären. Schon als Chefwirtschaftsberater von Barack Obama hatte der Princeton-Professor über „Rockonomics“ geredet, was den US-Präsidenten faszinierte. Wirtschaftswissenschaften müssten Geschichten erzählen, findet Krueger.

Man kann etwa das Phänomen der ungerechten Einkommens- und Vermögensverteilung den Verhältnissen in der Musikbranche gegenüberstellen, wo nur noch wenige über den Verkauf teurer Konzertkarten gut verdienen, während die Masse der Musiker Lieder produzieren, die kaum einer mehr kauft, sondern höchstens zum Minitarif per Streaming konsumiert. Spotify und Co. schaffen eine eigene Ökonomie, eine „Revolution“, die gerade erst beginne, so Krueger. Das Streaming verändere alles.

Längst hat die Realität David Bowies Theorie überholt: Der Rockstar sah voraus, dass Musik so etwas werde wie fließendes Wasser oder Strom – ein Gemeingut, immer vorhanden, immer abrufbar. Wer aber live dabei sein will, muss richtig blechen. Bei den fünf Topverdienern des Rockgeschäfts machen Konzerterlöse heute 85 Prozent des Umsatzes aus. Insgesamt stiegen die Ticketpreise von 1981 bis 2018 um 400 Prozent (Verbraucherpreise: plus 160 Prozent).

Alan Krueger: Rockonomics. What the Music Industry Can Teach Us About Economics (and Our Future)
Currency
2019
336 Seiten
23,99 Euro
ISBN-13: 978-1473667884

In diesem Geschäft komme es, wie überhaupt in der Ökonomie, auf Nachfrage an, also auf eine große Kundenbasis, die mit einem eigenen Sound zu bedienen sei, doziert Krueger, der mit vielen Musikern und Managern geredet hat. Größe („Skalierung“) und Unverwechselbarkeit seien Hauptelemente, um Superstars zu schaffen.

Und: Nicht Gier sei das Motiv der Rockmusiker, sondern Schöpferdrang, man müsse zum „kaputten Teil des Herzens“ gelangen, um Songs zu schreiben (Lady Gaga). Was es in der Branche gibt, sei ein neues Kostendenken, so Krueger, keiner toure mit Riesenorchester wie einst Emerson, Lake & Palmer.

„Rockonomics“ hat nicht ganz den Drive von „Freakonomics“ (2005), einem ähnlich gelagerten Buch über Alltagsökonomie. Aber es ist ein anregendes, gut recherchiertes Buch über eine Branche, die Intransparenz schätzt wie Keith Richards den Whisky. Die von Selbstausbeutung lebt wie die neue digitale Ökonomie. Wir lernen: Die „Gig Economy“ begann im Musikgeschäft.

Mehr: Spotify krempelt die Branche um: Statt Singles und Alben entscheiden Playlists über den Erfolg von Künstlern. Ein Einblick in die neue Musikwelt.

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