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Buchtipp: „Schwarz. Rot. Müll.“ Schmutzige Deals – Abfall als kriminelles Geschäftsmodell

In Ostdeutschland lagert tonnenweise illegal verscharrter Müll, wie ein Journalist aufgedeckt hat. Die Folgen für Mensch und Natur sind ungewiss.
14.12.2019 - 15:01 Uhr Kommentieren
In vielen Fällen schauen die Behörden weg. Quelle: dpa
Überquellende Müllcontainer

In vielen Fällen schauen die Behörden weg.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Darum geht es: Deutschland ist stolz auf sein Recyclingsystem; auf schwarze, gelbe, braune Tonne, Altpapier und Pfandflasche. Was der Investigativjournalist Michael Billig jedoch auf 240 tief recherchierten Seiten beschreibt, ist alles andere als sauber. Denn: Eigentlich ist die Entsorgung von Müll in Deutschland extrem kostspielig – was den Abfall zum attraktiven Geschäftsmodell für Kriminelle mache.

Das Prinzip: Firmen versprechen eine fachgerechte Entsorgung zum kleinen Preis und kippen den zum Teil giftigen Dreck verbotenerweise einfach auf eine Halde oder verscharren ihn in der Erde. Billig nennt Firmen und Personen, die jahrelang organisiert Müll von West- nach Ostdeutschland transportiert haben sollen. Allein in Brandenburg hat Billig 150 illegale Deponien der Müllmafia gezählt, die Kosten für eine fachgerechte Entsorgung würden Hunderte Millionen Euro betragen.

Und die Behörden? Schauen in vielen Fällen weg, statt zu kontrollieren. „Das Versagen“, so der Autor, „hat strukturelle Gründe.“ Und damit modert der Dreck – von alten Reifen, Bauschutt und Asbest bis hin zu Krankenhausmüll – mitten in Deutschland vor sich hin.

Das ist der Autor: Michael Billig hat sich als freier Journalist („Wirtschaftswoche“, „NDR“, „RTL“) insbesondere mit Recherchen zur Abfallwirtschaft einen Namen gemacht. Das Ergebnis seiner jahrelangen Arbeit ist nicht nur im Buch zu lesen, sondern auch auf seinem Blog „Müllrausch“. Auf einer interaktiven Karte hat Billig dort die Orte erfasst, an denen Müllhändler illegal mehr als drei Millionen Tonnen Müll abgeladen haben.

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    Das stört: Der Autor gibt sich viel Mühe, anhand vieler Einzelfälle ein zusammenhängendes Muster zu zeigen. Aber das gelingt ihm nur teilweise. Der Leser wird mit Details überhäuft, bis hin zur genauen Art des Lastwagens, mit dem der illegale Müll von West nach Ost transportiert wird.

    Der Großteil des Buches beschäftigt sich ausschließlich mit Einzelbeispielen. Es geht von einem Fall zum nächsten. Der große Zusammenhang lässt sich jedoch nur am Rande erahnen. Das setzt viel Kontextwissen voraus.

    Michael Billig: Schwarz. Rot. Müll.
    Herder
    240 Seiten
    22 Euro

    Das überrascht: Obwohl sich Billigs Fälle maßgeblich zwischen 2005 und 2009 abspielen, gelingt es dem Autor, eine Parallele in die Gegenwart zu ziehen. Denn von Deutschland aus haben sich die Müllschieber heute in der gesamten Europäischen Union verteilt, insbesondere in Polen ist die Müllmafia aktiv.

    Und der nächste Müllberg entsteht auch schon: Elektroschrott gehört zu den am schnellsten wachsenden Abfallströmen der Welt, weiß Billig: „Die Namen von Firmen und Mülljongleuren mögen sich ändern. Die schmutzigen Deals aber gehen weiter.“ Und tatsächlich nennt der Autor auch einen Lösungsansatz: „Ohne Kontrollen sind die strengsten Abfallgesetze der Welt nichts wert.“

    Mehr: Heikle Lücken bei der Entsorgung von Batterien für E-Autos – Umweltbundesamt überprüft Tesla.

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