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Buchtipp: „Sich selbst vertrauen“ Warum Selbstvertrauen so wichtig ist wie nie zuvor

In einer immer komplexer werdenden Welt braucht es Entscheidungsfreude. Doch Zweifel auszuräumen erfordert großes Selbstvertrauen. Ein Leitfaden.
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Die Entscheidungsfreude steigt, sagt Charles Pépin, je mehr wir den unvermeidlichen Anteil an Ungewissheit akzeptieren. Quelle: Javier Allegue Barros on Unsplash
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Die Entscheidungsfreude steigt, sagt Charles Pépin, je mehr wir den unvermeidlichen Anteil an Ungewissheit akzeptieren.

(Foto: Javier Allegue Barros on Unsplash)

Düsseldorf Am Anfang sind wir hilflos. Kein Säugetier braucht nach der Geburt so viel Hilfe wie der Mensch. Ein Fohlen kann nach wenigen Minuten laufen, wir brauchen rund ein Jahr. Wie soll sich ein Säugling selbst vertrauen? „Der Mensch kompensiert dieses Manko der Natur mit Kultur: Familie, gegenseitige Hilfe, Bildung“, schreibt Charles Pépin in seinem sehr lesenswürdigen Buch „Sich selbst vertrauen“. Dem Philosophen ist nach „Die Schönheit des Scheiterns“ erneut ein großer Wurf gelungen – und er braucht dafür kaum mehr als 200 Seiten.

Pépin unterscheidet drei Arten von Selbstvertrauen: Erstens das Vertrauen in die anderen, zweitens das in die eigenen Fähigkeiten und drittens das in das Leben – einige würde wohl formulieren: in Gott. Der Säugling kommt entsprechend über Variante zwei zur Zuversicht. Klar ist aber auch: Das Vertrauen in sich selbst kann sich nur entwickeln, wenn wir lernen, den Herausforderungen des Lebens gerecht zu werden. Und das wird immer schwieriger.

„Noch nie war es so wichtig, Selbstvertrauen zu haben, und zugleich so schwierig, dieses aufzubauen. Ein Grund: „Uns ist der primäre Kontakt zu den Dingen verloren gegangen.“ Unsere Produktionsprozesse seien derart kompliziert geworden, dass wir nicht mehr wüssten, was wir tun. Viele Berufe kann man kaum noch in wenigen, einfachen Worten beschreiben. Und ein Tag voller Sitzungen und Emails macht es schwerer, Selbstvertrauen aufzubauen, als wenn man zum Beispiel ein Parkett verlegt.

Pépin betont den erheblichen Unterschied zwischen Vertrauen und Können: „Sich selbst vertrauen bedeutet, etwas anzugehen, das uns noch keine tausend Mal gelungen ist.“ Wenn wir etwas ausprobieren, das wir nicht können, vertrauen wir eben nicht nur unseren Fähigkeiten, sondern auch uns selbst.

Wer sich selbst vertraue, wisse um die eigene Fähigkeit, das Unvorhersehbare anzunehmen. Und man müsse sich nicht einreden, dass das Leben vorhersehbar sei. Eine von Pépins zentralen Thesen ist, dass die Entscheidungsfreude steigt, je mehr wir den unvermeidlichen Anteil an Ungewissheit akzeptieren.

Charles Pépin: Sich selbst vertrauen. Kleine Philosophie der Zuversicht.
Carl Hanser Verlag
224 Seiten
17 Euro

Ein zweiter wichtiger Unterschied sei der zwischen Wahl und Entscheidung – zwei Begriffe, die wir im Deutschen gern synonym verwenden. Dabei sprechen wir von zwei sehr unterschiedlichen Dingen: Wählen bedeutet, sich auf rationale Kriterien zu berufen. Also hier entscheiden wir sozusagen sehr bewusst mit dem Verstand. Um sich zum Beispiel zwischen zwei Preisen zu entscheiden, muss man denken und rechnen können. Dafür braucht es in der Regel kein Selbstvertrauen.

Entscheiden bedeutet hingegen, „die Mangelhaftigkeit der Kriterien durch den Gebrauch der Freiheit zu kompensieren“. Wer wählt, weiß, bevor er handelt. Wer entscheidet, handelt, bevor er weiß. Diese Freiheit bringe uns oft gehörig durcheinander. Und das heute mehr denn je. Tausende Jahre lang war es für die allermeisten Menschen sinnlos, Selbstvertrauen zu haben. Dann kam die Aufklärung und in Zeiten der Digitalisierung haben wir mehr Möglichkeiten denn je.

Die Moderne hat uns zu freien Wesen gemacht, die für ihr Schicksal selbst verantwortlich sind, schreibt Pépin. Die Möglichkeiten sind riesig, aber auch der Druck. Allein geht gar nichts: „Niemand kann allein Selbstvertrauen fassen.“ Es sei in erster Linie eine Geschichte von Liebe und Freundschaft.

Mehr: Neu erschienene Sachbücher behandeln die Zukunft der Arbeit, den „neuen“ Menschen und die Digitalisierung. Welche Werke Sie in Ihren Koffer packen sollten.

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