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Buchtipp: „Tim Cook“ Warum Tim Cook der bessere Apple-Chef ist

Eine neue Biografie über den Apple-Boss Tim Cook räumt mit dem Gründermythos um Steve Jobs auf. Cook muss sich nicht vor Jobs‘ Erbe verstecken.
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Apple: Warum Tim Cook der bessere Chef als Steve Jobs ist Quelle: The Washington Post/Getty Images
Apple-Chef Tim Cook

Der Nachfolger von Steve Jobs blieb lange Zeit gerne im Hintergrund.

(Foto: The Washington Post/Getty Images)

San Francisco Von jeher misst die Welt Tim Cook an dem Mann, der er nicht ist: Steve Jobs. Der aktuelle Apple-Chef sei kein „iGod“, wie das „New York Magazine“ Gründer Jobs einmal nannte. Er sei kein genialer Designer, kein Technologieprophet.

Die „Huffington Post“ erklärte kurz nach Jobs’ Tod gar: „Warum Apple dem Untergang geweiht ist“ – Tenor: Der Konzern würde das Ableben seines legendären Gründers nie überstehen. Tatsächlich ist das Gegenteil eingetreten.

Das zeigen zumindest die Zahlen: Erst unter Cook stieg Apple zu neuem Glanz auf und erreichte im August 2018 als erster Konzern der Welt die Billionen-Dollar-Bewertung. 1,4 Milliarden Menschen besitzen heute ein Apple-Gerät, 900 Millionen ein iPhone – die meisten davon verkauft in der Ära Cook.

Wer in dem Mann aus Alabama nur die ewige Nummer zwei sieht, der schaut nicht richtig hin, glaubt Unternehmensberater Tim Bajarin, der Kontakte bis ins höchste Management in Cupertino pflegt. „Steve Jobs wollte nicht, dass Cook sein Klon wird“, sagt er. „Cook sollte Apple den eigenen Stempel aufdrücken.“

Den leiseren, aber nicht weniger erfolgreichen Führungsstil des 58-jährigen Managers aus den tiefroten Südstaaten beschreibt der Journalist Leander Kahney nun auch in einer neuen Biografie, die kommenden Dienstag erscheint: „Tim Cook – The Genius Who Took Apple to the Next Level“ heißt sie.

Leander Kahney: Tim Cook – The Genius Who Took Apple to the Next Level
Penguin Publishing Group
2019
320 Seiten
23 Euro

Das Buch vom Gründer und Chef des Apple-Blogs „Cult of Mac“ widerlegt die Legende vom Alleskönner Jobs und vom Langweiler Cook. „Viele machen sich nicht klar, dass in einer erwachsenen Firma wie Apple nicht die Produkte am wichtigsten sind, sondern die Logistik – eine effiziente Lieferkette, Vertrieb, Finanzen und Marketing“, argumentiert der Autor. „Und Cook hat gezeigt, dass er für all das ein Talent besitzt.“

Die Tim-Cook-Biografie ist fast schon rücksichtslos positiv. Häufig kommt Marketingmann Greg Joswiak zu Wort, verantwortlich für iPad und iPhone und das Betriebssystem iOS. Der Autor lässt den neuen Chef an der Apple-Spitze hochleben, auf Kosten des alten.

Hauptmerkmal: unauffällig

Jobs bescheinigt der Biograf Kahney zwar einen sechsten Sinn für geniale Produkte. Doch er sei nie wirklich Apples CEO gewesen, habe einfach kein Interesse am Geschäft gehabt und stattdessen lieber mit Designer Jony Ive an neuen Ideen gebastelt. Der Konzern habe nur durchgehalten, „weil andere Leute die Verantwortung hatten“. Leute wie Cook.

Der Apple-Gründer holte den 34-jährigen Manager im März 1998 nach Cupertino, zunächst als Vice President für das operative Geschäft. Der stille Mr. Cook stieg schnell auf, vertrat Jobs bereits 2009 und 2011, als dieser wegen seiner Krebserkrankung ausfiel, und avancierte zur rechten Hand des Chefs.

„Steve hat Tim jahrelang auf den Posten des CEO hin geschult und vorbereitet“, erzählt der Apple-Kenner Bajarin. Noch zu Lebzeiten von Jobs stellte Cook Apples Vertrieb neu auf, verlagerte die kostspielige Produktion nach China und führte die Firma damit vom Bankrott in die Gewinnzone. Der Manager brillierte durch Pflichterfüllung statt Überraschungen, ebenso verhält es sich mit seiner Biografie.

Steve hat Tim jahrelang auf den Posten des CEO hin geschult und vorbereitet. Tim Bajarin (Unternehmensberater)

Das auffälligste Merkmal des Timothy Donald Cook ist seine Unauffälligkeit. Die Kapitel der beruflichen Stationen vor Apple, darunter bei IBM, Intelligent Electronics, einem Computerhändler mit engen Verbindungen zu Apple, oder PC-Hersteller Compaq reizen zum Überblättern. Überraschungen fördert die Biografie nicht zutage.

Aber vielleicht passt das zu jemandem wie Cook. Schon in der Highschool stach der Sohn eines Werftarbeiters nicht weiter heraus, schreibt Kahney. In der Kleinstadt Robertsdale, Alabama, tief im Süden Amerikas, galt Cook als akribischer, bescheidener Schüler, mit Vorlieben für Algebra und Geometrie. Fotos aus dieser Zeit zeigen einen „leicht schlaksigen, aber athletischen Jugendlichen“, heißt es in dem Buch. Skandale? Rebellion? Drogen? Exzesse? Fehlanzeige.

Die Kommilitonen an der Auburn University und der Duke University, wo er Industriedesign studierte und einen MBA abschloss, loben Cooks Intelligenz und Freundlichkeit. Kollegen und frühere Chefs preisen die Verlässlichkeit des Musterstudenten. Über das Privatleben des Apple-Chefs erfährt der Leser wenig – außer, dass er bis zum Tod seiner Mutter 2015 jedes Wochenende zu Hause anrief.

Der CEO strahlt etwas Unnahbares aus. „Cook ist vielleicht der privateste Mann in der sichtbarsten Firma der Welt“, heißt es in der Biografie. Mit einer Ausnahme. Im Oktober 2014 schrieb der 58-Jährige in „Bloomberg Businessweek“ erstmals über seine Homosexualität.

Cook glänzt lieber in der zweiten Reihe

Doch meistens überließ Cook Jobs die große Bühne, dem extrovertierten Hippie, der sich manchmal wochenlang nur von Äpfeln ernährte, noch auf dem Sterbebett mit halluzinogenen Drogen experimentierte und nebenher einige der größten Durchbrüche der Technologiegeschichte erfand: vom ersten Personal Computer (dem Apple II) über den ersten PC für jedermann (den Mac) bis hin zu iPod, iPhone oder iPad. Cook hingegen sorgte dafür, dass das Unternehmen lief. Hinter einem starken Genie stand ein stärkerer Mann für das operative Geschäft.

Doch das führte dazu, dass man Cook, dem blassen Mann im Hintergrund, die Jobs-Nachfolge nicht zutraute. „Doch aller Kritik muss man entgegenhalten, dass mit ihm Apples Erfolgsgeschichte einfach weitergeht“, sagt Colin Crawford, Ex-Geschäftsführer der Apple-Zeitschrift „Macworld“.

Cook steht für die neue Führungsgeneration im Silicon Valley. Der Erfolg des Managers beruht auf Eigenschaften, die dem schillernden Jobs fehlten: Bescheidenheit, Zurückhaltung und der Wille zur Zusammenarbeit. Der 58-jährige Cook führt eher wie ein Trainer.

„Großartige Ideen kommen von brillanten Entwicklern, die ein paar Level weiter unten in unserer Organisation vergraben sind“, sagt Apples Marketingmann Joswiak. Anders als der zum Teil tyrannische, egomanische Jobs, der stets alle Aufmerksamkeit auf sich zog, glänzt heute auch die zweite Reihe bei Apple.

Dieser Managementstil entspricht dem Zeitgeist. Nach Datenlecks, Manipulations- und Hate-Speech-Skandalen stehen gerade die Firmen im Silicon Valley eher in der Pflicht, dem Rest der Welt zu zeigen, dass ihre Innovationen gut für alle sind und nicht nur für Aktionäre. Der diplomatische Vermittler Cook erfüllt diesen Wunsch.

Er spricht darüber, wie Apple die Erde besser verlassen will, als es sie vorfand, stellt Werte wie Diversität, Klimaschutz und Bildung in den Vordergrund. Allerdings vergisst auch die Tim-Cook-Biografie nicht zu erwähnen, dass Apples fragwürdige Steuervermeidungspraktiken irgendwie nicht so recht zu dieser Marketingstrategie passen.

Herausforderungen bestehen

Geschäftlich steckt Cook derzeit vor einer anderen Riesenherausforderung: Nach dem Ende der Smartphone-Ära muss er das Unternehmen zur Technologieplattform umbauen. Muss den Heerscharen von Apple-Fans immer neue Abos und Serviceangebote verkaufen. Doch das wird nur funktionieren, wenn Kunden darauf vertrauen, dass Apple Informationen schützt.

Erste Erfolge erzielte Cook bereits. Die „Services“-Sparte, die nun neue Video-, Gaming- und News-Angebote ergänzen, wuchs 2018 um 33 Prozent. 70 Prozent aller Händler in den USA akzeptieren laut Cook Apple Pay. Bei neuer Hardware sticht die Apple Watch heraus. Die Verkäufe wachsen von Quartal zu Quartal um 50 Prozent. Laut Morgan Stanley könnte Apple mit den EKG- und Fitnessfunktionen zum Marktführer bei Kundengesundheit aufsteigen, mit Umsätzen von bis zu 313 Milliarden Dollar im Jahr 2027. Auch die Wall Street blickt deshalb optimistisch auf Apples Zukunft.

Dennoch: Zwei große Probleme hat Cook nach wie vor nicht gelöst. Sprachassistentin Siri rangiert hinter der Konkurrenz von Google und Amazon. Und der Erfolg von Apples Autoprojekt „Titan“ scheint ungewisser denn je. Seit die ersten Details 2015 ans Licht kamen, überschlagen sich die Spekulationen.

Zunächst war die Rede davon, dass Apple eigene Fahrroboter baue, dann lautete die Vermutung, der Konzern entwickle nur zugehörige Software oder Entertainmentsysteme. Cook-Biograf Kahney beschreibt das Projekt nun gar als „gescheitert“, und auch Apple-Kenner und Analyst Horace Dediu hält es für „den größten Fehler“ in der Ära Cook.

Der Konzern, selbst Hersteller von Hardware und Software, habe das Projekt zu schnell vorangetrieben und streckenweise tausend Autoexperten angestellt. „Nur die Zeit wird zeigen, was aus Project Titan geworden ist“, schreibt Kahney. Da kann ein bisschen diplomatische Langeweile nicht schaden.

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