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Buchtipp Über die Wiederentdeckung des Landes

Der Geograph Werner Bätzing erkundet die gefährdete Lebensform – und macht in seinem Buch überraschende Vorschläge für deren Aufwertung.
13.10.2020 - 17:38 Uhr Kommentieren
Der Staffelberg in der Fränkischen Schweiz präsentiert sich nahezu als Klischee. Mit vielen Klischees räumt der Autor in seinem Buch allerdings auf. Quelle: imago stock&people
Natur pur

Der Staffelberg in der Fränkischen Schweiz präsentiert sich nahezu als Klischee. Mit vielen Klischees räumt der Autor in seinem Buch allerdings auf.

(Foto: imago stock&people)

Darum geht's: In Zeiten der Pandemie erscheint das Landleben als Alternative zu den Städten wie ein Paradies. Viel Platz, viel Natur, wenig Menschen schüren die Sehnsucht nach einer Alternative des urbanen Daseins in der Coronakrise. Der Zeitpunkt für „Das Landleben“, dem neuen Buch des Geographen Werner Bätzing hätte also besser nicht gewählt werden können.

Der Autor räumt in seinem historischen und kultursoziologischen Buch mit den gängigen Klischees auf. Der früheren Gleichwertigkeit von Land und Stadt im Mittelalter stellt er die Entwertung durch die Industrialisierung und die neue Aufwertung im Zeitalter der Postmoderne gegenüber. Bätzing ist nicht nur ein nüchterner Analyst des heute so aktuellen Themas. Sein Buch zum Landleben ist ein spannendes Plädoyer für einer Weiterentwicklung des Lebens und Arbeitens außerhalb von Städten.

Gerade durch die Digitalisierung und den Durchbruch des Homeoffices in der Pandemie entstehen neue Möglichkeiten. Bätzing hält das Landleben auch im 21. Jahrhundert für unverzichtbar und erklärt sehr überzeugend auch, warum das so ist.

Das ist der Autor: Werner Bätzing beschäftigt sich seit einem halben Jahrhundert mit dem Leben auf dem Land. Das liegt auch nahe. Denn der mittlerweile emeritierte Wissenschaftler lehrte viele Jahre an der Universität Erlangen und lebt heute in Bamberg. Da sind scheinbare ländliche Idyllen wie die Fränkische Schweiz oder Mainfranken in unmittelbarer Nachbarschaft.

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    Bekannt wurde der Kulturgeograph als Alpenforscher. Bätzing mischt sich immer wieder in Debatten um Tourismus und Ökologie mit klugen Analysen ein. Deshalb wird der Wissenschaftler auch international so geschätzt.

    Das überrascht: Das Buch folgt nicht der populären, vermutlich auch verkaufsfördernden These vom besseren Leben auf dem Land. Vielmehr seziert Bätzing die soziokulturellen, ökologischen und ökonomischen Brüche und Widersprüche. Mit seiner tiefgründigen Analyse schafft er damit das Fundament, wie die Politik das Leben und Arbeiten außerhalb von Ballungsräumen weiterentwickeln kann.

    Vor praktischen Ideen scheut Bätzing keineswegs zurück. Im Gegenteil plädiert er dafür, die mit dem Lineal in den 70er Jahren geschnittenen Gemeinde- und Landkreisgrenzen durch neue praktische und identitätsstiftende Raumstrukturen wie zum beispielsweise Naturparks zu ergänzen. Hier stand die Fränkische Schweiz, die durch die bayerische Gebietsreform gleich von drei Landkreisen willkürlich zerschnitten wird, unzweifelhaft Pate bei der überzeugenden Idee.

    Das stört: Der Autor macht es seinen Lesern mit seinem sehr sachlich-abstrakten Nominalstil nicht leicht. Eine umständliche Wissenschaftssprache verstellt bisweilen den Blick auf die klugen Gedanken und zukunftsweisenden Thesen. Hinzu kommen noch sprachliche Ungenauigkeiten wie beispielsweise beim Umgang mit dem politisch aufgeladenen Wort Asylanten statt Asylbewerber. Streckenweise wünscht sich der Leser, das Lektorat hätte sprachlich stärker in den Text eingegriffen, ohne aber den spannenden Inhalt zu verändern.

    Werner Bätzing, Das Landleben. Geschichte und Zukunft einer gefährdeten Lebensform, 302 Seiten, 26,80 Euro, Verlag C.H. Beck

    Mehr: Wie vier Philosophinnen in finsteren politischen Zeiten die Freiheit verteidigten

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