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Buchtipp: „Vom Ende der Klimakrise“ Was die Generation Greta umtreibt

Luisa Neubauer und Alexander Repenning haben einen Leitfaden für Klimaaktivisten geschrieben. Konkrete Lösungsansätze liefert ihr Buch aber keine.
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„Vom Ende der Klimakrise“: Was die Generation Greta umtreibt Quelle: mauritius images / Markus Wissmann / Alamy
Alexander Repenning und Luisa Neubauer

Gilt ihre Verzichtbereitschaft auch dann noch, wenn es konkret wird?

(Foto: mauritius images / Markus Wissmann / Alamy)

Frankfurt Darum geht es: Das Buch „Vom Ende der Klimakrise“ ist eine Art Handbuch für klimabewegte junge Leute, das beschreibt, was aus Sicht der Autoren schiefläuft – mit viel Rückgriff auf Aussagen von Wissenschaftlern und ihren Gremien. Die Lektüre will Mut machen, sich eine andere Zukunft vorzustellen als die, auf die wir zusteuern.

Zudem teilen die Autoren ihre Erfahrungen: Wie organisieren und vernetzen sich Gleichgesinnte, um gemeinsam etwas zu bewirken? Lohnend ist das Buch auch für die Generation 30 plus. Ihr dürfte es helfen, die protestierenden Jugendlichen besser zu verstehen. Die beiden Autoren schaffen es in Stil und Inhalt, eine Brücke zwischen den Generationen zu schlagen.

Das sind die Autoren: Die Geografiestudentin Luisa Neubauer ist so etwas wie das Gesicht der Fridays-for-Future-Bewegung deutscher Schüler und Studenten. Sie hat das Buch zusammen mit Alexander Repenning geschrieben, der sich für die Right Livelihood Foundation engagiert. Die Organisation vergibt den alternativen Nobelpreis.

Das überrascht: Analyse sowie Argumentationsführung der jungen Autoren, selbst auf dem schwierigen Feld der Wirtschaft und der Wissenschaft, sind erstaunlich klar. Die Zielkonflikte zwischen materiellem Wohlstand, Klimaschutz und Armutsbeseitigung werden schonungslos angesprochen. Wie wenig die Ökonomik, als eine Wissenschaft zur Optimierung des Status quo, zur Lösung dieser Zielkonflikte beitragen kann, legen die Autoren bemerkenswert kenntnisreich offen.

Dennoch gelingt es ihnen, einen grundoptimistischen Tenor zu setzen, statt eine Negativbotschaft zu verkünden. Ihr Plädoyer: als Gesellschaft neu darüber nachzudenken, was ein gutes Leben ausmacht. Dafür bietet das Buch keinen umfassenden Neuentwurf, aber jede Menge Anhaltspunkte – etwa den Drang nach Status und Identität anders als materiell zu befriedigen.

L. Neubauer, A. Repenning: Vom Ende der Klimakrise – eine Geschichte unserer Zukunft
Tropen
304 Seiten
18 Euro

Das ist enttäuschend: Wer kein Sprachpurist ist, wird es sicherlich schaffen, über die vielen Anglizismen und Modeausdrücke hinwegzulesen. Wer allerdings erwartet, viele konkrete Handlungsschritte oder gar eine umfassende Strategie zur Bewältigung der Klimakrise zu finden, wird enttäuscht.

Das ist kein kleiner Makel. Denn in der deutlich artikulierten Bereitschaft zum Verzicht, der nicht als Verzicht empfunden werden soll, liegt der Knackpunkt. Gilt diese Bereitschaft auch dann noch, wenn es konkret wird?

Genau das ist die Angriffsfläche für all diejenigen, die die klimabewegten Jugendlichen ebenso wie die Buchautoren als heuchlerisch darstellen wollen. So berichtet etwa Neubauer davon, welche Wellen von Verachtung ihr entgegenschlagen – sie ist schließlich schon viel um den Globus gereist.

So gehen die Autoren im Kapitel „Die Klimakrise ist keine individuelle Krise“ auf diese Kritik ein. Ein Beispiel: „Mehr Fahrrad fahren und Tofu braten“ könne nicht die Antwort auf die Klimakrise sein. Es liege zwar in der Macht des Einzelnen, ob er ein Fahrrad kauft, aber nicht, ob er damit sicher und bequem zur Arbeit oder als Kind in die Schule komme. Der Schlüssel zur Klimarettung liege nicht in Verhaltens-, sondern in Strukturänderungen.

Das mag stimmen. Aber die nötigen modifizierten Strukturen wären einschneidend, auch für die individuellen Konsummöglichkeiten. Es führt kein Weg daran vorbei: Ohne Verzicht geht es nicht. Diese Forderung hätte deutlicher und konkreter ausfallen müssen.

Mehr: Die Klimaaktivisten von Fridays for Future lassen nicht locker: In einem offenen Brief rechnen sie mit den Klimaschutzplänen der Bundesregierung ab.

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